Konzert

So macht Pharrell Williams Berlin happy

Pharrell Williams ist auf seiner ersten Solo-Tour. In der Max-Schmeling-Halle zeigt er mit alten und neuen Songs, wie man Frauen und Männer gleichermaßen glücklich macht.

Foto: Maja Hitij / dpa

Es gibt sie noch, die allumfassende Liebe. Doch zugegeben: dass man sie an einem Dienstagabend in Berlin entdeckt, kam dann doch eher überraschend. Pharrell Williams, 41, Hutfetischist, hat sie aus Virginia, seinem Geburtsort, in die Hauptstadt gebracht und ist mit seiner ersten Solo-Tour „Dear Girl“ direkt in den Herzen der Berliner Fans gelandet. Die Liebesattacke beginnt um Punkt zehn. Das lilafarbende Licht blendet die Augen, es ist nur hysterisches Kreischen zu hören. „Berlin“, ruft eine sanfte, leicht brüchige Stimme den elftausend Fans in der Max-Schmeling-Halle zu. Es braucht nicht viel, nur ein kleines Wort, fünf Minuten, da sind sie ihm schon verfallen.

Weinroter Westwood-Ranger-Hut, Patti Smith T-Shirt, hohe schöne Wangenknochen – Pharrell Williams ist eine Erscheinung. „Er ist einfach ein Halbgott“, sagt ein Mann fasziniert bei einem spontanen Gefühlsausbruch aus dem Publikum. Sein Mund wird ganze neunzig Minuten offen bleiben. Staunend betrachtet er die R'n'B-Ikone, der als High-School-Bubi mit verschmitztem Lächeln daher kommt und dessen Körper einfach nicht altern will. Die Band stimmt an. „Come get it bae“, ruft er die Fans mit erhobenen Armen auf. „Beas“, das sind in diesem Fall seine sechs Background-Tänzerinnen und im Allgemeinen die Abkürzung für “before anyone else“. Alles soll sich heute Abend um sie drehen. Mit knallroten Lippen, tiefschwarzen Sonnenbrillen und weißen Bademänteln schmusen sich zwei Damen an den Groove-Gott. Zwei von sechs, jede eine Repräsentation einer anderen Ethnie und eine schöner als die andere.

Im Turbo-Tempo geht es mit dem Klassiker „Frontin“ und Pharells Falsett-Gesang bei „Hunter“ und „Marylin Monroe“ weiter. Auch die Fans ermuntert er dabei fröhlich zur Kehlkopfgymnastik mit einem kräftigen ha-ha-ha-ha und einem dreifachen „hell yeah“. Mit beiden Händen formt er ein kleines Herz für die Fans bei „Brand New“. „Die Mädchen sind die Kernstück dieser Show“, beteuert Pharrell. Oder wie er es nennt: the glue – der Klebstoff. Und das will er uns auch beweisen.

Genderpolitisch nicht so korrekt

Was danach folgt, ist eigentlich schwer zu beschreiben. Durch ein Hip-Hop-Medley schütteln, hüpfen und reklen sich die sechs Frauen nacheinander durch die kurzen Stücke. Sechs strählende Hintern und Bauchmuskel, die in knappen weißen Shirts und knallengen Jeans mit breitbeinigen Arschwacklern, lasziven Posen und hypnotischen Rhythmen die Menge zum Kochen bringen. Pharrell, der perfekte Gentleman, verneigt nach der Streetdance-Einlage sich vor jeder Einzelnen. Und stimmt danach „Blurred Lines“ an. Böser Refrain - und genderpolitisch dann doch nicht so korrekt. Aber das interessiert keinen der schwitzenden Fans in der Max-Schmeling-Halle.

Auffällig viele Besucher haben hier den Hintern an den Hintermann gedrückt, es wird schön schmutzig getanzt. Pharrell selbst tanzt nur ein bisschen, nicht viel, dafür präsentiert er seine Bewegungen souverän. Ob er mit gebücktem Rücken einen Satz nach vorn macht oder leicht die Hüften zu „It Girl“ kreist - das alles sieht ganz geschmeidig aus. Man ist froh, dass er sich nicht an einer halbguten Choreografie versucht. Für den Rest hat er die Mädels. Was das richtige Adjektiv für deutsche Frauen sei, fragt er in die Menge zur Halbzeit, um dann den Song „Beautiful“ anzustimmen.

Konfettiregen zum Welthit „Happy“

Pharrell Williams ist vor allem Produzent und Songschreiber, neun der zweiundzwanzig Songs sind Cover, darunter Gwen Stefanis „Hollaback Girl“, ein bekannter Song seiner blassen Busenfreundin. Dass man sich etwas charmantes einfallen lassen sollte, wenn man Frauen anspricht mahnt er, man ruft Frauen nicht einfach irgendwie und dieses „yo, was geht“ ist da dann auch nicht drin. Weiter geht es mit den guten alten Zeiten. Kollege Shae Halley von Pharrells ehemaligem Duo N.E.R.D schaut für drei Stücke („She Wants to Move“, „Lapdance“, „Rock Star“) vorbei. Der Rest ist urbane Pop-Perfektion. Es ist schön zu sehen, was aus dem musikalischen Spätzünder geworden ist. „Ich war nicht bereit für den großen Durchbruch, jetzt bin ich es“, sagte Pharrell kürzlich in einem Interview. Er ist langsam in den Erfolg hineingewachsen.

Zum Schluss geht nur kurz von der Bühne, kommt dann aber für noch eine ganze Weile wieder, um mit den Fans zum Daft-Punk-Cover „Loose Yourself to Dance“ zu tanzen. Er hat es nicht so eilig. Zwei Songs später, um halb Zwölf besiegeln Konfettiregen und der Welthit „Happy“ den Abend. Niemand predigt Glückseligkeit so schön wie Pharrell Williams. Und wer stellt hier noch in Frage, dass Frauen nicht die Welt gehört? Berlin zieht an diesem Abend den Hut vor ihm. Und er ganz am Ende auch das weinrote Exemplar vor uns.