Musical Hamburg

„Tor, Tor, Tor, Tor!“ - Das Wunder an der Elbe

Fußball auf der Musical-Bühne: Mit „Das Wunder von Bern“ wagt sich Stage-Entertainment an Deutschlands ersten WM-Triumph von 1954. Dafür entsteht in Hamburg sogar ein eigenes Theater.

Foto: Holger Kersting / picture alliance / dpa-Holger Kersting

Die Hansestadt Hamburg ist um eine Attraktion reicher. Direkt im Hafen entsteht das spektakuläre „Theater an der Elbe“. Die neue Bühne ist das vierte Hamburger Musicalhaus der Stage Entertainment. Mit seinen 10.000 glänzenden Edelstahl-Schindeln und seiner bis zu zwölf Meter hohen Glasfassade ist das Theater rein äußerlich schon ein Hingucker. Von der abenteuerlichen Anfahrt, die als letzte Etappe nur mit dem Boot möglich ist, mal abgesehen. Innen faszinieren der Zuschauersaal, der 1850 Besucher fasst, und das zweistöckige Foyer mit offener Galerie. Der Besucher wandelt unter einem Sternenhimmel von rund 1000 LED-Leuchten, die einzeln gesteuert werden können. Die gläserne Panoramafensterfront gibt den Blick frei auf die Hamburger Ufer-Skyline mit der gegenüberliegenden Elbphilharmonie. Ein Theaterausflug, der allein schon architektonisch zum Erlebnis wird.

Ein ganzes Land im Freudentaumel

Gesteigert werden soll dies durch eine Musical-Kunst auf hohem Niveau. Den Reigen eröffnet am 23. November „Das Wunder von Bern“, das unter einem guten Stern steht. Denn Deutschland wurde im Jahr 2014 erneut Fußballweltmeister, und so ist auch das Jahr 1954, in dem die deutsche Nationalmannschaft unter Bundestrainer Sepp Herberger in Bern erstmals den Siegerpokal holte, erneut im kollektivem Gedächtnis. Wer kennt nicht den triumphierenden Ausruf des Rundfunk-Reporters Herbert Zimmermann: „Tor! Tor! Tor! Tor!“ Und wenig später bricht es aus ihm heraus: „Aus! Aus! Aus! Aus! Das Spiel ist aus! Deutschland ist Weltmeister!“ Dieser unerwartete Sieg gegen Ungarn versetzte ein ganzes Land in einen Freudentaumel.

„Wir haben mit der Weltmeisterschaft 1954 gezeigt, wie Deutschland sein kann und konnten mit dem Sieg 2014 dieses jubelnde Lebensgefühl zurückholen“, sagt Holger Kersting, Sprecher von Stage Entertainment Hamburg. Für die Stage-Eigenproduktion „Das Wunder von Bern“ wurde ein namhaftes deutsches Kreativteam zusammengestellt. Regisseur Gil Mehmert schrieb das Buch für die Bühnenfassung, Martin Lingnauer ist der Komponist und Frank Ramond der Liedtexter. Probenstart ist am 15. September.

Zeitgeist der Nachkriegsära

Der Spielfilm „Das Wunder von Bern“ von Regisseur Sönke Wortmann aus dem Jahr 2003 trug mit dazu bei, dass der historische Außenseiter-Sieg der deutschen Fußballnationalelf unvergessen ist. Wortmann drehte nicht ausschließlich einen Sportfilm, sondern zeigte die gesellschaftlichen und sozialen Verhältnisse im Nachkriegsdeutschland auf. Eine Vater-Sohn-Geschichte zu Zeiten des Rock’n’Roll im Ruhrpott.

Damit gelang ihm eine bedeutende Dokumentation, die mit viel Einfühlungsvermögen den Zeitgeist einer Generation erfasste, die den Schrecken über die eigene Schuld am Zweiten Weltkrieg nur langsam überwand. Der sportliche Sieg der Fußballmannschaft gab den verunsicherten Deutschen ihr Selbstbewusstsein zurück. Danach waren die Menschen bereit für einen Neuanfang.

Uraufführung im Theater an der Elbe

60 Jahre später bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien kam die Euphorie zurück. Dieses Mal erfasste sie das wieder vereinte Deutschland. Und es geht nicht mehr um Aufbau wie 1954 nach dem Krieg, sondern um Aufbruch. „Wir haben wieder ein Deutschlandbild geschaffen, wie es schöner nicht sein kann. Unsere Fußballmannschaft hat fair gespielt und vielen Menschen auf der ganzen Welt Freude gebracht“, so Holger Kersting.

Das Musical „Das Wunder von Bern“, aufgeführt auf der Bühne des neuen spektakulären „Theaters an der Elbe“, will eine Brücke bauen zwischen den Generationen und zum Verständnis untereinander beitragen. Lieder wie „Wunder geschehen“ oder „Ich will doch nur leben“ werden für große Emotionen im Hamburger Hafen sorgen.

Foto: Stage_Entertainment