Frankfurt (Oder)

Prachtvoller italienischer Stuck an der Oder

Zu den wenigen Bauten der Altstadt von Frankfurt (Oder), die den Zweiten Weltkrieg und den sozialistischen Wiederaufbau überstanden, zählen die Marienkirche sowie das Junkerhaus mit seinen schmuckreichen Decken.

Foto: Hannes Müller / picture alliance / ZB-Hannes Müller

Im April 1945 wurde die Altstadt von Frankfurt an der Oder von den vordringenden sowjetischen Truppen weitgehend zerstört. Nur einige wenige Beispiele der historischen Bausubstanz haben den Krieg und den späteren Wiederaufbau im Geist des Sozialismus überstanden. Zu ihnen gehört die Marienkirche, deren Ruine erst nach der politischen Wende wieder einigermaßen instand gesetzt wurde. In ihr können drei mittelalterliche Bleiglasfenster mit 111 Feldern besichtigt werden, darunter ein seltener Antichrist-Zyklus. Die Fenster kamen erst 1997 als Beutekunst aus Russland zurück.

Wie durch ein Wunder hat auch das Junkerhaus nahe der Oder den Sturm des Zweiten Weltkriegs überlebt. Das Renaissance-Bauwerk beherbergt heute eine Ausstellung zur Geschichte Frankfurts. Das ursprüngliche Gebäude war im Dreißigjährigen Krieg schwer beschädigt worden. Kurfürst Friedrich Wilhelm ließ es ab 1670 sichern und ab 1682 mit den heute so seltenen und bedeutsamen Stuckdecken ausstatten.

Vom Junkerhaus zum Kleist-Museum

Die prachtwollen Werke wurden von den oberitalienischen Stukkateuren Giovanni Battista Tornielli, Giovanni Belloni und besonders Giovanni Simonetti gestaltet. Gerade letzterer hat noch zahlreiche weitere repräsentative Bauten in Berlin und Brandenburg mit seinen Arbeiten verziert. Die meisten davon sind, wie etwa die Stuckarbeiten im Berliner Stadtschloss, im Laufe der Jahrhunderte verschwunden.

Von 1987 bis 2002 wurden die prachtvollen Stuckdecken im Frankfurter Junkerhaus umfassend restauriert. So stellen sie eines der wenigen Zeugnisse dieser besonderen Art höfischen Repräsentationswillens in Brandenburg dar. Auch das Äußere des Gebäude erhielt zur Jahrtausendwende sein barockes Aussehen zurück.

Nicht weit vom Junkerhaus entfernt befindet sich in der ehemaligen Garnisonsschule und einem modernen Anbau das Heinrich von Kleist-Museum, gewidmet dem Leben und Werk des Dichters, von dem sich außer einem Miniaturporträt nur Geschriebenes überliefert hat. Die Sammlung wurde nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs neu aufgebaut.