Leipziger Notenspur

Leitfaden durch eine Weltstadt der klassischen Musik

Große Tonkünstler von Bach über Mendelssohn Bartholdy bis Wagner wirkten in Leipzig. Wer in der sächsischen Stadt ihre Spuren sucht, verliert leicht den Überblick. Dagegen hilft die Leipziger Notenspur.

Foto: Andreas Schmidt

Als Musikliebhaber hat man in Leipzig die Qual der Wahl. Was soll man sich zuerst ansehen? Das Gewandhaus, das Bachmuseum, die Thomaskirche oder das Mendelssohn-Haus? Die Fülle an musikalischen Sehenswürdigkeiten ersten Ranges kann einen Wochenendbesucher schon verzweifeln lassen. Wollte man eine Stadt zur Welthauptstadt der Musik küren, hätte Leipzig gute Chancen. Schon seit dem frühen 13. Jahrhundert entwickelte sich die sächsische Metropole zu einem wichtigen musikalischen Zentrum in Deutschland. Große Komponisten wie Johann Sebastian Bach, Georg Philipp Telemann, Felix Mendelssohn Bartholdy, Robert und Clara Schumann, Albert Lortzing, Gustav Mahler, Edvard Grieg und Richard Wagner wirkten in der Stadt.

Die Leipziger Notenspur hilft dabei, einen Überblick über das Dickicht der Sehenswürdigkeiten zu gewinnen. Dieses fünf Kilometer lange Wege- und Audioleitsystem führt seit 2012 zu 23 musikalischen Stationen und vermittelt Informationen zur Musikgeschichte der Stadt. 155 in den Fußboden eingelassene Edelstahlintarsien weisen Fußgängern und Radfahrern die Wege zwischen den spannendsten Orten der Musikstadt Leipzig. Informationstafeln schildern den Besuchern die Bedeutung der jeweiligen Station. Es gibt auch Hörszenen für Groß und Klein, Hörproben von Musikstücken, die mit den Notenspur-Stationen in Zusammenhang stehen, und eine Handy-App mit allem Wissenswerten.

Ausgangspunkt Gewandhaus

Start- und Zielpunkt des Rundgangs ist der Augustusplatz mit dem Gewandhaus und dem MDR-Kubus. Von dort aus geht es in die Goldschmidtstraße. Hier steht das als Museum eingerichtete Sterbehaus des Komponisten Felix Mendelssohn, dem die Stadt viel zu verdanken hat.

Leipzig ist nicht nur eine Musikstadt, sondern auch eine Stadt des Buches, in der es immer viele bedeutende Verlage gab. Um den Johannisplatz herum siedelten sich die renommierten Musikverlage Breitkopf & Härtel, Friedrich Hofmeister und C.F. Peters an. Im Peters-Gebäude wohnte auch Edvard Grieg während seiner Leipziger Aufenthalte. In der Talstraße 10 komponierte er seine berühmte Peer-Gynt-Suite. Dort gibt es heute eine Grieg-Gedenkstätte.

Weiter geht es zu Deutschlands größtem Museum für Musikinstrumente. Nur einen Katzensprung davon entfernt liegt der alte Johannisfriedhof, wo man die Gräber von Richard Wagners Mutter und Schwester besuchen kann. In der Inselstraße 18 wohnte Robert Schumann nach seiner Hochzeit mit Clara Wieck. Heute ist das Haus eine Gedenkstätte mit Konzertsaal. Wagners Geburtshaus war der Gasthof „Roter und Weißer Löwe“ im Leipziger Zentrum. Das Haus steht schon lange nicht mehr, dort hängt heute nur noch eine Gedenktafel. Die Notenspur führt am Opernhaus und an der Nikolaischule vorbei, die Wagner drei Jahre lang besuchte.

Auf den Spuren Johann Sebastian Bachs

Im Alten Rathaus kann man neben Ausstellungen zur Musikgeschichte die Stube besichtigen, in der Johann Sebastian Bach seinen Vertrag als Thomaskantor unterzeichnete. Die Nikolaikirche, die Thomaskirche und das Bachmuseum erinnern auf der Notenspur ebenfalls an den großen Barockmeister. Sie leitet den Besucher zum beliebten Künstlercafé „Zum Arabischen Coffe Baum“ und zum Hotel de Saxe, wo Berühmtheiten wie Chopin und Mozarts Witwe Constanze übernachteten.

Die Kleine Leipziger Notenspur umfasst einige Stationen der allgemeinen Route, die spezielle Angebote für Kinder enthalten. Hier gibt es Rätsel und Kinderhörszenen. Der Leipziger Notenbogen, der sich noch in der Planungsphase befindet, ist ein zusätzlicher Musikspaziergang. Auch dieser Rundweg ist fünf Kilometer lang und führt unter anderem zur Pianofortefabrik Blüthner, den Wohnhäusern von Heinrich Marschner, Albert Lortzing und Erwin Schulhoff. Eine sehr viel weitere Strecke von etwa 40 Kilometern kann man mit dem Fahrrad auf dem Leipziger Notenrad zurücklegen. Sie führt auch an entlegenere Orte wie das Geburtshaus von Hanns Eisler und das Wohnhaus von Gustav Mahler.

Ausgezeichnete Website

Die Leipziger Notenspur ist ein Projekt von Bürgern für Bürger. Der Physiker Werner Schneider hat sie sich ausgedacht und eine Initiative für die Umsetzung seiner Idee gegründet. Die Internetseite www.notenspur-leipzig.de wurde mit dem Europäischen Initiativpreis für Kultur „Pro Europa“ ausgezeichnet. Nun gibt es noch einen großen Traum: Mit der Notenspur wollen die Initiative und die Stadt Leipzig in die Liste des Unesco-Weltkulturerbes aufgenommen werden.

Foto: Foto / Sepp Beck