Unter the Skin

Scarlett Johansson jagt als Alien Singlemänner

In „Unter the Skin“ spielt Scarlett Johansson einen Alien, im regulären Kino läuft der Film nicht. Eine Chance, ihn auf der Leinwand zu sehen, gibt es dennoch: auf dem Berliner Fantasy Film Fest.

Foto: TIZIANA FABI / AFP

Welcher Mann würde nicht gern von Scarlett Johansson, 29, mit Haut und Haaren gefressen werden? Im Science-Fiction-Thriller „Under the Skin – tödliche Verführung“ tut sie nun genau das. Darin ist sie ein Alien im winterlichen Schottland auf der Jagd nach Singlemännern als Nahrungsmittel und löste mit ihrem radikalen Imagewandel kontroverse Reaktionen aus.

Während der Hollywoodstar derzeit mit einem anderen Film, Luc Bessons Actionfilm „Lucy“, auf Platz 1 der Kinocharts ist, kommt „Under the Skin“ nicht regulär ins Kino, sondern erscheint im Oktober auf DVD. Eine Chance, ihn auf der Leinwand zu sehen, gibt es dennoch: auf dem Berliner Fantasy Film Fest am Montag und Mittwoch.

Berliner Morgenpost: Frau Johansson, wie kamen Sie auf die Idee, einen männerfressenden Außerirdischen zu spielen?

Scarlett Johansson: Das lag vor allem an den Gesprächen mit Jonathan Glazer, dem Regisseur. Wir haben uns über die Jahre hinweg immer wieder über das Projekt unterhalten und es war lange sehr vage, wir führten fast existenzielle Gespräche. Das machte mich neugierig. Und so entstand im Laufe der Zeit die Geschichte.

Was war Ihre erste Reaktion, als Sie den fertigen Film sahen?

Es war sehr merkwürdig. Auf eine gute Art. Ich wusste einfach nicht, was mich erwartet und wurde förmlich hineingezogen. Wirklich eine sehr eigenartige Erfahrung. Ich habe ihn mit meiner Schwester gesehen und als wir aus dem Kino kamen, meinte sie nur: ‚Ich brauche Frischluft!’. Man weiß einfach nicht, was zum Teufel man da gerade gesehen hat. Es ist schon ein sehr desorientierender Film.

Sie drehen immer wieder Blockbuster wie „Die Avengers“, gerade sind Sie sehr erfolgreich als Actionheldin „Lucy“ in den Kinos. Ist ein Film mit einem so kleinen Budget wie „Under the Skin“ ein leichterer Job?

Natürlich fällt diese ganze Maschinerie weg, die eine Großproduktion mit einer riesigen Crew hat. Das macht es nicht leichter, aber simpler. Man dreht ja im Grunde einen ganzen Film in 27 Tagen. 16 Stunden ohne Pause und das für 12 Dollar Tagesgage! Aber Intimität hat nicht unbedingt etwas mit dem Budget zu tun, mehr mit dem Regisseur.

Fühlten Sie sich jemals unwohl in Ihrer Haut so wie es Ihre Figur in „Under the Skin“ tut?

Was ist das denn für eine Frage? Klar! Ich bin ja auch nur ein Mensch. Oder bin ich es nicht...? Warten Sie, gleich werden meine Augen schwarz. Dann sollten Sie schnell das Weite suchen. Aber im Ernst: geht uns das nicht allen so, dass wir morgens aufwachen und denken ‚Was ist bloß mit meinem Körper passiert, als ich geschlafen habe?’

Empfinden Sie die Entscheidung, diesen Film zu machen, als Risiko?

Ich kapiere einfach langsam, dass ich im Leben Risiken eingehen muss – und manchmal klappt’s und manchmal eben nicht. Und ich weiß es erst, wenn ich sie eingehe. Wie öde, wenn ich es nicht täte. Und andersherum: wäre es nicht viel riskanter, wenn ich den xten Aufguss einer formelhaften Filmidee machen und damit floppen würde. Das wäre viel schlimmer.

Der deutsche Verleih etwa bringt „Under the Skin“ direkt auf DVD heraus, weil er für eine Kinoauswertung scheinbar zu unkommerziell ist.

Aber das Risiko, das ich damit eingegangen bin, ist gering. Was habe ich schon zu verlieren, wenn es keine Erwartungen gibt? Ich freue mich über jeden, der den Film sieht, egal wie und wo. Wenn ein Blockbuster floppt, stehen Hunderte Millionen Dollar auf dem Spiel.

Gab es solche Projekte in Ihrer Karriere? Sie haben mit 29 Jahren immerhin in bereits fast 50 Filmen mitgespielt.

Natürlich! Aber ich war auch umgekehrt überrascht vom Erfolg mancher Filme, von denen ich das nie erwartet hätte. „Lost in Translation“ war ein ganz kleiner Film und wurde dann ein solcher Erfolg bei Kritik und Publikum. Und vergessen Sie nicht, ich war auch im Megaprojekt „The Island“, dem einzigen richtigen Flopp von Blockbusterkönig Michael Bay.

Wie leben Sie mit der Unberechenbarkeit?

Tja, wie soll ich das vorher einschätzen können? Wenn man sich zum Beispiel „Die Avengers“ anschaut, klingt die Idee erst mal hirnverbrannt. Als mir die Produzenten erklärten, dass die nächste Stufe der Comicverfilmungen ist, alle Superhelden in einem Film zusammen zu bringen, dachte ich nur: ‚Oh nein! Das wird ein Desaster!’ Das passt doch alles nicht zusammen, jede Figur hat ihr eigenes Universum. Und dann funktioniert es doch und wird einer der erfolgreichsten Filme aller Zeiten.

Sie standen bereits mit fünf Jahren vor der Kamera. Viele andere Kinderstars haben den Sprung zu erwachsenen Rollen nicht geschafft oder sind am Erfolgsdruck zerbrochen. Wie haben Sie es geschafft, ohne Drogenexzesse oder andere Skandale auf dem Boden zu bleiben?

Ich bin nie nach Los Angeles gezogen, sondern immer in meiner Geburtsstadt New York geblieben. Und dieses Verwurzeltsein, nach langen Dreharbeiten irgendwo auf der Welt wieder zu meiner Familie und meinen Freunde zurückzukommen, macht viel aus. New York schert sich einen Dreck um dich, wir sind alle in dieser verrückten Stadt zusammengepfercht, egal wo jeder herkommt oder was er verdient, und versuchen zu überleben. Das holt einen schnell auf den Boden der Tatsachen zurück.

Lebt es sich als Star in New York ein Stück weit anonymer als in Los Angeles?

Nein, Paparazzi gibt es überall. Aber ich weigere mich schlicht, mich als Gefangener in meiner eigenen Stadt zu fühlen, in der ich jede Straßenecke kenne. Ich werde mich nie in einen Elfenbeinturm zurückziehen.

Reden Sie mit Ihrer Familie auch über Arbeit?

Fast nie. Ich weiß noch nicht mal, ob sie meine Filme gesehen haben. Das liegt wohl daran, dass ich schon als Kind angefangen habe. Vielleicht eine psychologische Reaktion, ich muss das mal analysieren.

Fantasie Film Fest: „Under the Skin“ am 1.9. um 19.30 Uhr und 3.9. um 23.45 Uhr im Cinemaxx am Potsdamer Platz

DVD ab 10. Oktober