Ausstellung

Jüdische Geistliche in den Schützengräben des Ersten Weltkriegs

Ein bislang unbekanntes Kapitel ist die Rolle der Feldrabbiner, die für Deutschland an die Front zogen. Eine Ausstellung wird jetzt im Foyer der Synagoge Rykestraße gezeigt, leider nur einen Abend lang.

Foto: Stiftung Neue Synagoge Berlin - Centrum Judaicum

Zu den zahlreichen jüdischen Freiwilligen, die für Deutschland in den Ersten Weltkrieg zogen, gehörte auch Paul Lazarus, geboren 1888 in Hamborn. Bereits im August 1914 hatte er sich gemeldet und wurde Kanonier in der Fußartillerie. Von September 1916 bis August 1918 diente er dann als Feldrabbiner in Mazedonien, wofür er das Eiserne Kreuz 2. Klasse und das Ritterkreuz des kaiserlich-österreichischen Franz-Joseph-Ordens erhielt. Nach dem Krieg wirkte Lazarus als liberaler Rabbiner in Wiesbaden und – nach der Emigration mit seiner Familie 1938 – in Israel als Rabbiner der Einwanderer-Gemeinde „Bet Jisrael“ in Haifa, wo er 1951 starb.

Lazarus’ Lebensweg ist eine von vier biografischen Skizzen, die in der Ausstellung „Feldrabbiner in den deutschen Streitkräften des Ersten Weltkrieges“ angeführt werden. Auch die jüdischen Geistlichen Leopold Rosenak aus Bremen, Leo Baerwald aus München und der in mehreren Berliner Synagogen tätige Siegfried Alexander, der 1943 mit seiner Frau in Auschwitz starb, sind Beispiele für die erste institutionalisierte jüdische Feldseelsorge in Deutschland, die jedoch eine historische Episode blieb.

Die auf Leinwand gedruckte Schau mit weitgehend unbekannten Dokumenten und Fotos ist als Wanderausstellung konzipiert. Erstmals konnte man sie im Mai 2009 in der Berliner Blücher-Kaserne besuchen, danach tourte sie fünf Jahre durch die Bundesrepublik. Sie wurde in diesem Jahr durch Unterstützung des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge restauriert und ist nun, für nur einen Tag, im Foyer der Synagoge Rykestraße zu sehen.

Synagoge Rykestraße, Sonnabend, 6. September, ab 21.30 Uhr