Balkan-Klezmer-Rock

Tierisch rockiger Tumult aus Tel Aviv: Jewish Monkeys

Mit viel Sinn für Unsinn bewegen sich die Jewish Monkeys in den Fußstapfen von Woody Allen und den Marx Brothers. Auch musikalisch ist ihnen nichts heilig.

Foto: Orit Arnon

Eigentlich könnte sich Doktor Ronni Boiko ja weiter ausschließlich um kranke Hunde und Katzen in seiner Tel Aviver Tierarzt-Praxis kümmern. Wäre ihm nicht eines Tages ausgerechnet der Schriftsteller und Unternehmer Jossi Reich über den Weg laufen – sein alter Freund aus dem Knabenchor der Frankfurter Synagoge, der wie er den Weg ins „Gelobte Land“ gefunden hatte. Als sie dann noch bei Jam-Sessions auf den Psychologen Gael Zajdner und dessen hohes Talent als Komiker und Sänger trafen, war das Schicksal besiegelt. Das chaotische, absolut respektlose Trio gründete eine Band: The Jewish Monkeys. Der Name ist politisch etwas so korrekt wie die Texte der burlesken Klezmer-Rock-Band.

Jossi Reich, der auch unter dem Pseudonym Joe Fleisch provokante Kurzgeschichten unters Volk bringt, beschreibt auf seiner Website die Entstehung der Gruppe. Bereits die Überschrift lässt Rückschlüsse auf die Gesinnung des Anarcho-Gespanns zu: „Nieder mit den Jewrhythmics, hoch leben die Jewish Monkeys UND Warum Steve Jobs genau wie Adolf Hitler bereits mit 56 ins Gras beißen musste“. Noch Fragen? Vielleicht, ob das nun typisch jüdischer Humor ist? Ob typisch oder nicht, es ist zumindest jüdischer Humor.

„Menschen, die politisch sehr korrekt sind, bekommen immer Gänsehaut, wenn sie unseren Namen hören“, schilderte Jossi Reich im Interview einmal das Image seiner Band, die sich musikalisch im Kosmos von Formationen wie den bereits erwähnten Jewrythmics, von DJ Shantel oder Balkan Beat Box bewegt – langjährige Besucher der Jüdischen Kulturtage werden sich sicher an den ein oder anderen Namen erinnern. Auch die Underground-Combo Boom Pam aus Tel Aviv gastierte vor einigen Jahren schon bei den Berliner Kulturtagen. Sie steuerte für das erste Album der Jewish Monkeys, „Mania Regressia“, ihren kultigen Stilmix vom Mittelmeer, Balkan, Klezmer und Surf-Rock bei. Streckenweise schimmert auch das Vorbild der US-Anarcho-Band Violent Femmes durch. Für den letzten professionellen Schliff der musikalischen Spätstarter sorgte Ran Bagno, ein international renommierter Arrangeur und Komponist aus Israel.


Jewish Monkeys wollen unpolitisch sein


In diesen Songs, auf englisch mit hartem israelischen Akzent und somit gut verständlich vorgetragen, ist nichts heilig. „Let’s take the banana boat to the fucking Middle East“ heißt es etwa in „Banana Boat vs. Hava Nagila“, einer Kreuzung von Harry Belafontes Evergreen mit dem berühmtesten israelischen Volkslied. Im dazugehörigen Video streiten sich Chassidim, Fellachen und – und warum auch immer – Kosaken um das Anrecht auf das Heilige Land.

Dabei wollen die Jewish Monkeys betont unpolitisch sein; allein durch diese Aussage sind sie natürlich wieder politisch. Beleidigungen, so meint Gael Zajdner, brächten die Menschen aus ihrer Komfortzone und somit zum Nachdenken. Und so macht sich das Trio Infernale in einer Tradition, die von den Marx Brothers bis Woody Allen reicht, so ziemlich über alles her: über die frommen Lubawitscher, über die Solar-Energie, über Altersgeilheit oder prügelnde Väter.

Ohne den Diaspora-Hintergrund der Protagonisten wäre diese verrückte Mischung wohl kaumt zustande gekommen. Dazu gehört auch die gelegentliche Nutzung des Jiddischen, jener Exilsprache, die in Israel bis heute einen schweren Stand hat. So erklingt der alte Hit „Miserlou“ in einer jiddischen Fassung aus dem Amerika der 1930er-Jahre. Und aus Ian Durys Punkrock-Klassiker „Hit Me With Your Rhythm Stick“ wird bei den Jewish Monkeys: „Schlug mich mit dajn schtekele!“ Und das alles in der Synagoge?! Oj vej, das wird Tumult geben!

Synagoge Rykestraße, 7. September, 20 Uhr