Ausstellung

Fundstücke einer deutsch-amerikanischen Lebensgeschichte

Bei der Landung der Alliierten in der Normandie war auch Kurt Jasen dabei. Der gebürtige Berliner hatte eine neue Heimat in New York gefunden. Nun ist ein Teil seines Nachlasses in einer Ausstellung zu sehen.

Foto: Stiftung Neue Synagoge Berlin - Centrum Judaicum / Stiftung Neue Synagoge Berlin

„Ritchie Boys“ – so könnte auch eine Musikkapelle heißen. Doch während des Zweiten Weltkriegs war „Ritchie Boys“ die Bezeichnung für die Absolventen des „Camp Ritchie“, des Military Intelligence Training Center der US-Armee in Maryland. Die etwa 9000 Teilnehmer waren vorwiegend junge Deutsche und Österreicher, meist jüdischer Herkunft, die in den Vereinigten Staaten eine neue Heimat gefunden hatten.

Zu ihnen gehörte auch Kurt Jasen. Der gebürtige Berliner war einem Team zugeordnet, das deutsche Kriegsgefangene und Überläufer verhören sollte, um so wichtige strategische Erkenntnisse im Kampf gegen den die Deutsche WehrmaCentrum Judaicumcht zu erhalten. Am sogenannten D-Day, der Landung der westlichen Alliierten in der Normandie, war auch Jasen mit dabei. An ihn erinnert nun eine Ausstellung im Rahmen der Jüdischen Kulturtage.

Kurt Jasen (1911-1979) hieß ursprünglich Jacobowitz und wuchs mit seinen drei Geschwistern in der Fontanestraße in Berlin-Grunewald auf. Vater Georg Jacobowitz war ein erfolgreicher Bauunternehmer und Architekt. Seine Firma errichtete neben Miet- und Geschäftshäusern, etwa für das Warenhaus Hermann Tietz am Alexanderplatz, auch Siedlungsbauten wie den Lindenhof in Berlin-Schöneberg.

1933, nach Machtantritt der Nationalsozialisten, verlässt die Familie Berlin. Die Emigration führt die einzelnen Mitglieder in verschiedene Länder. Nach einem Jurastudium beginnt Kurt 1935 in der Schweiz Medizin zu studieren.1938 erhält er ein Studentenvisum für Australien. Von Kanada aus gelangt er 1941 zu seinem Vater nach New York. Er wird amerikanischer Staatsbürger, kehrt als Offizier im Mai 1945 in seine Geburtsstadt zurück. Er soll den Wiederaufbau der stark zerstörten Stadt koordinieren. „Ich bin froh, dass Du Berlin nicht sehen kannst“, schreibt er an seinen Vater. „Es ist ein trauriger Anblick und nur eine gewisse Genugtuung kann einen über den Schmerz hinwegbringen.“

Nur kurzer Berlin-Besuch

Schon im Herbst fährt Kurt Jasen zurück nach New York. Er heiratet die Tochter Kaufmannsfamilie Tietz, Freunde seiner Eltern aus Berlin. Aus einem deutsch-jüdischen wird mehr und mehr ein amerikanisch-jüdisches Leben...

2012, mehr als drei Jahrzehnte nach Kurts Tod, sorgte der Hurricane Sandy dafür, dass Familie Jasen wegen der Sturmschäden den Dachboden in Forrest Hills New York aufräumte. Dabei fanden sich unter anderem Kurt Jasens Offiziiers-Uniform sowie eine Sammlung von Gebetbüchern aus den Familien Jacobowitz und Tietz wieder. 2013 erhielt das Centrum Judaicum die Fundstücke als Geschenk. Nun stehen sie im Mittelpunkt einer Ausstellung über Kurt Jacobowitz Jasen, die eine deutsch-amerikanische Lebensgeschichte erzählt.

Centrum Judaicum Ausstellungseröffnung am 7. September, 15 Uhr. Bis 4. Januar 2015