Buchvorstellung

Über die politische Dimension jüdischen Denkens

Eigentlich müsste der Name Margaret Susman in einem Atemzug mit Ernst Bloch oder Martin Buber fallen, meint Elisa Klapheck. Über Leben und Werk der jüdischen Philosophin hat sie ein Buch verfasst.

Foto: Rafael Herlich

1999 hat Elisa Klapheck ein Buch veröffentlicht über die erste Rabbinerin der Welt: „Fräulein Rabbiner Jonas - Kann die Frau das rabbinische Amt bekleiden?“ (Hentrich & Hentrich). „Dank meiner Auseinandersetzung mit Regina Jonas“, so schreibt die Autorin, „begann ich meinen bisherigen Lebensweg im Lichte seiner unabweisbaren jüdisch-religiösen Herausforderung zu sehen.“ So entschied sie sich ebenfalls zu einem Rabbinatsstudium. Heute leitet Elisa Klapheck den „egalitären Minjan“, sprich den liberalen Gottesdienst in der Jüdischen Gemeinde Frankfurt am Main. Über ihren eigenen Weg hat sie ebenfalls ein Buch verfasst, „So bin ich Rabbinerin geworden.“

Nun ist von ihr, wieder bei Hentrich & Hentrich, eine Biografie der großen Vordenkerin der jüdischen Renaissance im frühen 20. Jahrhundert erschienen. „Margarete Susman und ihr jüdischer Beitrag zur politischen Philosophie“ (480 S., 25. Abb., 35 Euro) ist die erste umfassende Auseinandersetzung mit dem Gesamtwerk der zu Unrecht vergessenen religiösen Denkerin und Philosophin.

Eigentlich müsste der Name Margarete Susman (1872-1966), so schreibt Elisa Klapheck im Vorwort, „ebenso selbstverständlich fallen wie der ihrer nahen Freunde: Ernst Bloch, Gustav Landauer, Martin Buber oder Franz Rosenzweig.“ Susman habe nicht nur meinungsbildend an den damaligen religionsphilosophischen und politischen Diskursen teilgenommen: „Ihr Werk steht auch für eine eigene Ausrichtung in diesen Kreisen – für ein politisches Judentum in Deutschland, das selbstbewusst auf seine jüdisch-religiösen Ursprünge verweist.“

Schriften über die unterschiedlichsten Themen

Die Tochter einer großbürgerlich jüdischen Familie wurde in Hamburg geboren. Ihre Kindheit und Jugend verbrachte Margarete Susman in Zürich. Dorthin emigrierte sie auch 1933 und lebte dort bis zu ihrem Tod. Die Schriftstellerin, die ihre Laufbahn als Dichterin begann und sich bald der Philosophie zuwandte, hinterließ ein Werk aus 17 Büchern und rund 250 sonstigen Veröffentlichungen. Vor allem als Essayistin bewegte sich auf unterschiedlichsten Themenfeldern, sie schrieb unter anderem über Lyrik und Liebe, Krieg, Staat und Nation, Revolution und geistige Emanzipation der Frau, Christentum, Sozialismus und Anarchismus.

Bei aller Komplexität sieht Elisa Klapheck im Werk Susmans doch die eine geistige Hauptlinie: die Auseinandersetzung mit dem Judentum und vor allem dessen politische Dimension. Eine Beschäftigung, die mit dem 1946 erschienenen „Das Buch Hiob und das Schicksal des jüdischen Volkes“ kulminierte. Gerade auch in der heutigen Zeit, so Klapheck, „in der erneut über den inneren Zusammenhang zwischen Religion und Politik nachgedacht wird“, gebe Susmans Werk fruchtbare Anstöße für Diskussionen.

Im Centrum Judaicum führt Elisa Klapheck bei der Veranstaltung der Jüdischen Kulturtage in Leben und Werk der jüdischen Denkerin ein. Die Schauspielerin Esther Zimmering liest aus Margarete Susmans Briefen und Texten.

Centrum Judaicum, 14. September, 11 Uhr. Kartenreservierung unter Tel.: 030 60 92 38 65 oder buero@hentrichhentrich.de