Neues Buch

Reisen mit Schatzi Kai Diekmann

Katja Kessler ist die Frau von „Bild“-Chefredakteur Kai Diemann. Und hat ihr drittes Buch über ihre Ehe geschrieben. Diesmal ist es ein sehr vergnüglicher Jakobsweg durch das Silicon Valley.

Foto: Katja Kessler / Katja Kessler / Privat

„Duhu“, sagt Schatzi. Und seine Frau weiß: Es gibt Probleme. Denn Schatzi, alias Kai Diekmann, Chefredakteur der „Bild“-Zeitung, verwendet das zweisilbige Personalpronomen nur dann, wenn er Katja Kessler etwas sagen muss, was sie eigentlich nicht hören will. Dass ein Umzug aus Hamburg nach Potsdam mit einem Neugeborenen ansteht, zum Beispiel, oder, dass er ihr einen romantischen Kurztrip zu zweit nach Marokko schenkt, über den Diekmann dann praktisch live in seinem Blog berichtet und Roaminggebühren von 46.000 Euro verursacht.

Auswandern für Anfänger

„Silicon Wahnsinn. Wie ich mal mit Schatzi nach Kalifornien auswanderte“, erschienen im Verlag Marion von Schröder, ist die Fortsetzung von „Der Tag, an dem ich beschloss, meinen Mann zu dressieren“ (2010) und „Frag mich, Schatz, ich weiß es besser“ (2009). Die Fortsetzung der Geschichten einer Ehe, die Katja Kessler mit Kai Diekmann und seiner Arbeit führt. „Eine sehr glückliche, sehr verliebte, sehr leidenschaftliche Ein-Personen-Ehe, in der mich mein Mann ab und zu besuchen kommt.“

Diesmal hat der Springer-Verlag, in dem die „Bild“-Zeitung erscheint, sich etwas besonders Aufwendiges ausgedacht: Um die Digitale Revolution des Unternehmens zu befeuern, soll der „Bild“-Chef zusammen mit zwei anderen Springer-Größen für ein halbes Jahr im Silicon Valley leben und sich von der dortigen Start-up-Szene inspirieren lassen. Oder, um es mit den Worten von Katja Kessler auszudrücken: Eine Kuddel-WG gründen, Alphamännchen spielen, mit Flip-Flops am Pool stehen, das Käsefach im Kühlschrank nicht finden und eine Assistentin im XS-Röckchen mit Laptop in der Hand hinter sich herlaufen haben, die alle Äußerungen der Jungs für die Nachwelt aufschreibt, wie ein Moses die zehn Gebote.

Rasantes Tempo und viel WItz

Zuerst plant Diekmann, alleine nach Kalifornien zu gehen, dann beschließt das Paar, dass sie gemeinsam dieses Jahr in Amerika leben werden, am Ende aber zieht dann Katja Kessler alleine in die Staaten. Diekmann reist später an und früher ab und lebt ohnehin in besagter Kuddel-WG in einem anderen Teil des Tals.

Wie seine Vorgänger ist auch Kesslers neues Buch in rasantem Tempo und mit viel Witz geschrieben. Jeden zweiten Satz möchte man sich am liebsten auf einem Post-it notieren und an den Kühlschrank kleben. „Menschen ändern sich. Männer nicht“, zum Beispiel. Oder: „Ehemänner haben ein Recht darauf, dass man ihnen manches vorenthält.“ Oder: „Vorstellungsrunde? Jeder erzählt mal kurz, wie langweilig er ist.“

Und doch gibt es da einen neuen Ton, etwas mehr Tiefgang und Reflexion, nicht nur über die Männer, das Muttersein oder den amerikanischen Lebensstil, auch über sich selbst denkt Kessler diesmal etwas ernsthafter nach. Dieses Buch ist ihr bislang bestes. „Die Zeit in Amerika war so etwas wie mein Jakobsweg“, sagt Kessler. Denn aus den kalifornischen Träumen ist erst mal nichts geworden. Der „American Way of Life“ bedeutet für eine Mutter mit vier Kindern vor allem: im Stau stehen, weil ja ständig ein Kind irgendwo abgeholt oder hingebracht werden muss. Häufig leider auch zum Krankenhaus.

Warmherzige Einblicke

Kessler hat also jede Menge Zeit, über sich und ihr Leben nachzudenken. Was zählt und was nicht, was die eigenen Grenzen sind. Auf diese Weise hat sie zum ersten Mal nach langer Zeit wieder Katja getroffen.

Als die Kinder nämlich endlich alle mehr oder weniger unverletzt in der deutschen Schule für andere Expats untergebracht sind, fährt Kessler erst mal zu Starbucks, bestellt einen Kaffee für „Larry“ (der Verkäufer kann leider mit dem Namen Katja nichts anfangen) und beschließt, ihr neues Leben zu beginnen. Leider fällt ihr dazu anfänglich nicht viel mehr ein, als zu Ikea zu fahren. „Ich bin viele“, sagt Katja Kessler gern über sich. Und tatsächlich findet sie auf ihrer Einwanderungsreise zu sich selbst überraschende und sehr warmherzige Einblicke in das Leben als Gattin, in Familie, Freundschaft und Kindererziehung.

„Frauen sind die besseren Männer“

Überhaupt sind die schönsten Stellen im Buch die Momente mit den Kindern. Mit Yella, der ältesten Tochter, die eher Individualistin als Glitzersticker-Sammlerin ist und dementsprechend leichte Eingewöhnungsschwierigkeiten hat. Oder mit Caspar, dem Nachwuchs-Macho-Softie. Lillusch, die Kleinste, für die die Eltern vorübergehend leider vergessen, ein ordentliches Visum zu besorgen. Wie man sehr chaotisch, aber doch sehr liebevoll mit der Familie umgehen kann und doch noch eigene irrwitzige Wünsche behält, davon erzählt Kessler hier. Wer Kinder hat oder darüber nachdenkt, sich welche anzuschaffen, sollte dieses Buch dringend lesen. Wer allerdings etwas über die technischen Errungenschaften aus dem Tal der digitalen Wunder lernen will, dem sei „Silicon Wahnsinn“ nicht empfohlen. Berührungspunkte gibt es nur wenige, mal eine Vorlesung an der Universität Stanford, die Kessler schnell überfordert, ein anderes mal Kontakt mit einer App, die nach Popo-Vermessung die ideale Jeans empfiehlt, die Kessler dann aber scheußlich findet.

Ein Jahr hat Katja Kessler mit zwei Töchtern und zwei Söhnen in Amerika gelebt. Mitgebracht hat sie dieses saukomische, kluge, herrliche Buch. Auf die Innovationen aus der Kuddel-WG warten wir bis heute gespannt. Wie sagte doch gleich die Autorin: „Frauen sind die besseren Männer.“