Nach Krankheit

Schauspieler Günter Junghans in Berlin gestorben

Er war Charakterdarsteller in Defa-Filmen, spielte 25 Jahre an der Volksbühne und wurde auch durch Rollen wie im „Tatort“ oder in „Weißensee“ bekannt. Nun starb Günter Junghans nach schwerer Krankheit.

Foto: Joachim Schulz

Sein Gesicht ist vielen vertraut, aber Günter Junghans war nicht der Mann für die ganz großen Rollen. Mit umso mehr Herzblut gab er zahlreichen Nebenfiguren Charakter und menschliche Tiefe. Zu seinen wohl wichtigsten Auftritten gehörte der DDR-Kultfilm „Die Abenteuer des Werner Holt“ (1965). In dem Antikriegsfilm spielte er den jungen Christian Vetter, einen jener ideologisch verdrehten Gymnasiasten, die kurz vor ihrem Abitur voller Begeisterung als Flakhelfer in den Zweiten Weltkrieg ziehen und den blutigen Ernst des Lebens durchleiden.

In der Rolle des Stasi-Generaloberst Koweitz, den er in der ARD-Serie „Weißensee“ seit 2010 spielte, sollte er ab September wieder vor der Kamera stehen. Am Sonntag ist der Schauspieler nach kurzer, schwerer Krankheit mit 73 Jahren gestorben.

Der gebürtige Leipziger hat in mehr als 130 Kino- und Fernsehfilmen mitgespielt, über 20 Jahre gehörte er zum Ensemble der Berliner Volksbühne. Die Personen, die er verkörperte, wirkten immer bodenständig. Seine Wandelbarkeit zeigte sich ihn ihnen: Seine Figuren konnten herzlich oder schroff, leise naiv oder lauthals polternd sein. Als Komödiant war er voller Doppelbödigkeit.

Junghans erreichte ein Millionenpublikum

Vor allem mit seinen Defa-Filmen erreichte Junghans ein Millionenpublikum. Beliebte Streifen waren etwa „Ach, du fröhliche ...“ (1962), „Zünd an, es kommt die Feuerwehr“ (1976) und „Wie die Alten sungen...“ (1987). In dem in der DDR verbotenen Kinodrama „Jadup und Boel“ (1980) spielte er an der Seite von Kurt Böwe und Gudrun Ritter. 1983 wurde der seinerzeit populäre Schauspieler für seine „maßstabsetzenden künstlerischen Leistungen“ mit dem Kunstpreis der DDR ausgezeichnet.

Die Wiedervereinigung bedeutete für Junghans auch beruflich eine Zäsur. Er gehörte zu den etablierten Schauspielern, die schließlich einen Neustart schafften. Nach einer kleineren Rolle in Helmut Dietls Satire „Schtonk“ (1992) arbeitete er vor allem für das Fernsehen. Regelmäßig trat er weiter in der Krimireihe „Polizeiruf 100“ auf, auch im „Tatort“ war er mehrfach zu sehen. Zu erleben war er auch in den Serien „Wolffs Revier“ und „Die Kommissarin“.

Geboren wurde Günter Junghans am 14. Juli 1941 in Leipzig als Handwerkersohn. Nach seiner Schulausbildung absolvierte er eine Lehre als Maschinenschlosser im VEB Verlade- und Transportanlagenwerk Leipzig. Sein Abitur holt er nebenbei an der Volkshochschule nach. Von 1959 bis 1964 studierte Junghans dann Schauspiel an der Hochschule für Deutsche Filmkunst in Potsdam-Babelsberg.

Für Kinder engagiert

Anschließend wurde er ans Hans-Otto-Theater in Potsdam engagiert. 1969 wechselte er an die Berliner Volksbühne, wo er unter großen Regisseuren wie Fritz Marquardt, Benno Besson und Matthias Langhoff spielte. Für Aufsehen sorgte er als Franz Moor in Schillers Drama „Die Räuber“. Zuletzt war er als Komödiant an der Seite von Herbert Köfer auf Tour, und er stand 2006 in Potsdam in der Titelrolle als „Nathan der Weise“ auf der Bühne.

Privat engagierte sich der verheiratete Familienvater für das Kinderhospiz Mitteldeutschland, dessen ehrenamtlicher Botschafter er seit 2005 war. Schon vor vier Jahren hatte er sich in der Charité einer Herzoperation unterziehen müssen, war dem Tod aber „noch mal von der Schippe gesprungen“, wie er zu seinem 70. Geburtstag sagte. Am Sonntag starb er in einem Krankenhaus bei Berlin, teilte die Filmagentur Astrid Rahn mit.

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