Carl Philipp Emanuel Bach

Aus der Seele muss man spielen!

Ein Netzwerk für Carl Philipp Emanuel Bach: Zum 300. Geburtstag würdigen Leipzig, Frankfurt (Oder), Potsdam, Berlin und Hamburg den Komponisten, der zu Lebzeiten keinesfalls im Schatten des Vaters stand.

Foto: www.cpebach.de

Wenn man vor 250 Jahren vom „großen Bach“ sprach, meinte man selbstverständlich Carl Philipp Emanuel. Der Ruhm von Johann Sebastian Bachs zweitem Sohn überstrahlte den seines Vaters. Die Liste seiner Notenkunden reichte von Russland bis Südafrika. „Er ist der Vater, wir die Bub’n. Wer von uns was Rechtes kann, hat von ihm gelernt“, meinte Wolfgang Amadeus Mozart. Vor 300 Jahren kam Carl Philip Emanuel Bach in Weimar zur Welt. Er studierte Musik bei seinem Vater und zusätzlich Jura. 1738 trat er in den Dienst des Flöte spielenden Friedrich II. 30 Jahre später übernahm er in der Nachfolge seines verstorbenen Patenonkels Telemann die Kirchenmusikdirektion in Hamburg, wo er 1788 starb.

Der „Hamburger Bach“ war ein eigenwilliger und geistreicher Musiker, ein wilder Experimentator, der höchst individuelle, überraschende und virtuose Werke erdachte. Originalität und Genie wurden ihm immer wieder bescheinigt. Man bewunderte die kühnen harmonischen Wendungen in seinen Werken, die einzigartige Weise, Empfindungen und Leidenschaften im Hörer zu wecken. Er selbst wollte mit seiner Musik „vornehmlich das Herz rühren“, wie er in seiner autobiografischen Skizze betonte. „Aus der Seele muss man spielen und nicht wie ein abgerichteter Vogel“, forderte er auch die Musiker auf. Gelegentlich spielte er für seine Besucher. Von Reichardt und Burney sind geradezu hymnische Berichte überliefert über seine Improvisationen auf dem Clavichord. Sein Lehrbuch „Über die wahre Art das Clavier zu spielen“ war lange Zeit ein Standardwerk. Noch Beethoven hat es in seinem Klavierunterricht benutzt. Seine Klavierwerke hatten großen Einfluss auf die Wiener Klassik und die frühe Romantik. 80 Konzerte und 400 Solostücke schrieb er für sein Instrument, außerdem Quartette, Sinfonien und Oratorien.

Großer Bahnhof beim Leipziger Bach-Fest

Zum 300. Geburtstag laden Leipzig, Frankfurt (Oder), Potsdam, Berlin und Hamburg zu Kulturausflügen auf seinen Spuren ein. Unter dem Motto „Die wahre Art“ steht das Bachfest Leipzig diesmal ganz im Zeichen von C.P.E. Bachs Jubiläum. In Leipzig sammelte der Bach-Sohn früh wichtige musikalische Erfahrungen. Vom 13.-22. Juni spielen Stars der Alte-Musik-Szene wie Christopher Hogwood, Ton Koopman, die Akademie für Alte Musik und das Amsterdam Baroque Orchestra. Als Orchestra in Residence kommt das Tafelmusik Baroque Orchestra aus Kanada nach Leipzig. Mit Sinfonien, Konzerten, Kantaten und Sonaten, Gesprächen und Seminaren gibt das Festival einen Überblick über das Schaffen des „Hamburger Bach“. Bis zum 20. Juli präsentiert das Bach-Museum in Leipzig eine Sonderausstellung zum Geburtstag. Gezeigt werden einige seiner frühesten erhaltenen Handschriften, Briefe und Stammbucheinträge.

Frankfurt (Oder) war nach Leipzig die zweite Wirkungsstätte von C.P.E. Bach. Hier studierte er Jura und komponierte zahlreiche Werke. Die Universität organisiert für den 11. -13. Juli ein sommerliches Fest für „C.P.E.“ im Garten des Kleist-Museums. „Bach bewegt, Oder?“ heißt die Veranstaltungsreihe mit Musik, Theater, Tanz und Performances. Die Frankfurter Konzerthalle Carl Philipp Emanuel Bach beherbergt auch die einzige ständige Ausstellung über den Komponisten. Zurzeit kann sie nicht besucht werden, da sie mit multimedialen Elementen und neuen Exponaten umgestaltet wird. Am 9. September wird sie neu eröffnet.

Ein ganzes Jahr Geburtstag feiern

In Potsdam und Berlin hat C.P.E. Bach fast 30 Jahre lang am Hof gewirkt. Potsdam feiert das ganze Jahr hindurch immer wieder seinen Geburtstag, etwa beim Orgelfest und der „Matinee mit CPE“ am 23. /24. Mai in der Nikolaikirche und beim „Stadtschloss open air“ am 7. Juni. Das Konzerthaus Berlin widmet dem Komponisten eine Reihe von Konzerten, zum Beispiel am 15. Juni mit dem Originalprogramm eines Benefizkonzerts, das Bach für das Hamburger Medizinische Armenhaus veranstaltete.

In Hamburg, der Stadt seiner größten Erfolge, verbrachte der Komponist seine letzten beiden Lebensjahrzehnte. In der Hauptkirche St. Nikolai erklingt am 25. Mai seine Kammermusik und am 7. Juni das große Oratorium „Auferstehung und Himmelfahrt Jesu“. Im September präsentieren die Hamburger Hauptkirchen Kantaten des Jubilars in den Sonntagsgottesdiensten. C.P.E. Bach war die Lichtgestalt der musikalischen Empfindsamkeit, einer abenteuerlustigen Zeit des Umbruchs. Sein großes Pech ist es, dass wir heute diese Epoche nur als Entwicklung zwischen den beiden Gipfeln des Barock und der Klassik wahrnehmen. Das Jubiläum bietet Gelegenheit, den „großen Bach“ neu zu erkunden.

Foto: © Bach-Archiv Leipzig · www.bach-leipzig.de / © Bach-Archiv Leipzig