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Wie Schauspieler Johnny Depp mit dem Tod umgeht

Johnny Depp spielt in dem Science-Fiction-Film „Transcendence“ einen Wissenschaftler für künstliche Intelligenz. Ein Gespräch über den Tod, die Tücken der Technik und die Klugheit seiner Kinder.

Foto: TOBIS Film

Wer sich nach Filmen wie „Alice im Wunderland“, „Fluch der Karibik“ oder „Dark Shadows“ freut, dass Johnny Depp in „Transcendence“ (ab 24. April 2014 in den deutschen Kinos) endlich mal wieder einen Menschen aus Fleisch und Blut im Hier und Jetzt spielt, tut das womöglich zu früh. Denn als Will Caster, Experte für künstliche Intelligenzen, ist er bald nur noch eine ebensolche, nachdem seine trauernde Ehefrau (Rebecca Hall) sein Gehirn mit einem Computer verbunden hat. Mit dem 50-Jährigen über moderne Technik und den Tod zu sprechen, war also naheliegend.

Berliner Morgenpost: Mr. Depp, in „Transcendence“ segnen Sie – ohne zu viel zu verraten – ziemlich bald das Zeitliche und führen danach sozusagen eine virtuelle Existenz. Wie haben Sie darstellerisch da einen Unterschied hergestellt?

Johnny Depp: Unser Regisseur Wally Pfister hatte dafür eine raffinierte Idee: Er hat mich von den anderen Schauspielern in den Szenen räumlich isoliert. Ich kommuniziere mit ihnen ja nur als Gesicht auf dem Bildschirm, also standen wir nie gemeinsam vor der Kamera. Ich befand mich in einem kleinen Raum abseits des eigentlichen Sets und wurde dabei gefilmt, wie ich in einen Monitor spreche, was dann direkt in die Hauptkulissen übertragen wurde. Wie wenn man über Skype miteinander spricht. Das hat die Interaktion sofort verändert. Hätte ich bloß hinter der Kamera gekauert, um mit Rebecca Hall die Dialoge durchzuspielen, wäre das Spezielle am Umgang mit einer virtuellen Person viel schwieriger herzustellen gewesen.

Hauptthema von „Transcendence“ ist der technische Fortschritt und wie die Menschheit damit umgeht. Sind Sie selbst versiert in Computer-Dingen?

Lassen Sie es mich so sagen: meine Kinder sind klug genug, nie mich zu fragen, wenn es irgendwelche Probleme mit dem Internet oder ihrem Laptop gibt. Genauso wenig übrigens, wie sie wegen ihrer Hausaufgaben zu mir kommen. Vor allem, wenn es um Mathe geht.

Aber Sie besitzen doch sicherlich ein Smartphone. Sind Sie einer dieser Menschen, die ständig irgendwelche neuen Apps ausprobieren?

All diese Foto-Apps mag ich zumindest ganz gerne, mit denen man Bilder bearbeiten und verändern kann. Wenn ein Familienfoto sich mit nur einem Klick in ein abstraktes Kunstwerk verwandeln kann – das ist doch klasse. Dass sich heutzutage jeder mit solchen Spielereien austoben kann, gefällt mir.

Und googeln Sie manchmal Ihren eigenen Namen?

Haha...ja, ich habe mich tatsächlich schon mal selbst gegoogelt. Und es dann auf Anhieb bereut. Von daher lasse ich das seitdem. Genau wie ich überhaupt versuche, von allem die Finger zu lassen, wo es um meine Person geht. Ich gucke mir meine Talkshow-Auftritte nicht an und lese auch keine Kritiken mehr. Und mit Twitter habe ich ohnehin nichts am Hut.

Haben Sie Sorge vor der Weiterentwicklung all dieser modernen Technologien? Den Film könnte man durchaus als Warnung verstehen.

Ich halte mich da lieber von Pauschalaussagen fern. Die technischen Neuerungen und Möglichkeiten an sich machen mir keine Angst. Aber natürlich ist es die Frage, wer sie in die Hände bekommt – und zu welchen Zweck. Das ist wie mit Schusswaffen. Die Pistole selbst trägt nie die Schuld an einem Mord. Und machen wir uns nichts vor: umkehren lässt sich die Entwicklung sowieso nicht mehr. Also heißt es jetzt, einen gesunden Weg zu finden, mit all diesen Sachen umzugehen.

Wenn es möglich wäre und Sie – wie Ihre Film-Ehefrau – vor der Wahl stünden, das Gehirn eines geliebten Verstorbenen in den Computer hochzuladen, würden Sie das tun?

Wenn ich auch nur annähernd das Gefühl hätte, dass das den Wünschen dieser Person entsprechen könnte, vermutlich ohne mit der Wimper zu zucken. Wenn man um die Liebe seines Lebens trauert, ist man doch zu allem bereit. Wenn es um meine eigene Person geht, würde ich allerdings ganz nüchtern sagen: bloß nicht. Bei meinem Glück in Sachen Technik ist der Computer, in den ich hochgeladen werde, schon ein paar Wochen später ein Auslaufmodell und ich lande beim Pfandleiher. Da lasse ich mich doch lieber gleich aussortieren.

Können Sie die eigene Sterblichkeit so locker sehen?

Zumindest versuche ich es. Denn was bringt es, in ständiger Angst vor dem Tod zu leben? Es ist ja nicht so, dass wir ihm entgehen können. Dabei hilft es natürlich sehr zu wissen, dass ich mich nicht mit dem Gefühl plagen muss, die großen Dinge in meinem Leben noch nicht erreicht zu haben. Im Gegenteil! Ich führe ein erfülltes, privilegiertes Leben und habe zwei fantastische Kinder. Was will man mehr?