Fernsehen

Kuscheln mit den Clans bei Frank Plasberg

Organisiertes Verbrechen in Deutschland durch Mafia und Araber-Clans war das Thema von Frank Plasberg. Doch was kam dabei heraus? Eine Kissenschlacht mit politisch korrekten Schaumstoffbällchen.

Foto: Jörg Carstensen / dpa

Ein richtiges Stammtischthema, dachte man vor der Sendung. „Mafia, Jugend-Banden und Clans – wer hat die Macht auf Deutschlands Straßen?“, das klang doch knackig. Ein Polizist sitzt in der Runde, zwei Journalisten, die im arabischen Clan-Milieu recherchieren, ein erfahrener Strafrechtler und der Grünen-Politiker Volker Beck, bekannt als dauertolerante Allzweckwaffe. Erst einmal wird der Leserbrief einer Streifenpolizistin aus dem Ruhrgebiet eingespielt, die darüber klagt, dass sie im Dienstalltag immer häufiger auf unverschämte muslimische, straffällig gewordene junge Männer treffe, denen es an Respekt vor der Polizei fehle.

Ein ARD-Film, vor „Hart aber fair“ ausgestrahlt, hatte italienische Mafia-Strukturen in Deutschland beleuchtet und klar gemacht, dass bei uns solchen kriminellen Strukturen nur schwer beizukommen ist. Auch weil Polizisten und Juristen in ihrer Arbeit zu sehr beschränkt würden. Und seit dem Bremer „Tatort“ hat jeder eine Ahnung vom Treiben arabischer Clans in deutschen Großstädten.

Es ging also gut los. Ein bisschen Stammtisch schadet dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen nicht. Und Moderator Frank Plasberg dreht ja gern mal auf.

Mehr Beamte, mehr Ausstattung für mehr Sicherheit

Es begann eine Diskussion, die leider nie ins Thema eintauchte. Warum? Alle am Tisch hatten ihre Interessen, das wurde sofort klar. Rainer Wendt, Gewerkschaftschef der Polizei, tat von Anfang an, was ein Gewerkschaftler halt tut: Fordern! Mehr Beamte, mehr Ausstattung, dann werde es wieder sicherer in Deutschland. Und Volker Beck tat, was halt Grüne so tun. Der innenpolitische Grünen-Sprecher warnte vor zu viel Polizei und Kontrolle. Dann kam der Strafrechtler Gottfried Reims zu Wort. Er findet die deutsche Justiz und ihre Gesetze völlig in Ordnung, da müsse man nichts verschärfen. Und die beiden journalistischen Experten? Lagen sich sofort in den Haaren.

Beate Krafft-Schöning, die in Bremen seit Jahren über eine arabische Großfamilie schreibt, inzwischen in der vertraulichen „Wir“-Form, trat an gegen Walter Wüllenweber, der in Berlin über den Abou-Chaker-Clan recherchiert. Dass beide Familien die Kriminalitätsstatistiken der jeweiligen Städte hochtreiben, daran gibt es keinen Zweifel. Doch so ein Clan sei groß, erklärte Krafft-Schöning, an die 3000 Mitglieder habe die Familie in Bremen, wie viele davon sind kriminell? 50 bis 60, schätzte sie – die Polizei spricht von fast 500 Tatverdächtigen.

Viele aus dem Bremer Clan seien „ganz normale Familien“, die diskriminiert würden, sagte Krafft-Schöning. Kinder würden in der Schule gehänselt, Jugendliche blieben ohne Lehrstelle, weil ihr Name ein Bewerbungsgespräch verhindere. Und jetzt Volker Beck. Er sprach nun von „Hetzkampagne“ – oder war es Krafft-Schöning oder der Strafrechtler Reims?

Das Wort „Migration“ im Sekundentakt

Der Stern-Journalist Wüllenweber saß plötzlich isoliert da – diskriminierte er nicht unschuldige Araber mit seinen Artikeln? Neigte er nicht zur Vorverurteilung? Der Polizist Wendt drang kaum mehr durch. Ob die deutsche Polizei nicht rassistisch sei, das war nun die Frage. Alle dreißig Sekunden fiel das brave Wort „Migration“ und „Migrationshintergrund“, jetzt bloß keinen Fehler machen auf diesem rutschigen Terrain.

Auch Wendt sprach auf einmal von der „interkulturellen Kompetenz“ seiner Polizeitruppe. Und Beck betonte, er wohne in Kreuzberg; ja, er kenne solche türkischen Jungs, aber auch andere. Und der Strafrechtler Reims schwadronierte fast zynisch über mögliche „Besuche“ von Clan-Typen, die Zeugen vor Prozessen eventuell einschüchterten – sollte es diese „Besuche“ geben, könne man sie ja der Polizei melden.

Über konkrete Taten sprach keiner mehr. Nur ganz am Ende erzählte ein Journalist, der einen Tag in Leverkusen unterwegs war, wie dort die Angst vor Roma-Clans umgehe. Plasberg schaute betreten drein, aber da war die Sendung zu Ende.

Falls irgendwer beim Gucken von „Hart aber fair“ Chips-Tüten ausgepackt hat, dann das organisierte Verbrechen in Deutschland. Nach diesem Talk wussten sie: In diesem müden Land können wir weiter ungestört agieren.