Theater am Kudamm

Frau wechselt den Mann, aber nicht den Fußballklub

Charlotte Schwab spielt im Theater am Kurfürstendamm in „Schlechter Rat“ die betrogene Partnerin an der Seite von Uwe Ochsenknecht. Eine Paraderolle für die gebürtige Schweizerin.

Foto: Buddy Bartelsen / impress picture/Buddy Bartelsen

Was ist wichtig im Leben? Reichtum, Freundschaft, Liebe? Die Beziehungskomödie „Schlechter Rat“ von Saul Rubinek zeigt alle Facetten einer zuerst funktionierenden und dann scheiternden Partnerschaft. Was übrig bleibt? „Nur verbrannte Erde“, bricht es aus Charlotte Schwab in der Szene heraus.

Diesen Satz schreit sie Abend für Abend ins Publikum. Tief getroffen und herzzerreißend. Die Schauspielerin steht zurzeit im Theater am Kurfürstendamm an der Seite von Uwe Ochsenknecht auf der Bühne.

Sie spielt die betrogene Partnerin, die peu à peu mit der Wahrheit konfrontiert wird. Ihr Mann hatte einen One-Night-Stand mit ihrer besten Freundin. Diese Erkenntnis wirft die ansonsten selbstbewusste Frau völlig aus der Bahn. Sie verliert die Contenance, wirft den Mann aus dem Haus und kündigt die Frauenfreundschaft.

Kein Trennungsgrund

Eine Paraderolle für Charlotte Schwab. „Seele, Körper und Geist sind meine Berufsinstrumente“, sagt die gebürtige Schweizerin, „so verstehe ich die Arbeit eines Schauspielers. Dazu zählt das Abrufen von Emotionen.“. Die Frage im Stück ist doch: Wie weit verzeihen wir? „Ich bin der Meinung, dass ein One-Night-Stand kein Trennungsgrund sein muss!“, fügt sie überzeugend hinzu. Charlotte Schwab war zweimal verheiratet – mit den Schauspieler-Kollegen Peter Simonischek und Sven-Eric Bechtolf – und hat zwei erwachsene Söhne. Max (31), der in die Fußstapfen der Eltern trat und Schauspieler ist, und Hans (24), der Jura studiert. Kann sie sich eine dritte Ehe vorstellen? „Nein. Aller guten Dinge sind zwei!“, lautet die bestimmte Antwort.

Die Baselerin lebt seit 25 Jahren in Hamburg und fühlt sich sehr wohl im Norden. Sie pflegt ihre Freundschaften und genießt das Leben, denkt aber: „Der Mensch ist nicht geboren, um allein zu sein.“ Allerdings sei Zweisamkeit um jeden Preis keine Lösung. Zu einer langjährigen Partnerschaft gehörten beidseitige Kompromisse und viel Humor. „Ich liebe meine Freiheit, allerdings gepaart mit Sicherheit“, so die 61-Jährige, die kein Geheimnis aus ihrem Alter macht. „Ich bin im letzten Viertel des Lebens angekommen, darüber muss man sich bewusst sein“, verkündet sie laut. „Ich lasse mir von der Gesellschaft nicht einreden, dass ich eine Best Agerin bin. Das ist einfach ein Schmarr’n. Das setzt uns Frauen unheimlich unter Druck, und wir werden alle daran gemessen“, sprudelt es aus ihr heraus, „so können wir nicht in Ruhe älter werden!“

Mit 46 Jahren ins Fernsehen

Die temperamentvolle Frau hat in ihrem Leben auch Fehlentscheidungen getroffen. Sie meint aber, auch das gehöre dazu. „Beruflich habe ich großes Glück gehabt. Nach mehr als 20 Jahren auf der Bühne gelang mir noch mit 46 Jahren der Sprung in das Fernsehgeschäft.“ Sie landete direkt in der Actionserie „Alarm für Cobra 11 – Die Autobahnpolizei“. Als Revierleiterin Anna Engelhardt wurde sie einem breiten Publikum bekannt. Markenzeichen ist nicht zuletzt ihre markante, tiefe Stimme. Es folgten weitere TV-Rollen, die Schauspielerin stand regelmäßig vor der Kamera.

Trotz aller TV-Erfolge vermisste Charlotte Schwab die Arbeit im Theater und kehrte 2003 als Medea in „Purgatory“ in den Hamburger Kammerspielen auf die Bühne zurück. Theater gehört zu ihrem Leben, schon immer. Ihre Mutter arbeitete als Garderobiere im Theater und nahm die Tochter mit zu den Vorstellungen. So entwickelte sich ihre Leidenschaft für die Bühne. Mit 17 Jahren begann sie ihr Studium am Staatlichen Konservatorium für Musik und Schauspiel in Bern. 1974 erhielt sie ihr erstes Engagement in Trier, weitere Bühnenstationen – u. a. Düsseldorf, Berlin, Zürich – folgten. Zuletzt spielte sie am Thalia Theater in Hamburg. Die Schauspielerin liebt ihren Beruf. „Solange ich gute Angebote bekomme, werde ich auf der Bühne und vor der Kamera stehen."

Fan von SC Freiburg

Hat sie noch Träume? „Ja, ich habe noch Träume, ich nenne sie mal Tag-, mal Blitzträume. „Es ist gut, dass man nicht weiß, was das Leben noch bringt.“ Sie spielt mit dem Gedanken, irgendwann einmal die Stadt zu wechseln. Wohin? Es zieht sie in den Süden. Vielleicht nach Freiburg? Dann wäre sie näher bei „ihrem“ Fußballclub SC Freiburg, dem sie seit 1995 leidenschaftlich die Treue hält. „Seit meinem 14. Lebensjahr interessierte ich mich für Fußball“, so Charlotte Schwab. Die Sportschau ist für sie ein Muss. Scherzend setzt sie ihrem Hobby noch die Krone auf: „Man kann den Mann wechseln, aber nicht den Fußballclub.“

„Schlechter Rat“, Vorstellungen bis 27. April 2014, jeweils 20 Uhr, Komödie am Kurfürstendamm, Karten unter Telefon 030-88591188 und im Internet unter www.komoedie-berlin.de