Bei Markus Lanz

Warum sich für Jochen Bendel das Dschungelcamp gelohnt hat

In seiner Talkshow bohrt Markus Lanz zum Fall Sebastian Edathy nach. Und für TV-Moderator Jochen Bendel erzählt in der Sendung vom Dschungelcamp als gelungene Investition.

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Rund um den Fall des Abgeordneten Sebastian Edathy gibt es ja viele interessante Fragen, und wir sollten sie nicht vergessen, wenn jetzt wieder so viele andere Dinge passieren. Eigentlich muss man Markus Lanz allein dafür dankbar sein: Dass er in der gestrigen Sendung all diese Fragen noch einmal gestellt und ins Gedächtnis gerufen hat. Und nicht irgendwem, sondern ausgerechnet dem Nachfolger Edathys im Innenausschuss, Wolfgang Bosbach (CDU). Die Fragen lauten wie folgt: Wie schnell und wie umfassend konnte das Bundeskriminalamt eigentlich von der Bestellung unterrichtet sein, die Edathy in Kanada getätigt hatte?

Das ist nicht ganz irrelevant, wenn man bedenkt, dass BKA-Chef Ziercke und einer seiner hochrangigen Mitarbeiter sich vom selben Mann im NSU-Ausschuss einigermaßen peinlich vorführen lassen mussten, während die Daten des kanadischen Anbieters ausgewertet wurden. Saßen also Ziercke und sein Kollege zähneknirschend im Gestühl und schluckten ihren Frust herunter? Schwiegen sie aus Staatsräson?

Bosbachs Krebserkrankung in der Sendung kein Thema

Und weiter: Was ist mit jenem namenlosen BKA-Beamten, der nicht nur (wie offenbar Edathy) das zwar inkriminierte, wohl aber nicht illegale Material nackt posierender Kinder bestellt haben soll, sondern harte, illegale Kinderpornographie? Wie kann es sein, dass im Innenausschuss nicht von ihm die Rede war? Er sei nicht danach gefragt worden, habe Ziercke gesagt, klärte uns Bosbach auf. Lanz vermied es, Bosbach in der sehr bunt besetzten Runde eingehend zu der Prostatakrebserkrankung zu befragen, die in vielen Medien in den letzten Tagen ausführlich Thema war. Das ersparte dem Podium ein Zuviel an Intimität, die man aber gar nicht missen wollte: Denn der Fall Edathy ist noch deutlich zu frisch, um seiner überdrüssig zu werden.

Für Jochen Bendel hat sich das Dschungelcamp gelohnt

Und sonst? Das bunte Sendekonzept bringt harte Themenwechsel mit sich. Und doch sind die Übergänge manchmal fließend: Kaum hatte uns Steuerfuchs Jens Westerbeck darüber aufgeklärt, warum Froschschenkel so gut absetzbar sind, erhellte TV-Moderator Jochen Bendel das wahre Leben im RTL-Dschungelcamp, das er gerade hinter sich gebracht hat. Genau genommen hat er bei der vor einigen Wochen zu Ende gegangenen Staffel von „Ich bin ein Star, holt mir hier raus“ den dritten Platz belegt. Erfrischend war nicht nur, wie offen er den (ja einigermaßen gut medial aufbereiteten) Alltag im Camp schilderte, mit nur zwei Tassen Reis und zwei Tassen Bohnen am Tag für die geplagten Bewohner. Erfrischend war vor allem, wie gelassen er davon erzählte, was er vom öffentlichen Kakerlakenbad eigentlich hatte: Mehr Aufträge, mehr Aufmerksamkeit, insgesamt also eine gelungene Investition: „Was es gebracht hat? Mein Name war wieder im Spiel."

Dazwischen kamen die mindestens ebenso interessanten Gäste - der ehemalige Gefängniswärter von Nelson Mandela und die Olympiasiegerin Natalie Geisenberger - fast ein bisschen zu kurz. Aber auch sie brachten Farbe in diese Sendung, die moderiert wurde von einem - man muss es nach all den Prügeln, die er bezogen hat, einmal deutlich sagen: angenehm kompetenten, zurückhaltenden Moderator Markus Lanz.