Oscars

Was Sie über die Filmnacht des Jahres wissen müssen

Hollywood vergibt in der Nacht zu Montag die Oscars. Es verspricht spannend zu werden. Die Morgenpost hat alles Wichtige rund um den Preis 2014 für Sie zusammengetragen.

Foto: Mary Cybulski / AP

In der Nacht zum Montag werden in Los Angeles zum 86. Mal die Oscars verliehen, der wichtigste und legendärste Filmpreis der Welt. Die eine Nacht, in der alle dabei sein wollen. In der sich die Promis auf dem roten Teppich drängeln und über 220 Länder das live übertragen.

Damit die Aufmerksamkeit gegen Olympia in Sotschi nicht abfällt, hat man dieses Jahr die Prozedur eigens um eine Woche verschoben. Ab 1.05 heißt es dann auch auf ProSieben wieder: „And the Oscar goes to ...“ Alles Wichtige rund um den Preis 2014 haben wir für Sie zusammengetragen.

1. Die Moderatorin

Sie darf wieder. Ellen DeGeneres hat schon einmal, 2007, die Oscar-Verleihung moderiert. Sie hat dabei ein paar deftige Zoten gemacht. Und auch sonst so manchen bei der Veranstaltung düpiert. Lebt sie doch offen lesbisch und nimmt auch in ihrer Fernsehshow kein Blatt vor den Mund. Nach den eher drögen Moderatoren der Vorjahre, als sich etwa Anne Hathaway mit einem lediglich improvisierenden James Franco herumschlagen musste oder ein langsam gewordener Billy Crystal eher Altherrenwitz zündete, und dem außerhalb der USA kaum bekannten Seth MacFarlane im Vorjahr dürfte die resolute Frau wieder für ein paar starke Sprüche sorgen. Den Ersten gab es, gleich nachdem sie als Moderatorin berufen wurde: „Ich bin so erfreut, den Oscar zum zweiten Mal moderieren zu dürfen. Wie heißt es so schön: Aller guten Dinge sind drei.“

2. Der Teppich

Seit 2002 wird der Oscar am selben Ort verliehen. Auch wenn der nicht immer so heißt. Bis 2012 begrüßte die Academy ihre Gäste im Kodak Theatre in Los Angeles. Da Kodak aber zwischenzeitlich pleiteging, trug das Haus auch mal kurzfristig den reichlich komplizierten Namen Hollywood and Highland Centre. Das hat sich, glücklicherweise, nicht durchgesetzt. Heute nennt sich das Gebäude Dolby Theatre, statt am Bild- hat man sich jetzt also an die Tonhersteller gehalten. Davor wird wieder die Mutter aller roten Teppiche ausgerollt, der zehn Meter breit und über 150 Meter lang ist. 3300 Stars dürfen darüber schreiten und in die Kameras lachen. Und zahllose Fernsehteams hinter der Kordel prügeln sich dann um ein paar Kürzest-Interviews.

Was diese Bilder aber nicht zeigen: Wer wann über den Teppich schreitet, ist penibel festgelegt. Das Areal ist weiträumig abgesperrt, nur mit angemeldeten Stretchlimousinen kommt man hier durch. Und auch hier ist die Reihenfolge strikt vorgeschrieben. Wer nicht ganz so berühmt ist, sollte früh kommen. Sonst muss er lange warten. Bevor den George Clooneys und Meryl Streeps die Wagentür geöffnet werden, müssen sie wie alle anderen mit Engelsgeduld im Limousinen-Stau ausharren. Gerne wüsste man, wie die drinnen die Zeit totschlagen. Aber das wird natürlich nie preisgegeben.

3. Die Favoriten

Die meisten Nominierungen haben „American Hustle“ und „Gravity“ bekommen. Zehn Mal wurden sie aufgestellt, sowohl die Trickbetrügergeschichte aus den 70er-Jahren mit dem überragenden Star-Ensemble Christian Bale, Amy Adams, Jennifer Lawrence und Bradley Cooper (sie alle sind ebenfalls nominiert) als auch das ungewöhnliche Science-Fiction-Drama, in dem Sandra Bullock ganz allein durch das All rauscht. Aber werden sie auch am Ende die meisten Trophäen mit nach Hause nehmen dürfen? Das Sklavendrama „12 Years A Slave“ ist „nur“ neunmal nominiert, Martin Scorseses Abgesang auf die Finanzwelt, „The Wolf of Wall Street“, gar nur fünf Mal: Aber am Ende sind es doch immer solche seriösen Dramen, die die wichtigen Auszeichnungen (Regie, Drehbuch, Bester Film) für sich reklamieren können. Während die Filme mit den meisten Nominierungen meist in den technischen Nebensparten Trostpreise einfahren. „Hustle“ oder „Slave“, das wird in diesem Jahr die ganz spannende Frage sein.

4. Die Rekordhalterin

Niemand ist so oft für einen Oscar nominiert worden wie Meryl Streep. 18 Nominierungen in 35 Jahren, das ist absoluter Rekord. Allein: Sie hat „erst“ drei Oscars gewonnen, den letzten vor zwei Jahren für ihre Darstellung der Margaret Thatcher in „Iron Lady“. Einen Rekord muss die Streep aber noch brechen: Katharine Hepburn ist zwar nur zwölf Mal nominiert worden, hat aber vier der Trophäen bekommen. Einen Preis braucht es also noch, zum Gleichstand. Am besten zwei, um auch die Hepburn zu überflügeln. Aber bei ihrer diesjährigen Nominierung für „Im August in Osage County“ sind ihre Chancen wohl gering. Alle glauben fest, dass Cate Blanchett ihn für ihre grandiose Darstellung in Woody Allens „Blue Jasmine“ erhalten wird. Kopf hoch, Meryl: Die Hepburn bekam ihren letzten Oscar mit 74. Meryl aber ist gerade erst 64.

5. Die Kleidung

Die zweitwichtigste Frage des Abends lautet: Wer bist du? Das kann einem noch nicht so bekannten Nebendarsteller, erst recht aber Leuten aus der Technikabteilung schon mal passieren, dass die Fernsehteams hinter der Kordel nicht wissen, mit wem sie da sprechen. Fast noch wichtiger aber ist, zumindest bei denen, bei denen sich die zweitwichtigste Frage erübrigt: Was tragen Sie? Die angesagtesten Modezaren drängen sich den Stars geradezu auf, um sie in edelste Roben hüllen zu dürfen. Das ist die beste Werbung, kostenlos in Milliarden TV-Haushalte übertragen. Auch Schmuckdesigner und Coiffeure stellen sich dafür gern zur Verfügung. Die Vorbereitung auf den Abend fängt gerne schon mal Wochen davor an. Weshalb Dieter Kosslick immer darunter leidet, dass die begehrten Stars deshalb nicht immer zur Berlinale kommen. Bei den Oscar-Roben und -Garderoben wird es wie immer so manchen Eyecatcher geben. Aber auch so manche Modesünde. Wie bei Filmen den Regisseuren, vertrauen allzu viele Stars beim Teppich allzu sehr auf die Couturiers. Und nicht auf das eigene Bauchgefühl.

6. Die Hoffnungen

Letztes Jahr bekam Christoph Waltz seinen zweiten Oscar. Und „Liebe“ von Michael Haneke gewann als bester fremdsprachiger Film. Nun sind zwar Waltz wie Haneke eigentlich Österreicher, aber Waltz hat lange Jahre in Berlin gelebt. Und „Liebe“ war eine deutsche Filmproduktion. Ein bisschen Oscar-Glamour fiel also auch auf das heimische Kino ab. In diesem Jahr ist das leider nicht so. Daniel Brühl hat sich zwar in Ron Howards Formel-1-Film „Rush“ in einer schauspielerischen Tour de force in Niki Lauda verwandelt, er hat dafür eine Golden-Globe- und eine Bafta-Nominierung erhalten. Aber am Ende ging er leer aus. Und für den Oscar ist er nicht mal nominiert worden. Auch die deutsche Einreichung für den Auslands-Oscar, „Zwei Leben“, hat es nicht in die Endrunde der fünf Nominierungen geschafft. Alle deutschen Hoffnungen richten sich jetzt auf Max Lang und Jan Lachauer. Ihr Kurzfilm „Room of the Broom“ ist zwar eine britische Produktion, die Regisseure sind aber deutsch und haben ihn in Ludwigsburg gedreht. Lang war schon einmal für einen Oscar nominiert, 2011 mit „Der Grüffelo“.