Kino

Zac Efron spielt jetzt in Filmen, auf die er stolz ist

Mit den „High School Musical“-Filmen war Zac Efron der Teenie-Star schlechthin. Jetzt möchte er als Schauspieler ernst genommen werden - und versucht sich mit dem Farmerdrama „Um jeden Preis“.

Foto: Concorde / dpa

Es ist nicht leicht, der Rolle als Kinderstar zu entwachsen und zum ernst zu nehmenden Schauspieler oder Musiker zu reifen. Ex-Disney-Prinzessin Miley Cyrus („Hannah Montana“) versucht es gerade mit möglichst provokant-vulgären Auftritten als Popstar. Kollege Zac Efron, Teenieschwarm der „High School Musical“-Filme, geht einen anderen Weg. Im Familiendrama „Um jeden Preis“ gibt er den jugendlichen Rebellen in den Fußstapfen von James Dean und Paul Newman. Wir haben den 26-jährigen Schauspieler gesprochen.

Berliner Morgenpost: Herr Efron, in diesem dunklen Designeranzug wirken Sie so erwachsen...

Zac Efron: Oh, vielen Dank.


Aber ein Detail sticht doch heraus: Ihre Socken mit dem „Monday“-Aufdruck.


Oh, das sieht man? Ich bin wirklich schlecht im Kofferpacken. Und ich habe Socken für jeden Wochentag. So muss ich nicht überlegen, wie viele ich mitnehmen muss. Und vor allem weiß ich, welcher Tag gerade ist.

Ist das seriöse Outfit Teil einer Strategie, das Image des Teeniestars abzustreifen?

Die letzten zwei Jahre waren eine Zeit des Wandels für mich. Ich muss mich immer noch manchmal in den Arm kneifen, um sicher zu sein, dass das wirklich alles passiert. Plötzlich spiele ich in Filmen mit, auf die ich auch stolz sein kann und die auf den großen Festivals in Cannes und Venedig laufen. Ich habe das Gefühl, auf dem richtigen Weg zu sein. Dafür bin ich sehr dankbar.

Ihr neuer Film über eine Farmerfamilie, die um das wirtschaftliche Überleben kämpft, erinnert an die Filme der späten Fünfziger und frühen Sechziger Jahre, in denen James Dean und Paul Newman junge Rebellen spielten.

Stimmt, meine Figur im Film heißt auch nicht umsonst Dean. Ich habe mir aber vor allem Paul Newman als Hud in „Der Wildeste unter Tausend“ angesehen. Dieser Hud will dem Kleinstadtmief entfliehen, er will ein anderes Leben, etwas Besseres, fühlt sich zu Größerem bestimmt. Damit konnte ich mich identifizieren.

Newman ist in dem Film allerdings bereits Ende 30, Sie selbst waren bei den Dreharbeiten gerade mal Mitte 20.

Ja, er ist kein Bürschchen mehr, sondern ein richtiger Mann, das hat mir gefallen.

Weil Sie sich auch gerne so sehen?

Wir haben schon viel gemeinsam. Ich bin auch in einer Kleinstadt aufgewachsen. Der amerikanische Traum, mit dem ich groß geworden bin, ging so: Sei gut in der Schule, damit du auf ein gutes College kommst, und sieh zu, dass du aus dem Kaff raus kommst! Geh auf eine Uni irgendwo anders und finde heraus, was du mit deinem Leben anstellen willst. Aber da wo ich groß geworden bin, im San Luis Obispo County in Kalifornien, gab es viele Farmer. Und die meisten meiner Mitschüler sind in der Gegend hängengeblieben.

Der Junge, den sie im Film spielen, will nicht die Farm des Vaters übernehmen, sondern als Rennfahrer Karriere machen. Was war Ihr Ticket in die weite Welt?

Auf jeden Fall keine Autos! Bei mir war’s das Theater. Damit habe ich mich identifiziert, ich habe mich reingehängt, weil ich wusste, wenn ich richtig gut bin, katapultiert mich das aus der Kleinstadtenge. Aber natürlich hatte ich nicht den blassesten Schimmer, wozu das alles führen würde.

Das hört sich fast an, als ob Sie es bereuen würden.

Nein, das nicht. Aber es ist eine ständige Achterbahnfahrt, dauernd passiert etwas und ich machte mir damals auf der Schultheaterbühne keine Vorstellung davon, was es heißt, von Hunderten Teenagermädchen verfolgt zu werden, sobald ich irgendwo auftauche. So hatte ich das nicht geplant und so sah es am Anfang auch gar nicht aus. Bei meinem ersten Vorsprechen bin ich glatt durchgefallen. Aber verstehen Sie mich nicht falsch, ich finde das immer noch aufregend.

Mussten Sie sich mit Ihrem Schauspielwunsch gegen die Eltern durchsetzen?

Als Kind war es gar nicht mein Traum, Schauspieler zu werden. Was ich aber schon habe, seit ich denken kann, ist ein grundsätzliches Verlangen zu unterhalten, auf welche Art auch immer. Schon als ganz kleines Kind habe ich Songs auswendig gelernt, Michael Jacksons Alben zum Beispiel musste ich damals nur zweimal hören, bis ich die Sachen nachsingen konnte. Es hat mir schon immer Spaß gemacht, mich zu verkleiden und Leute nachzumachen. Meine Eltern haben diese kreative Ader immer unterstützt, sie haben mich in den Musikunterricht gesteckt und mich ermuntert, Klavierspielen zu lernen. Und als mein Pianolehrer meinte, ich sollte es mal mit Theater versuchen, haben sie auch das unterstützt, selbst wenn meine Mitschüler das komisch fanden. Aber so habe ich Schritt für Schritt erkannt, was meine Nische ist, was mir Spaß macht und worin ich auch noch gut bin.

Wie haben Sie sich auf die Autorennen im Film vorbereitet?

Ich bin vorher noch nie ein Rennen gefahren, ich saß noch nicht mal in einem Auto mit Gangschaltung. Aber das war auch das tolle an den Dreharbeiten, dass ich mich einfach mit einem Profi in einen Rennwagen setzen und das ausprobieren konnte. Anfangs bin ich nur mit 60 Stundenkilometern in die Kurven, um zu sehen, wie das Auto reagiert. Und selbst da bin ich einige Male angeeckt. In einer Szene fahre ich durch ein Kornfeld, das so hoch ist, dass ich überhaupt nicht sehen konnte, wohin ich fahre. Aber der Regisseur Ramin Bahrani vertraute mir so sehr, dass er sich neben mich ins Auto setzte, ohne richtigen Sitz und vor allem ohne Gurt. Ich meinte nur: Du musst das nicht tun. Aber er wollte mir wohl zeigen, dass er mir vertraut.

Was haben Sie über Landwirtschaft gelernt?

Wir sind so vielen Menschen begegnet, mit denen wir gesprochen haben. Bei einigen haben wir sogar auf dem Bauernhof gearbeitet. Sie alle haben uns von ihrem Leben und ihrem Alltag erzählt und viele spielen jetzt auch im Film mit. Jeder half mit, wie bei einer Ernte. Es war also fast unmöglich, nicht Teil dieser Gemeinde und ihrer Kultur und ihrem Gemeinschaftsgeist zu werden. Bei der Szene mit dem Autorennen kamen 1500 Leute, die ohne Gage einfach dabei sein wollten.

Zumindest auf der Leinwand haben Sie das Singen aufgegeben. Schmettern Sie privat noch mal auf Karaokeparties oder unter der Dusche?

Klar! Heute Morgen bin ich aufgewacht und hatte „Billy Jean“ von Michael Jackson im Ohr. So was singe ich dann auch laut, das hört dann zum Glück niemand. Und manchmal singe ich tatsächlich auch noch vor Publikum, aber nur auf Hochzeiten von Freunden zum Beispiel.