Schlosspark Theater

Altes Superhirn trifft auf intellektuellen Vagabunden

Saisonauftakt im Schlosspark Theater: In „Einsteins Verrat“ trifft der geniale Physiker im Jahr 1934 auf einen ebenso zerlumpten wie geisteshellen Vagabunden - ein eher dialoglastiges Vergnügen.

Foto: DerDehmel

Zwei Dinge sind nach Albert Einstein unendlich: Das Universum und die menschliche Dummheit. Wobei er sich beim Universum nicht mal ganz sicher war. Zum Glück ist seit Einstein ja alles relativ. Auch die Dummheit. Aber ein Fehler bleibt ein Fehler und als solchen empfindet der Nobelpreisträger rückblickend seinen berühmten Brief von 1939 an den US-Präsidenten Roosevelt, in dem er ihn darauf hinweist, dass aufgrund der frisch entdecken Kernspaltung davon auszugehen sei, dass in Deutschland an einer Atombombe gearbeitet werde.

Einstein rät den USA, ebenfalls eine zu bauen. Zur Abschreckung. Dass dies ein Brief mit Zeitzünder war, war spätestens im August 1945 mit den Abwürfen auf Hiroshima und Nagasaki klar. Natürlich hatte Einstein, der überzeugte Pazifist, das weder so gewollt noch vorhersehen können.

Soweit die Fakten, um die Autor Éric-Emmanuel Schmitt ein Bühnenstück namens „Einsteins Verrat“ gebaut hat. Paul Bäcker hat es übersetzt und auch gleich die Regie übernommen für dessen Uraufführung am Schlosspark Theater.

Einstein wirkt etwas blässlich

Darin trifft der genial-zerstreute Querdenker Einstein 1934 am Ufer eines Sees in Princeton/New Jersey auf einen ebenso zerlumpten wie geisteshellen Vagabunden.

Man plaudert sich über Gott und die Welt in eine Freundschaft hinein, die zwanzig Jahre halten wird und in sieben Szenen erzählt wird. Volker Brandt gibt den Landstreicher, der einst seinen Sohn im Krieg verlor, als grantelnden Zyniker mit saftigem Mutterwitz. Matthias Freihofs Einstein wirkt dagegen fast etwas blässlich, wenngleich die Ungelenkheit, mit der er den Weltformel-Erfinder ausstattet, dessen Nimbus als skurriles Superhirn durchaus unterstreicht.

Als Dritter schaut auf dem grasbezogenen Bühnen-Hügel FBI-Agent Simpson vorbei. Keine für die Handlung zwingende Figur, aber Mathias Harrebye-Brandt spendiert dem Agenten ein derart hinreißend beschwipstes „Whiskey in the Jar“-Tänzchen, dass dessen Fehlen ein echter Verlust gewesen wäre.

Wunderbare Bebilderungen

Was nun macht der Regisseur aus der Konstellation? Vielleicht hat sich Paul Bäcker beim Übersetzen ein bisschen zu sehr in den Text verliebt. Klar sind das geistreiche Dialoge, selbstredend sorgen Einsteins Bonmots für gepflegtes Amüsement.

Es gerät das Ganze nur über weite Strecken allzu diskursiv. Dass sich für all die Widersprüche, den Humanismus, die Selbstzweifel, die in den Worten zutage treten, auch ganz wunderbare Bebilderungen finden lassen, das zeigt sich erst spät an diesem Abend. Aber es hilft ja nix. Oder wie Einstein meint: „In einem Universum, in dem alles relativ ist, gibt es nur eine Eigenschaft, die absolut sein sollte: den Humor.“

Schlosspark Theater, Schloßstraße 48. Karten: 789 56 67 100. Heute, 20 Uhr.

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