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Hollywoods Bade-Nixe Esther Williams ist gestorben

Angezogen kannten wir Esther Williams gar nicht. Aber im Badeanzug war sie Hollywoods nassester Star. Und blieb ein ewiges Idol. Nun ist sie im Alter von 91 Jahren gestorben.

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Sie war die einzige Filmschauspielerin in Hollywood, die ein eigenes Studiogebäude hatte: Bühne 30 auf dem MGM-Gelände, heute noch von Sony genutzt, gefüllt von einem riesigen Wassertank. Durch Fenster, von oben und von innen wurden Pirouetten, Sprünge, Saltos und Spiralen gefilmt, die Esther Williams im nassen Element vollführte. Die einzige Frau Amerikas, die in den Vierziger- und Fünfzigerjahren öffentlich mehr aus- als angezogen war, ist am Donnerstag im Alter von 91 Jahren in Los Angeles auf dem Trockenen gestorben, im Schlaf.

In Zeiten, in denen Hollywood an sich wiederholenden Comic-Blockbustern kreativ erstickt, mutet es seltsam an, dass ausgerechnet in der rigiden Ära des Studiosystems mit ihren Sklavenhalter-Verträgen auch Außenseiter und Quereinsteiger zu Ruhm, Geld und Ehre kommen konnten, ja als verblasste Ikonen selbst noch im digitalen Zeitalter sanft aufschimmern. Nicht nur matinee idols und leading ladies, vamps und bad guys wurden damals groß, als auch die Bilder groß waren.

Statt Olympia-Teilnahme Film-Auftritte

Einer der ersten Mega-Filmstars war der Deutsche Schäferhund Rin Tin Tin, später kam der sprechende Esel Francis. Bis zum Mordskandal 1921 war der dicke, hässliche Roscoe „Fatty“ Arbuckle ein Comedy-Kinokönig, später folgten ihm mehr oder weniger nervige Kinder wie Shirley Temple, Freddie Bartholomew oder der auch als frühes Teenidol lange berühmte Mickey Rooney.

Immer wieder schlachtete Hollywood auch den Ruhm von Sportlern aus: Der olympische Schwimmsieger Johnny Weissmüller wurde als meist schweigender, höchstens schreiender Affenherr Tarzan in den Kunstdschungel im Studio-Freigelände geschickt. Und neben seinen notorisch über die Besetzungscouch wandernden Blondinen ließ 20th-Century-Fox-Chef Darryl F. Zanuck die norwegische Eislaufolympiasiegerin Sonja Henie auf Spezialbahnen von einer eigens konstruierten Kamera verfolgen. Mit ihren elf Filmen wurde die schauspielerisch völlig unbegabte Kufenkaiserin zwischen 1936 und 1948 einer der höchstbezahlten Kinosterne.

Gegengift zur Kufenkönigin

Gegen sie schickte wiederum Papa Mayer bei Metro-Goldwyn-Mayer ab 1942 die damals 21-jährige Esther Williams ins Rennen. Die hatte zwar als Sportschwimmerin regionale und nationale Rekorde gebrochen, der Krieg verhagelte ihr aber 1940 eine Olympiateilnahme in Tokio. So sah sie ihre nahe Zukunft zunächst in sogenannten Aquacades, einer feuchten Unterhaltungsweiterentwicklung im damals noch sehr zirkusverrückten Amerika. Dort entdeckten sie MGM-Scouts, der Rest ist nasse, nicht feuchte Hollywood-Geschichte.

Die Williams, die hübsch war, aber selbst im Badeanzug nicht zu verführerischen, sauberen Sex ausstrahlte und immerhin ein wenig spieltalentiert schien, wurde durch immer stärker auf sie zugeschnittene Filme zum sehr speziellen Star. Sie schwamm, pflügte und rauschte als „Badende Venus“, „Neptuns Tochter“, „Goldene Nixe“, „Wasserprinzessin“ und „Jupiters Liebling“ durch die Studiotankwellen, kraulte synchron, überschlug sich, rutschte lange Loopings, sprang durch Feuerreifen und von sehr hohen Türmen und stand auch auf Wasserskiern. Alles ohne Double. Für Esther Williams wurden Wasserballette kreiert, um sie herum ganze Wassermusicals konzipiert. 15 Jahre ging das gut, sie stand mit Frank Sinatra, Gene Kelly, Van Johnson, Red Skelton, Howard Keel, Tom & Jerry und ihrem späteren dritten Mann Fernando Lamas vor der Kamera.

1956 zog sie die Badekappe aus

Da sie sich in dramatischen Rollen nicht etablieren konnte und das Publikum irgendwann genug von den sanft surrealen Spritzspäßen mit ihr als Blüte und Fischfrau in immer neuen, eigens designten Badeanzügen (Bikinis waren nicht erlaubt, da Hollywood den Bauchnabel negierte) hatte, zog ihr MGM 1956 die Badekappe aus.

Doch Esther Williams, die eine erfolgreiche Unternehmerin für Bademoden und Swimmingpools wurde und 1999 ihre freche Autobiografie „Million Dollar Mermaid“ herausbrachte, blieb ein ewiges US-Idol. Trotz oder gerade wegen ihrer einzigartig glamourschwimmerischen Beschränktheit. Wer, wenn nicht sie, hätte 1984 bei den Olympischen Spielen von Los Angeles die Fernsehübertragung vom Synchronschwimmen kommentieren können.