Kriegsdrama

Polnischer Botschafter kritisiert „Unsere Mütter, unsere Väter“

Der polnische Botschafter hat im ZDF Kritik aus Polen an „Unsere Mütter, unsere Väter“ konkretisiert. Nicht das ZDF sei angesprochen, sondern der Autor des Dreiteilers, der eine Gelegenheit vertan habe.

Foto: gov.pl

Das ZDF hat sein Bedauern darüber zum Ausdruck gebracht, dass die Darstellung der polnischen Figuren in dem Mehrteiler „Unsere Mütter, unsere Väter“ in Polen zumindest teilweise als ungerecht und verletzend empfunden werde – und das Thema mit dem polnischen Botschafter vor laufender Kamera diskutiert.

Der polnische Botschafter in Berlin, Jerzy Marganski, hatte zuvor in einem Schreiben an den Sender Kritik an dem Mehrteiler geübt. Er sei ebenso wie viele seiner Landsleute „bestürzt“ über das darin vermittelte Bild der Polen und des polnischen Widerstands gegen die deutsche Besatzung, soll es der Agentur AFP zufolge darin geheißen haben. Polen und Partisanen der „Heimatarmee“ (AK) würden als Antisemiten dargestellt, die sich kaum von den deutschen Nazis unterschieden. Der Zuschauer erfahre nichts von der Hilfe polnischer Widerstandskämpfer für die Juden.

Der Sender erklärte auf Anfrage: „In keiner Weise sollten historische Tatsachen oder gar die Verantwortung der Deutschen relativiert werden.“ Zudem lud das ZDF den Botschafter in das „Morgenmagazin“ ein, wo er den Dreiteiler mit Moderator Mitri Sirin diskutierte. Marganski relativierte hier die Kritik gegen den Sender: „Ich denke, die Vorwürfe, die man in Polen hört, sind nicht gegen das ZDF gerichtet“, sagte er. „Das sind eher Vorwürfe gegen den Film, gegen den Autoren des Films.“

Der Botschafter räumte ein, dass es auch in der Heimatarmee „Fälle des Antisemitismus“ gegeben habe, diese seien auch in der polnischen Literatur umfangreich beschrieben und „von der polnischen Bevölkerung als Faktum anerkannt.“ Das Problem liege nicht darin, dass der Film faktisch falsch sei, „sondern darin, dass dieser Rand, dieser schmerzhafte Rand in der Geschichte des polnischen Widerstands als die ganze Wahrheit über den Widerstand dargestellt wurde.“

„Das ist das, was die Polen am meisten schmerzt“, sagte Marganski. Man fühle sich „ungerecht behandelt“.

Botschafter sieht vertane Gelegenheit

Marganski hätte sich eine andere Art Film gewünscht, eine deutsch-polnische Ko-Produktion etwa über einen Helden wie den Widerstandskämpfer Witold Pilecki. „Ich glaube, dass man eine Gelegenheit verloren hat, einen Schritt weiter im Dialog zwischen unseren Ländern zu kommen.“

Moderator Sirin fragte nach, ob der Botschafter das Bedauern des ZDF akzeptiere. „Ja, selbstverständlich“, sagte Marganski.

Das ZDF hatte zuvor nicht nur sein Bedauern zum Ausdruck gebracht, sondern auch den Vorwurf eines zu einseitigen Bildes zurückgewiesen. Der Sender verwies auf die Beteiligung namhafter Fachhistoriker. Es sei großer Wert „auf eine differenzierte Darstellung aller Figuren“ gelegt worden. Dies betreffe auch die Menschen, denen der flüchtige deutsche Jude Viktor in Polen begegne, etwa eine Polin, die ihn schützt, oder den Sohn eines polnischen Bauern, der die beiden vor der Entdeckung durch die Deutschen rettet. Auch der Anführer der Partisanen verhelfe Viktor letztlich zur Flucht.

Zudem habe es im Anschluss an den dritten Teil einen Bericht über ein polnisches Dorf gegeben, in dem während des Krieges Juden versteckt wurden, was zu einem Massaker der Deutschen an der Dorfbevölkerung führte, erklärte das ZDF.

Marganski findet auch lobende Worte

Der polnische Botschafter lobte diese Dokumentation, auf die Sirin im Gespräch verwies, im „Morgenmagazin“ und sah letztlich auch Gutes in der Debatte: „Ich glaube, die positive Seite der ganzen Geschichte ist, dass über die Heimatarmee, über einen Teil der polnischen Geschichte während des Zweiten Zweltkrieges heute lauter gesprochen wird, und das ist eine Situation, wo eure Mütter und eure Väter mit unseren Mütter und Vätern wieder zusammenkommen, und ich glaube, wir sollen uns bemühen, daraus das beste zu machen.“

Der Dreiteiler über die Lebensgeschichte von fünf Freunden im Zweiten Weltkrieg war für das ZDF einer der Aufsehen erregendsten Programmerfolge der vergangenen Jahre. In Deutschland wurde der Film überwiegend positiv aufgenommen und löste viele Diskussionen über die Kriegszeit aus.

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