69. Filmfestspiele

Südkoreaner Kim Ki-Duk gewinnt Goldenen Löwen von Venedig

Mit seinem Drama „Pieta“ gewinnt der südkoreanische Regisseur Kim Ki-duk den Hauptpreis des Filmfestivals Venedig.

Er war einfach an der Reihe. Seit 15 Jahren ist der südkoreanische Regisseur Kim Ki-duk auf allen wichtigen Filmfestivals eingeladen. Und immer hat er Preise gewonnen. Nur der Hauptpreis blieb ihm bislang verwehrt. Auf dem 69. Filmfestival von Venedig hat er nun am Samstag den Goldenen Löwen für sein jüngstes Werk „Pieta“ gewonnen. Der Film musste dem amerikanischen Jury-Präsidenten Michael Mann einfach gefallen, ist er doch eine ätzende Kapitalismuskritik im Gewand einer knallenden Rachegeschichte. Die Auszeichnung ist aber noch ein anderes Tribut: Kim Ki-duk hatte sich für Jahre in eine einsame Waldhütte zurückgezogen und über seine depressive Phase einen Dokumentarfilm gedreht. Das, fürchteten viele, sei sein Abschied vom Kino. Mit „Pieta“ aber hat er sich kraftvoll zurückgemeldet. Und dankte bei der Preisverleihung auf ungewöhnliche Weise: Er sang einen koreanischen Schlager, den er auch in seiner Hütte (und in seiner Doku) immer gesungen hat.

Auch sonst hat die Jury genau jene Filme ausgezeichnet, die auf dem Festival am meisten gespalten, provoziert und Diskussionen ausgelöst haben. Der Spezialpreis der Jury ging an den Österreicher Ulrich Seidl für „Paradies: Glaube“. Seidl wurde dafür während des Festivals wegen angeblicher Gotteslästerung angezeigt. Da war der ohnehin verdiente Preis auch ein solidarischer Akt. Und Seidl betonte, den Preis in der Hand: „Ich bin absolut kein Blasphemiker.“ Gleich zwei Preise gingen an das amerikanische Drama „The Master“ um den Scientology-Gründer Ron Hubbard: Joaquin Phoenix und Philip Seymour Hoffman durften sich die Coppa Volpi als beste Schauspieler teilen, und ihr Regisseur Paul Thomas Anderson wurde für die beste Regie ausgezeichnet. Dabei verstößt es am Lido eigentlich gegen die Statuten, einen Film mehrfach zu ehren. Die Coppa Volpi als beste Schauspielerin ging an die Israelin Hadas Yaron für den Film, der für die hitzigste Debatte sorgte: „Fill the Void“ gibt einen Einblick in die Kultur orthodoxer chassidischer Juden, zeigt aber ein höchst rückständiges Frauenbild, was die junge Regisseurin Rama Bursthein in keiner Weise hinterfragt. Auch mit dem Marcello-Mastroianni-Preis für den besten schauspielerischen Nachwuchs, der an den Italiener Fabrizio Falco ging, wurde ein provokanter Film honoriert, Marco Bellocchios „Bella addormentata“, der die Debatte über Sterbehilfe in Italien aufgreift. Abends vor dem Roten Teppich demonstrierten aufgebrachte Katholiken sowohl gegen Seidls als auch gegen Bellocchios Film.

Entgegen manch abwegiger Preisvergabe der letzten Jahre stieß Venezia 2012 auf fast einhellige Zustimmung. Philip Seymour Hoffman durfte gleich zwei Mal Danke sagen: Weil er für sich und seinen Kollegen Phoenix ex aequo und dann auch für seinen Regisseur den Preis entgegennahm. Dabei geschah indes ein peinlicher Schnitzer: Aus Versehen wurden Regie- und Jury-Preis verwechselt. Hoffman und Seidl mussten noch einmal auf die Bühne und sie wieder umtauschen.