Theater

Er erfand die Wilmersdorfer Witwen: „Linie 1“-Komponist gestorben

Birger Heymann hat mit dem berühmten Berliner Musical Geschichte geschrieben. Ein Nachruf

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Birger Heymann, Komponist des Musicals „Linie 1“, ist am Mittwoch im Alter von 69 Jahren in Berlin gestorben. Das teilte der „Linie 1“-Autor und Grips-Theater-Gründer Volker Ludwig der Nachrichtenagentur dpa mit. Songs wie „Du sitzt mir gegenüber“, „Fahr mal wieder U-Bahn“ und die berühmt-berüchtigten „Wilmersdorfer Witwen“ gehören zu den bekanntesten Liedern aus dem Rockmusical um Berliner Punks, Spießer, Ausreißer und Lebenskünstler. In Kalkutta, New York, Jerusalem, Dublin, Sanaa, Maputo und Hongkong wurde das Stück des Berliner Grips Theaters schon nachgespielt und nachgesungen. Bis heute gibt es immer wieder neue Inszenierungen des 1986 uraufgeführten Musicals.

„Ich habe immer nur Musik gemacht, um nicht erwachsen zu werden“

Heymann sei im Krankenhaus gestorben, sagte Ludwig. Zur Todesursache machte er keine Angaben. Heymann war der wichtigste Komponist des Grips Theaters. Von ihm stammt die Musik zu mittlerweile schon fast zu Klassikern gewordenen Theaterstücken wie „Max und Milli“, „Bella, Boss und Bulli“ und „Baden gehn“. Der gebürtige Berliner Heymann war auch als Filmkomponist aktiv. Er schrieb Filmmusiken unter anderem zu Fernsehserien wie „Ein Fall für zwei“, „Um Himmels Willen“, „Polizeiruf 110“ und „Die Männer vom K3“. Heymann komponierte außerdem zahlreiche Kinderlieder, darunter „Wir werden immer größer“, die er auch selbst in TV-Kindersendungen wie der „Sesamstraße“, dem „Feuerrote Spielmobil“ und der „Rappelkiste“ sang.

„Es gibt Dinge, die sind nicht immer zu erklären. Wie können Töne, die aus Tonleitern, Klänge, musikalische Farben erzeugen, Gefühle, Stimmungen bei Menschen hervorrufen, atemlose Spannungen in Filmen, Lieder, die Tränen fließen lassen, hemmungslose Emotionen auslösen, usw... das kann nur die Musik. Ich habe immer nur Musik gemacht, um nicht erwachsen zu werden“, hatte Heymann auf seiner Internetseite geschrieben.

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