Deep Purple

Orgel-Legende Jon Lord an Lungenembolie gestorben

Mit seiner Hammond-Orgel prägte Jon Lord den Sound von Deep Purple. Jetzt ist der Musiker im Alter von 71 Jahren gestorben.

Viele Bands haben herausragende Keyboarder, aber nur Deep Purple hatten einen Mann an den Tasten, der mit experimenteller Lust immer wieder versuchte, die streng getrennten Welten der Klassik und der Rockmusik zusammenzubringen: Jon Lord. So entstanden Rockklassiker von „Speed King“ bis „Smoke On The Water“ und sinfonische Werke wie das 1969 erstmals aufgeführte „Concerto for Group and Orchestra“. Am Montag starb Lord nach einem langen Krebsleiden im Alter von 71 Jahren.

Lord verließ Deep Purple 2002 – in aller Freundschaft, wie es hieß. Zwei Jahre später veröffentlichte er das Album „Beyond The Notes“ und sagte zum Abschied von der Band, die er 1968 mit gegründet hatte: „Ich machte mir Sorgen, weil ich zu sehr mit anderen Dingen beschäftigt war. Und dann gab ich ihnen (Deep Purple) nicht mehr 100 Prozent. Ich wollte nicht als der erinnert werden, der die Band mit gegründet und ihr am Ende nicht mehr 100 Prozent gegeben hat. Im Herzen wusste ich, dass ich gehen und dies hier beginnen musste. Es war an der Zeit, es war der absolut richtige Zeitpunkt.“

Auf jenem Album verarbeitete er seine Geschichte mit Deep Purple in dem Stück „De Profundis“ „Der Song sagt alles, was ich zum Verlassen der Band zu sagen habe. Die Einführung mit diesen kleinen Stückchen aus Deep-Purple-Songs. Ich komme und gehe, dann kommt der Hauptteil, das ist die Freude an der Freiheit. Und dann dieses kleine traurige Ende mit einem großen Knall! – Ich habe die Tür zugemacht und 'Auf Wiedersehen' gesagt.“

Von 1968 bis 1970 war Lords Orgel das dominierende Instrument bei Deep Purple. Der frühe Hit „Hush“ hatte ein Orgel-, aber kein Gitarrensolo. Mit „Deep Purple in Rock“ setzte sich Ritchie Blackmores Gitarre als Lead-Instrument durch. Bei „Speed King“, „Child In Time“, „Highway Star“ und vielen anderen Songs bis zur ersten Auflösung der Band 1976 kultivierten Blackmore und Lord ein Wechselspiel zwischen ihren Instrumenten, das damals einzigartig war.

Von Anfang an versuchte Lord, seine klassischen Ambitionen und seinen Status als Rockmusiker – in einer der wildesten Bands der damaligen Zeit – unter einen Hut zu bringen. Die Band folgte ihm bei Kompositionen wie „April“ und vor allem dem „Concerto“, das 1999 zum 30-jährigen Jubiläum noch einmal auf einer internationalen Tournee mit Orchester aufgeführt wurde.

Bei Deep Purple zuhause

Das „Concerto“ sei sicherlich das erste speziell für Rockband und Orchester geschriebene Stück der Musikgeschichte, stellte Lord in einem Interview fest. „Ich habe mich nie als Rock'n'Roll-Musiker gesehen, sondern als Musiker betrachtet. In der Mitte meiner Karriere war ich ein wenig von meinem Weg abgekommen, als ich mich Whitesnake angeschlossen habe. Das war ein Riesenspaß, aber ich denke, ich habe nichts wirklich Wichtiges David Coverdales Liedern hinzugefügt. Ich war ein angestellter Keyboard-Spieler. Aber ich hatte vier Jahre Spaß. Als dann Deep Purple wieder neu anfingen, war ich wieder zuhause...“

Neben Deep Purple machte Lord überwiegend klassisch inspirierte Projekte: Mit der Band spielte er 1972 die „Gemini Suite“ ein, 1974 und 1976 gingen aus der Zusammenarbeit mit Eberhard Schoener „Windows“ und „Sarabande“ – seine vielleicht ausgereifteste klassische Arbeit – hervor. 1998 erschien „Pictured Within“, eine Art musikalische Selbstfindung, 2004 nach dem Abschied von Deep Purple „Beyond The Notes“.

2008 bei „Boom of the Tingling Strings“ und 2010 bei „To Notice Such Things“ kultivierte Lord seine bevorzugte Instrumentierung: „Schlagzeug und Percussion, Gitarren auf verschiedenen Ebenen, Geigen und Holzblasinstrumente – da gehöre ich hin. Und das mache ich am besten außerhalb einer Band.“

Neben seinen klassischen Projekten widmete sich Lord noch einer weiteren alten Liebe, dem Blues. Im vergangenen Jahrzehnt spielte er mit den Hoochie Coochie Men zwei Blues-Alben ein.

„Ich bin ein Entertainer“

Zu Kritik, seine klassischen Kompositionen seien naiv, sagte er 2004: „Naiv, aber mit meinem Herzen weit geöffnet. Ich habe nie prätentiös sein wollen, ich bin lieber naiv als prätentiös. Ich wollte nie ein Prediger oder Lehrer sein. Ich bin ein Entertainer. Mein Job ist, bei den Leuten Emotionen auszulösen. Sie auf eine Reise mitnehmen und sie dann, vielleicht mit einer Träne auf der Wange, nach Hause zu schicken, ihnen zumindest ein einfaches Vergnügen zu machen. Alles was ich wollte war einfach, die beiden musikalischen Lieben meines Lebens zusammen zu bringen. ... Ich wollte nicht pompös sein. Wir haben diese beiden Welten zusammen gebracht. Ich wollte Musik zu meinen Bedingungen machen. Damals war das frisch und neu – und ein Spaß! Sie löste Lächeln aus. Ich liebe es immer noch, Menschen zum Lächeln zu bringen.“