Wirtschaftsfaktor

Berlins Kunstszene bringt der Hauptstadt Millionen

Mehr Besucher, höhere Umsätze: Museen und Kunstgalerien in Berlin werden nach einer Studie als Wirtschaftsfaktor immer bedeutender.

Foto: ddp images / dapd

Museen und private Galerien sind für Berlin als Image- und Wirtschaftsfaktor von steigender Wichtigkeit. Die Investitionsbank Berlin (IBB) geht in einer Untersuchung davon aus, dass das Ausstellungswesen in Berlin im Jahr 2012 mehr als 300 Millionen Euro umsetzen und künftig weiter an Bedeutung gewinnen wird. Mit einer genaueren Analyse der wirtschaftlichen Effekte der privat betriebenen Fotogalerie C/O in Mitte untermauert IBB-Chefvolkswirt Hartmut Martens die These, wonach sich künstlerisches Engagement auch direkt wirtschaftlich auszahlen kann.

In keinem deutschen Bundesland haben sich Museen und Galerien so dynamisch entwickelt wie in der Hauptstadt. Die Zahl der Ausstellungsbesucher stieg in Berlin zwischen 2002 und 2010 um mehr als sechs Millionen auf knapp 15 Millionen. Das entspricht einem Wachstum von 72,8 Prozent. Dabei profitieren die Berliner Einrichtungen deutlich vom Touristenboom. Drei von vier Besuchern kamen von außerhalb der Stadt.

In ganz Deutschland verzeichneten Museen und Galerien nur ein plus von 7,9 Prozent. Hamburg musste sogar einen Rückgang von 10,5 Prozent hinnehmen.

In keinem anderen Bundesland waren die Museumsmacher so aktiv wie in Berlin. Jedes Museum bot 2010 im Durchschnitt 3,2 Ausstellungen an, 2002 waren es statistisch gesehen erst 2,7. Insgesamt gab es im betreffenden Jahr 436 Ausstellungen in Berlin, das waren 25 Prozent mehr als zu Beginn des Jahrzehnts. In keinem Bundesland entfalten Museen größere Anziehungskraft als in Berlin. Mit 111.000 Besuchern pro Haus schlagen die Berliner Einrichtungen alle anderen Standorte um Längen. Seit 2002 wuchs die Besucherzahl pro Museum um zwei Drittel. Die Studie verweist aber auch auf die Bedeutung der Lage für die Besucherzahlen. So führten die Dahlemer Museen „eher ein Randdasein“.

Die direkten wirtschaftlichen Effekte sind angesichts einer in der Studie als „ausgesprochen mangelhaft“ beschriebenen Datenlage schon schwieriger zu berechnen.

Die 113 umsatzsteuerpflichtigen Berliner Museen erlösten 69,9 Millionen Euro. 407 umsatzsteuerpflichtige Galerien, die mehr als 6000 Künstler vertreten, setzten 2010 193,3 Millionen Euro um, ein Plus von 22,7 Prozent. Damit bringt der Sektor zusammen 1,75 Prozent der Berliner Wirtschaftsleistung.

Noch schwieriger zu ermitteln sind aber die weiteren ökonomischen Auswirkungen. Am Beispiel der erfolgreichen Fotogalerie C/O in Mitte haben die IBB-Volkswirte ihr Simulationsmodell verwendet. 46 Beschäftigte und 180.000 Besucher pro Jahr, die im Durchschnitt rund um ihren Ausstellungsbesuch 35,70 Euro ausgeben, erzeugen demnach ein zusätzliches Bruttoinlandsprodukt von 10,45 Millionen Euro, was 69 zusätzlichen Jobs entspricht. Die öffentlichen Einnahmen steigen um jährlich 1,31 Millionen Euro.

Mirko Nowak, Sprecher von C/O, geht davon aus, dass es in den nächsten Jahren noch mehr bergauf gehen werde: „Berlin hat sein Potenzial noch nicht voll ausgeschöpft, vor allem im Innenstadtbereich“, sagte Nowak. Die Studie der IBB könnte ein Anstoß sein, „sich bewusst zu machen, dass wir hier nicht nur Kultur, sondern eben auch Wirtschaft“ machen. „Mein Wunsch wäre es, dass die Zusammenarbeit zwischen den Behörden und dem Bezirk reibungsloser funktioniert, um Projekte schneller umsetzten zu können.“