Google-Doodle

Maler Gustav Klimt - genial, radikal und abgelehnt

Aus Anlass seines 150. Geburtstags widmet Google dem österreichischen Maler Gustav Klimt ein Doodle ganz im Stile des Künstlers.

Foto: www.picturedesk.com

Gustav Klimt war ein Wegweiser in die Moderne. Er war radikal, ein genialer Erfinder – und er stieß auf Ablehnung. Am 14. Juli 1862, vor genau 150 Jahren, wurde der österreichische Maler geboren.

Der Sohn eines Graveurs wuchs in Baumgarten bei Wien auf. Nach seiner Ausbildung an der Kunstgewerbeschule gründete Klimt zusammen mit seinem Bruder Ernst und einem Mitschüler eine „Malercompagnie“. Die enorme Bautätigkeit der Jahrhundertwende bescherte dem Trio lukrative Aufträge. Für die Ausgestaltung der Ringstraßen in Wien im herkömmlichen, klassischen Sinn erhielt Klimt im Alter von Mitte 20 das goldene Verdienstkreuz von Kaiser Franz Josef. „Der hochtalentierte Maler traf den kaiserlichen Geschmack“, sagt Peter Weinhäupl vom Wiener Leopold Museum im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dapd.

Doch dem talentierten Maler war das Klassische schon bald zu langweilig. Seine Entwürfe für die Wiener Universität provozierten einen heftigen Skandal. „Allegorien stellte er nicht in herkömmlicher Weise dar“, erklärt Klimt-Experte Weinhäupl. Seine schonungslose Darstellung von Nacktheit, Krankheit und Verfall wurde von der prüden Wiener Gesellschaft als „pervers“ und „pornografisch“ abgelehnt. Es folgten endlose Debatten vom Senat der Universität bis ins Parlament. Klimts Arbeiten wurden schließlich aus der Universität entfernt.

„Klimt ließ sich nicht beirren und kaufte die von ihm erstellten Deckenfresken zurück“, sagt Weinhäupl. Diese wurden in der Secession, einer Künstlervereinigung in Wien, aber auch in Berlin und München ausgestellt. International, wie zur Weltausstellung in Paris, erhielten die Arbeiten zahlreiche Preise. Nur in Wien wurde Klimts moderne Stilrichtung nicht verstanden.

Moderne versus Klassik

Der Beginn der Moderne traf damals auf die konservativen Strömungen in Wien. Das Kaiserhaus und viele Kunstvertreter legten großen Wert auf das Klassische. „Klimt konnte aus diesem Korsett ausbrechen“, sagt Weinhäupl. Das aufgeklärte, vor allem jüdische Bürgertum, das sich besonders zu modernen Strömungen bekannte, achtete Klimts Arbeit. Sie wollten keine naturalistisch, fast fotografisch dargestellten Porträts. Sie wollten etwas Neues, etwas noch nicht Dagewesenes. Für Klimt war dieses Bürgertum ein nahrhafter Boden. Er erhielt viele Aufträge und war ein guter Verdiener. Ein von Klimt gemaltes Porträt kostete damals so viel wie eine halbe Villa.

In der Zeit von 1900 bis 1916 verbrachte Klimt die Sommer am österreichischen Attersee, wo er autark und frei von Aufträgen Landschaften komponierte. Der zeitgenössische Kritiker Ludwig Hevesi sagte zu einem Attersee-Gemälde, Klimt habe „einen Rahmen voller Seewasser“ gemalt.

Anlässlich Klimts 150. Geburtstags am Samstag (14. Juli) eröffnet im österreichischen Kammer am Attersee ein Klimt-Zentrum in Kooperation mit dem Wiener Leopold Museum. Mit originalen Zeichnungen, Fotografien und Ölgemälden wird dort Klimts Zeit am Attersee nachempfunden.

Am 6. Februar 1918 starb Klimt im Alter von 55 Jahren an den Folgen eines Schlaganfalls. Trotz Tabubrüchen und formalen Neuerungen war Klimt wohl einer der letzten Maler, der in der zerfallenden Donaumonarchie aus der Tradition heraus arbeitete. Der Aufstieg zur Weltmarke erfolgt erst nach seinem Tod und findet heute Niederschlag in den Regalen der Museums-Shops voller Kalender, Krawatten und Parfumfläschchen mit Klimt-Motiven. In den Augen kritischer Betrachter steht der faszinierende Zeuge seiner Epoche heute auch für blindwütige Begeisterung und Profitgeilheit.