„Undichter“ Papst

Beschwerden gegen „Titanic“-Cover beim Presserat

Vatileaks-Satire - Gegen die aktuelle Ausgabe der "Titanic" regt sich nicht nur im Vatikan Protest, sondern auch in Teilen der Bevölkerung.

Gegen das provokante Papst-Cover des Satiremagazins „Titanic“ regt sich inzwischen auch Protest in der Bevölkerung. Rund 25 Beschwerden seien bis Mittwochmorgen beim Presserat eingegangen, sagte Sprecherin Edda Kremer. Die meisten fühlten sich in ihrer Religiosität gestört oder beanstandeten eine Verletzung der Menschenwürde. Papst Benedikt XVI. war gerichtlich gegen die „Titanic“ vorgegangen. Er fühlt sich in seinen Persönlichkeitsrechten verletzt.

Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) kritisiert unterdessen die Gerichtsentscheidung. Der Verband bezeichnete am Mittwoch die einstweilige Verfügung des Landgerichts Hamburg gegen das Magazin als überzogen und satirefeindlich. Auch der Papst müsse sich Satire gefallen lassen, sagte der DJV-Bundesvorsitzende Michael Konken.

Konken ermunterte die Chefredaktion des Blattes, die einstweilige Verfügung nicht hinzunehmen. „Es wäre nicht die erste Entscheidung des Landgerichts Hamburg gegen ein Medium, die auf dem Weg durch die Instanzen keinen Bestand hätte.“

Auf dem Cover der Juli-Ausgabe sieht man den Papst, auf dessen Soutane ein großer gelber Fleck ist. Auf dem Titel heißt es dazu in Anspielung an den „Vatileaks“-Skandal um den Verrat von Interna aus dem Vatikan: „Halleluja im Vatikan – Die undichte Stelle ist gefunden!“. Zudem wird auf der Rückseite des Heftes der Papst von hinten mit einem großen braunen Fleck und dem Kommentar „Noch eine undichte Stelle gefunden!“ gezeigt.

Der Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz, Matthias Kopp, sagte, dadurch werde Benedikt XVI. in seinen Persönlichkeitsrechten verletzt. Die „Titanic“ überschreite „jedes Maß an Zumutbarem“. Kurienerzbischof Angelo Becciu aus dem Vatikanischen Staatssekretariat hatte im Namen von Benedikt XVI. eine Bonner Kanzlei mit der Durchsetzung einer Unterlassungserklärung beauftragt. Das Magazin kündigte am Dienstag an, diese zunächst nicht zu unterzeichnen.

„Titanic“ will „persönliches Gespräch mit dem Heiligen Vater“

Bei Zuwiderhandlungen gegen die einstweilige Verfügung wird einer Sprecherin des Landgerichts zufolge ein Ordnungsgeld verhängt. Das bedeutet aber nicht, dass die sich bereits im Handel befindlichen Hefte zurückgezogen werden müssen.

„Titanic“-Chefredakteur Fischer zeigte sich von der Entscheidung des Landgerichts enttäuscht. „Das ist ein großer Irrtum. Wir setzen nach wie vor auf das persönliche Gespräch mit dem Heiligen Vater“, sagte Fischer. Der Spielraum für Satire in Deutschland sei sehr groß. Er sei bereit – sofern der Papst an seiner Meinung festhalte – durch alle juristischen Instanzen zu gehen.

In einer Mitteilung hatte das Magazin zuvor erwartungsgemäß ironisch reagiert. „Benedikt muss uns missverstanden haben“, erklärte Fischer. Der Titel zeige einen Papst, „der nach der Aufklärung der Spitzelaffäre ('Vatileaks') feiert und im Überschwang ein Glas Limonade über seine Soutane verschüttet“ habe. „Es ist allgemein bekannt, dass der Papst ein großer Freund des Erfrischungsgetränks 'Fanta' ist.“ Man hoffe nun auf ein persönliches Gespräch mit dem Heiligen Vater, „um das Missverständnis auszuräumen“, hieß es weiter. Nach Angaben des Blattes ist es das erste Mal, dass ein Papst zivilrechtlich gegen die „Titanic“ vorgeht.

Die „Titanic“ hatte bereits vor zwei Jahren Ärger wegen eines Titelbildes, das sich auf die Kirche bezog. Das Satiremagazin hatte einen katholischen Geistlichen gezeigt, der in Schritthöhe vor Jesus am Kreuz kniet, der im Gesicht dunkelrot angelaufen ist. Das Heft griff damit die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche auf. Beim Deutschen Presserat waren damals rund 200 Beschwerden eingegangen, die der Beschwerdeausschuss alle abgelehnt hatte.

Scharfe Kritik aus der CSU

Der Sprecher der Christsozialen Katholiken (CSK) in der CSU, Thomas Goppel, griff den „Titanic“-Chefredakteur Leo Fischer scharf an: „So geht man mit Menschen nicht um, mit dem Papst schon gar nicht“, sagte er der Nachrichtenagentur dapd. Das sei eine „dekadente“ Art und Weise des Umgangs mit Persönlichkeiten, unabhängig davon, um wen es sich handle. Im aktuellen Fall werde allerdings nicht nur die Person des Papstes verunglimpft, sondern auch das Amt und die Kirche.

Goppel beklagte, Fischer wisse nicht, was sich gehöre. Jemandem, der so handle, würde er persönlich „die Lizenz zum Schreiben entziehen“. Der Chefredakteur sei seines Berufes nicht würdig.

Gute Stimmung bei der „Titanic“

Der „Titanic“-Redaktion ist trotz des Verbots ihres Titelbilds durch den Papst das Lachen nicht vergangen. „Wir werden Widerspruch einlegen gegen die einstweilige Verfügung, sofern der Papst nicht auf uns persönlich zugeht“, sagte „Titanic“-Chefredakteur Leo Fischer am Mittwoch dem RBB-Radiosender Radioeins. Der Papst könne gerne in der Redaktion auf einen Kaffee vorbeikommen.

Eine einstweilige Verfügung sei „natürlich nichts Erfreuliches“, sagte Fischer. Trotzdem habe am Dienstag in der „Titanic“-Redaktion gute Stimmung geherrscht: „Denn von einem Papst verklagt zu werden, das gab’s noch nie“, sagte der Chef des Satire-Magazins.