Revue

"Die Könige der Clowns" feiern ihre Kunst im Admiralspalast

Die Großmeister der modernen Clownerie gastieren in Berlin und entführen mit ihrer vom Aussterben bedrohten Kunst in eine ganz eigene Welt.

Foto: DPA

Diesem wundersamen Abend haftet etwas Wehmütiges an. Dabei gibt es so viel zu sehen und vor allem zu Lachen. Fünf Clowns, die weltweit zu den Besten ihres Fachs gehören, haben sich zu einer Tournee aufgemacht, um ihre Kunst zu feiern. Um ihre Glanzlichter der Manegen und Varietés noch einmal gemeinsam leuchten zu lassen. „Lachen machen - Die Könige der Clowns“ heißt die Nummernrevue, die scheinbar ohne Regie auskommt, in der ein jeder dieser großartigen Entertainer mit seinen über Jahrzehnte erprobten Kabinettstückchen brilliert. Am Donnerstagabend machte die Karawane der Komödianten im Admiralspalast Station.

Das musikalische Zirkustraditionen pflegende Trio Grande marschiert als Ouvertüre mit Akkordeon, Bass und Saxofon mitten durch den Saal zu seinem Platz auf der Bühne, auf der es am wunderbaren Avner Eisenberg ist, den Abend zu eröffnen. Er ist ein Großmeister der kleinen Gesten, der mit perfekt getimten Missgeschicken zu überraschen weiß.

Gipfeltreffen von Meistern

Manch einer mag den graubärtigen 63-Jährigen noch aus dem Hollywood-Abenteuerfilm „Auf der Jagd nach dem Juwel vom Nil“ von 1985 kennen, in dem er an der Seite von Michael Douglas und Kathleen Turner einen irren Weisen, die Titelrolle sozusagen, spielte. Auch im Wintergarten-Varieté war er schon zu erleben. Nun kämpft der Vaudeville-Exzentriker mit Besen und Streichhölzern gegen die Schwerkraft, versucht später eine Standleiter zu balancieren und verspeist genüsslich am gedeckten Restauranttisch eine komplette Packung Papiertaschentücher.

Man wird an diesem Abend das Gefühl nie ganz los, dem Gipfeltreffen von Meistern einer vom Aussterben bedrohten Kunst beizuwohnen. Der Clown absorbiert die Missgeschicke und Tiefschläge, die Enttäuschungen und Bedrohungen, den Schmerz und den Zynismus, der den Menschen das Leben immer wieder schwer macht. Er fällt vor uns auf die Nase, aber steht immer wieder auf. Er führt uns vor. Er zeigt uns unsere eigenen Schwächen. Er bringt uns mit Klamauk, Tollpatschigkeit und Bauernschläue zum Lachen.

Es eine Jahrhunderte alte Gabe, die von den Narrenfesten der christlichen Kultur über die Commedia dell’Arte bis zum Weißclown und dummen August im Zirkus weitergereicht wurde. Doch in einer multimedial aufgeladenen moderne Zeit, in der sich ein jeder vor laufenden TV-Kameras oder in YouTube-Clips zum Narren machen kann, wird das so poetische, feinsinnige, auch vorsätzlich grobe Clownshandwerk mehr und mehr ins Abseits gedrängt.

Drohender Kater in den Lachmuskeln

Der Admiralspalast ist gerade mal zur Hälfte gefüllt. Doch verstehen es die Akteure, das zum Lachen entschlossene Publikum schnell in ihre Welt zu ziehen. Wie der russische Staatszirkus-Clown Oleg Popow, der mit 81 Jahren immer noch auf Tournee geht und als einzige klassische Rotnase im Quintett seine poetischen Paradestückchen zelebriert, einen Sonnenstrahl einzufangen weiß, jongliert, zaubert und eine höchst lebendige Ratte zum Fallschirmspringen bringt.

Klassiker sind auch bereits die beiden Amerikaner Peter Shub und David Shiner. Shub in Trenchcoat und Knautschhut ist der schüchterne Neurotiker, der in seiner Paradenummer einen imaginären Hund an der realen Leine Gassi führt. Der bei Roncalli, Cirque du Soleil und am Broadway gefeierte Shiner ist der leicht cholerische Pantomime, der es immer wieder aufs Publikum abgesehen hat. Natürlich sind auch seine ewigen Highlights von der Autofahrt mit einem Date und dem Stummfilmregisseur, der seine Darsteller aus dem Saal ins Rampenlicht zitiert, im Repertoire. Komplettiert wird die Königsklasse vom Deutsch-Kanadier René Bazinet, einer Fleisch gewordenen, fahlgesichtigen Comicfigur, die geräuschvoll Geschichten zu erzählen weiß und ganze Western und Jagdszenen durch seine Stimme vertont.

Das Publikum setzt sich dankbar diesen Königen der Spaßmacher aus und nimmt den drohenden Kater in den Lachmuskeln gern in Kauf. Für Zirkus- und Varietégänger gleicht dieser Abend einem Treffen mit alten Bekannten. Sie pflegen eine bewundernswerte Kunst, die es in dieser Form vielleicht schon bald nicht mehr geben wird. Sie sind ein Schatz, den es zu bewahren gilt. Und sie sorgen für unbeschwertes, befreiendes, ehrliches Lachen. Die Ovationen am Ende wollen kein Ende nehmen.