"Jahrhundertsänger"

Bariton Dietrich Fischer-Dieskau ist tot

Dietrich Fischer-Dieskau galt als einer der besten Lied- und Opernsänger. Jetzt starb der gebürtige Berliner kurz vor seinem 87. Geburtstag.

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Der Sänger Dietrich Fischer-Dieskau ist tot. Er starb am Freitag im bayerischen Berg bei Starnberg kurz vor seinem 87. Geburtstag, wie seine Frau Julia Varady mitteilte. Der "Jahrhundertsänger" Fischer-Dieskau galt als der wahrscheinlich bedeutendste Vertreter des romantischen Liedgesangs, der aber auch als Opernsänger, Musikpädagoge und Schriftsteller Karriere machte.

Untrennbar verbunden mit seinem Namen bleiben vor allem seine Interpretationen von Franz Schuberts "Winterreise". Den Liederzyklus sang er erstmals 1948 für den RIAS. Anschließend wurde er an der Städtischen Oper Berlin engagiert. Seine erste Schallplatte nahm er 1949 auf. Den "Vier ernsten Gesängen" von Brahms sollten über 400 weitere Schallplattenaufnahmen folgen. Damit gehört er zu den meist aufgenommenen Sängern überhaupt.

Nach Berlin trat er auf den Opernbühnen in Wien, München und bei den Salzburger Festspielen auf. 1952 tourte er erstmals durch die USA. Zu den Höhepunkten seiner Laufbahn zählten die Teilnahme an der Uraufführung von Benjamin Brittens "War Requiem" bei der Einweihung der neuen Kathedrale im britischen Coventry im Jahr 1962. Insgesamt umfasste sein Repertoire etwa dreitausend Lieder von hundert verschiedenen Komponisten.

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit hat die Nachricht vom Tod des Sängers Dietrich Fischer-Dieskaus mit Trauer zu Kenntnis genommen: „Mit großer Betroffenheit nimmt Berlin Abschied von einem der größten Sänger unserer Zeit. Dietrich Fischer-Dieskau hat mit unbeugsamen Fleiß und einzigartiger Begabung in vielen Jahrzehnten Berlins Ansehen als Kulturmetropole bereichert. Seit seinen ersten Auftritten in den 40er-Jahren war er ein hochgeachteter Botschafter zuerst der geteilten und dann der vereinten Stadt.“

Im Jahr 2000 wurde Fischer-Dieskau zum Ehrenbürger von Berlin ernannt, nachdem er 1993 bereits mit der Ernst-Reuter-Plakette ausgezeichnet worden war.

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) würdigte Fischer-Dieskau als "Künstler von Weltruhm, der in Bayern seine Heimat gefunden hat". Er sei der „ideale Interpret des deutschen Liedes“ und eine „Jahrhunderterscheinung“ gewesen.

Seine aktive Karriere als Sänger beendete er am 31. Dezember 1992 in München mit einer Silvester-Gala. Zu seinen vielen Auszeichnungen gehören das Bundesverdienstkreuz erster Klasse und sechs Grammys. Bis zuletzt hatte er Meisterklassen gegeben. Zu seinen Schülern gehörten Thomas Quasthoff und Christian Gerhaher.