Israel-Gedicht

Grass bleibt Ehrenpräsident des PEN-Zentrums Deutschland

Trotz Vorbehalte wollen die Mitglieder nicht über das Grass-Gedicht diskutieren. Grund: Der Vereinigung gehe es um die Freiheit des Wortes.

Günter Grass ist trotz seines israelkritischen Gedichts „Was gesagt werden muss“ weiter Mitglied des deutschen PEN-Zentrums. Die Teilnehmer lehnten den Antrag auf Aberkennung der Ehrenpräsidentschaft wegen Grass' Israel-Gedicht ab.

In dem PEN-Zentrum finden sich die hier ansässigen Autoren der internationale Schriftstellervereinigung zusammen. Allerdings fand auch der Antrag, dass das PEN-Zentrum eine Erklärung gegen eine angebliche Rufmord-Kampagne gegen den Literaturnobelpreisträger abgeben solle, keine Mehrheit.

Nach kontroverser Diskussion rangen sich die Mitglieder zu der Entscheidung durch, trotz vieler Vorbehalte nicht inhaltlich über das Grass-Gedicht zu diskutieren. Begründung: Die Schriftstellervereinigung habe sich der Freiheit des Wortes verschrieben. Das gelte auch für das Grass-Gedicht, das nach Ansicht vieler Kritiker antisemitisch ist. Der erkrankte Grass nahm an der Tagung nicht teil.

Generalsekretär Herbert Wiesner hatte zuvor einen Appell an die über 100 Autoren gerichtet: „Wir selbst sind gut beraten, Günter Grass, seinen Kritikern wie Verteidigern das Recht auf Meinungsfreiheit zuzugestehen. Aber der Satz unserer Charta, der da sagt, dass ‚die Freiheit auch freiwillig geübte Zurückhaltung einschließt', sollte ebenfalls nicht vergessen werden.“

Teilnehmer der Veranstaltung äußerten laut dpa Unbehagen über den Inhalt des Gedichtes. „Der Text ist unheimlich.“ Aber eine inhaltliche Bewertung sei „eine Maßnahme der Zensur, die uns nicht zusteht“. Deshalb könne es keine Aberkennung der Ehrenpräsidentschaft geben.