Berliner Ausstellung

Rund 350.000 Besucher werden die Richter-Schau gesehen haben

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Gabriela Walde

Foto: CMYK

Am Sonntag endet die "Panorama"-Ausstellung in der Neuen Nationalgalerie. Was macht Gerhard Richter so faszinierend?

Anders als Künstlerkollegen wie Julian Schnabel oder Jörg Immendorff ist Gerhard Richter mit seinem Leben und Werk nie „hausieren“ gegangen in der Öffentlichkeit. Deutschlands teuerster und gefragtester Maler, im Kunstkompass nach wie vor auf Platz Nr. 1, mag einfach keine Interviews. Seine Bilder kommen längst im satten zweistelligen Millionenbereich unter den Hammer, und die Trias der großen europäischen Ausstellungshäuser Tate (London), Centre Pompidou (Paris) und die Berliner Nationalgalerie ehrt ihn mit geballter Power in der hervorragenden „Panorama“-Ausstellung. Am kommenden Sonntag geht sie nun zu Ende.

Auf der Pressekonferenz in der Nationalgalerie verschlug es dem stillen Maler vor lauter blitzlichterndem Andrang sekundenweise gar die Sprache. Richter ist 80 Jahre alt, und es könnte gut sein, dass ihm dieser Erfolg in gewisser Weise unheimlich ist. „Ihr habt zu viel Werbung gemacht für die Ausstellung“, soll er zu Museumschef Udo Kittelmann gesagt haben. Die Schlangen vor der Tür, alt und jung, Studenten, Rentner, alles gemischt, haben nicht nur ihn erstaunt.

Richter – Ein Phänomen

Über 300.000 Besucher haben seit Februar das „Panorama“ mit den 140 Exponaten besucht, tageweise gab es über 4500 Richter-Gucker im Haus, der Katalog erscheint bereits in zweiter Auflage. Zum Ende der Ausstellung am 13. Mai rechnet das Team im Mies-Bau dann mit rund 350.000 Gästen.

Damit avanciert die Bilderschau zu einer der weltweit erfolgreichsten Ausstellungen eines zeitgenössischen Künstlers. Gewiss, die MoMA-Ausstellung aus New York produzierte ebenfalls dicke Schlangen und volksfestartige Stimmung, aber dort wurde eben die weltbekannte amerikanische „Marke“ verkauft, es drehte sich alles um die Kollektion eines der besten Ausstellungshäuser. Bei Richter dagegen handelt es sich um Gegenwartskunst eines lebenden deutschen Künstlers, der die DDR verließ, in Köln lebt und in Dresden sein „Archiv“ weiter ausbaut. Ein Phänomen – doch woran liegt es, was zieht die Leute in Scharen an? Sind es die verwischten Bilder, die im Vagen bleiben, so dass jeder sein eigenes Geheimnis zu ergründen sucht? Sind es Werke wie die einsame „Kerze“ im Bildgrund, die die Besucher so fasziniert? Oder der Baader-MeinhofZyklus, der ein Stück deutsche Geschichte Revue passieren lässt? Fest steht, Richter hat die Malerei so radikal befragt wie kein anderer. Einer, der es genau wissen muss, ist sein ehemaliger Sekretär und Biograf Dietmar Elger: „In einer bildermächtigen Medienwelt ist es ihm gelungen, relevante Bilderwelten zu schaffen. Er hat die Malerei gerettet.“

Ein gutes Denk-Duo

Den Schauspieler Bruno Ganz jedenfalls sah man ganz andächtig durch die Bilderreihen streifen, auf die Werke angesprochen, bemerkte er leise zu einem Kollegen: „Ich möchte es gerne begreifen… Ich will jetzt nicht darüber sprechen.“ Richter und Ganz wären sicher ein gutes Denk-Duo. Udo Kittelmann ist aufgefallen, wie konzentriert die Leute vor den Werken stehen, das ist nicht immer so. „Mir scheint, sie haben hier ein großes Mitteilungsbedürfnis, sie staunen – und sprechen darüber.“

Den Richter-Sog sieht Kittelmann ganz alleine in der Wirkung der Kunst begründet. „Wären die Bilder nicht derart, wie sie sind, nicht genauso bildhaft kreiert, man würde ihrer Atmosphäre, die ja auch die Stimmung macht, nicht so vielfach verfallen können.“ Zeit dazu bleibt noch bis Sonntag.

Kostenlose Karten plus Führung: Die Berliner Morgenpost vergibt zusammen mit Veolia Wasser, dem Hauptsponsor der Ausstellung, am 8., 9. und 10. Mai jeweils 10 mal 2 Freikarten plus Frühführung um 9 Uhr. Rufen Sie Montag, um 14 Uhr an unter der Rufnummer 251 72 64.

Verlängerte Öffnungszeiten: 12./13. Mai, 9 bis 22 Uhr. Am 13. Mai schließt die Ausstellung.