Kunst im Internet

Google Art Project zeigt Bilder aus weiteren Berliner Museen

Beim Google Art Project kann man durch Berliner Museen schlendern und einzelne Werke in persönliche Galerien übernehmen.

Kunstinteressierte können sich nun weitere kulturelle Meisterwerke aus Museen in Deutschland via Internet betrachten. Das von Google initiierte "Art Project" wurde am Dienstag um das Berliner Pergamonmuseum, das Alte Museum und das Kupferstichkabinett sowie die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und das Museum Kunstpalast in Düsseldorf erweitert. Die Kunst müsse einem möglichst breiten Publikum zugänglich gemacht werden, sagte der Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin, Michael Eissenhauer, in Berlin.

Bereits im Februar 2011 startete das "Art Project" mit weltweit 17 Museen. Als erste Deutsche Partner nahmen damals bereits die Berliner Gemäldegalerie und die Alte Nationalgalerie daran teil. Weltweit zeigen mittlerweile 151 Partner in 41 Ländern, darunter das Metropolitan Museum of Modern Art in New York sowie die Tate Britain in London, ihre Kunstwerke im Internet.

Virtuelle Rundgänge in den Berliner Museen

Auch in den Berliner Museen können sich die Kunstinteressierten mithilfe der Google-Street-View-Technologie virtuell durch die Räume bewegen. Ziel sei es, auch diejenigen zu erreichen, die nicht nach Berlin kämen und sich trotzdem die Kunstwerke ansehen wollten, sagte Eissenhauer. Einen besonderen Vorteil sieht der Generaldirektor in der virtuellen Darstellung des Kupferstichkabinetts. Aufgrund der Lichtempfindlichkeit sei diese Ausstellung bislang nur einzelnen Personen möglich gewesen. Dies habe sich nun geändert.

In den Dresdner und Düsseldorfer Sammlungen soll der virtuelle Rundgang erst später eingeführt werden. Zunächst werden hier nur Bilder gezeigt. Die Dresdner Schau ist mit zwölf Sammlungen im Internet vertreten und zeigt etwa 300 Werke, darunter Raffaels Sixtinische Madonna aus der Gemäldegalerie Alte Meister. In Düsseldorf werden ebenfalls rund 303 hoch aufgelöste Bilder präsentiert.

30.000 Objekte in hoher Auflösung

Die mit aktuellen dynamischen Web-Techniken gestaltete Plattform bietet eine Auswahl von Kunstwerken aus 151 international renommierten Museen und Galerien – vom Acropolis Museum bis zum Zimmerli Art Museum der Rutgers University. Das Louvre ist nicht mit dabei, seit dieser Woche aber auch das Musée d'Orsay in Paris. Im New Yorker Museum of Modern Arts kann man sich etwa in den „Traum“ von Henri Rousseau hineinzoomen und hineinträumen. Bislang sind mehr als 30.000 Objekte in hoher Auflösung verfügbar, annähernd 50 auch in Gigapixel-Auflösung mit rund sieben Milliarden Pixel pro Bild.

Etliche der teilnehmenden Häuser kann man im Internet so besuchen, wie man in dem Panorama-Dienst Google Street View durch die Straßen von Städten läuft. Findet man dabei ein besonders schönes Werk, kann man es in eine persönliche Galerie aufnehmen und diese auf Wunsch auch öffentlich zugänglich machen. So lassen sich dann auch die persönlichen Sammlungen anderer Nutzer erkunden.

Bei der nichtkommerziellen Nutzung der digitalen Bilderfluten gelte das Prinzip des "Open Access", sagt Museumsleiter Eissenhauer. Sobald eine kommerzielle Verwendung ins Spiel komme, etwa im Zusammenhang mit Werbung, "dann verlangen wir Gebühren". Auch der Verwaltungsdirektor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Dirk Burghardt, betonte: „Wir achten darauf, dass wir wo immer möglich auch Rechteinhaber bleiben.“

Und wie ist das mit dem kommerziellen Interesse von Google? Bei der Präsentation im Alten Museum in Berlin betont der Leiter des Google-Entwicklungszentrums in München, Wieland Holfelder: "Mit dem Art Project verdienen wir kein Geld.“ Es handle sich um ein werbefreies Non-Profit-Projekt. Man muss sich erst dann für die Nutzung anmelden, wenn man etwa eine persönliche Galerie einrichten will. Dann ist die Plattform über die Google-Nutzungskonten auch mit anderen Diensten des Internet-Konzerns verbunden, der für seine Einnahmen in der Online-Werbung auf hohe Nutzerzahlen angewiesen ist.

Es geht nichts über den tatsächlichen Blick auf das Original

Zur Erfassung der beim virtuellen Museumsbesuch anfallenden Daten sagte Holfelder: „Die Tatsache, dass ein bestimmtes Bild angeschaut wird, wird protokolliert, aber nicht auf Dauer gespeichert.“ Bei dem Projekt gehe es darum, "das kulturelle Erbe zu erschließen und der Menschheit zugänglich zu machen, von überallher und zu jeder Zeit.“

Die Museen sehen in der Zusammenarbeit – so sagt der Berliner Museumsleiter Eissenhauer – eine „Win-Win“-Situation: „Von uns kommt der Content im Sinne unseres Vermittlungsauftrages, von Google die Technologie." Der virtuelle Besuch soll zur Beschäftigung mit der Kunst anregen und der Vorbereitung von Kunstausflügen dienen. Burghardt ist es denn auch wichtig, dass die Menschen weiter nach Dresden kommen, um die Sixtinische Madonna von Raffael zu bestaunen, die in diesem Jahr 500 Jahre alt wird: "Es geht nichts über den tatsächlichen Besuch und das Blick auf das Original."

(http://www.googleartproject.com)