"Maischberger"

Menschen bei Maschmeyer mit wütender Wedekind

Die Ex-"Bunte"-Chefin Beate Wedekind war kurz davor, empört die Sendung zu verlassen. Der Grund: Talk-Moderatorin Sandra Maischberger kümmerte sich zu sehr um einen Gast – Carsten Maschmeyer.

Auf ihr eigentliches Thema "Die Welt der Reichen und Schönen: Kein Platz für Verlierer?" ging Sandra Maischberger erst richtig in der letzten Viertelstunde ein. Und das sogar noch widerwillig, wie es schien.

Doch die frühere Chefredakteurin der Illustrierten "Bunte" Beate Wedekind protestierte vehement und riss das Gesprächszepter an sich.

Sie schien kurz davor, die Talkshow, die eigentlich "Menschen bei Maischberger" heißt, empört zu verlassen. So blieb der Moderatorin keine andere Wahl, als ihrem Sendungsmotto doch noch gerecht zu werden. Und das ging so:

Wedekind erbost: "Mir geht die Sendung unheimlich auf den Keks, weil wir nicht sprechen über Neid, über die Gesellschaft, die wir haben, gibt es Verlierer, lassen wir Verlierer zu, lassen wir Gewinner zu. Jetzt haben wir noch 14 Minuten!"

Flüchtig prüfte Maischberger die Zeit: "Das reicht." Wedekind weiter aufgebracht: "Wir sprechen nur über AWD, Versicherungsmechanismen ..."

Maischberger dazwischen: "Weil wir heute Abend Maschmeyer hier zu Gast haben, an dem sich diese Diskussion auch entzündet hat." Wedekind beißend: "Ja, wozu bin ich denn dann da?" – Maischberger ungerührt: "Um über die Verlierer unter anderem zu reden."

"Der emotionale Quotient"

In zwei finalen Sätzen versuchten alle Gäste vereint, die vor dem finanziellen Ertrinken stehenden Schlecker-Angestellten und damit stellvertretend alle Verlierer der Gesellschaft ins Rettungsboot der Sendung zu holen. Und schon war die Talkzeit abgelaufen.

Gerettet wurde am Ende nur einer: der umstrittene Unternehmer Carsten Maschmeyer. "Wir erleben heute Abend die Entdämonisierung des Dr. Carsten Maschmeyer", wie Ex-PR-Berater Moritz Hunzinger es ausdrückte.

Das ging wiederum so: Zunächst war der Mann, an dem sich die Geister scheiden, einziger Gast bei Maischbergers Runde. Im Gepäck hatte er sein neues Buch "Selfmade: erfolg reich leben".

Nach mehreren Einspielern zu dem einerseits "brillanten Netzwerker" und andererseits "kalt kalkulierenden Wirtschaftsboss" ging die Moderatorin sämtliche Kapitel seiner Publikation durch mit Zitaten ("Der emotionale Quotient ist wichtiger als der faktische Quotient", "Man soll gerne mal Fehler zugeben") und Ausführungen.

Maschmeyer: "Wer mir nützt, den möchte ich kennenlernen"

Dann plauderten sie über seine Beziehung zur Schauspielerin Veronica Ferres, sein Vermögen, seine strittigen Kontakte zur Politik. "Kontakt" in allen Variationen war ohnedies die Lieblingsformulierung des Selfmade Man.

"Kontaktschulden" und "Kontaktguthaben"

Beispiele: "Kontaktschulden" und "Kontaktguthaben". Maschmeyer weiter: "Wer mir nützt, den möchte ich kennenlernen." Gaucks Handynummer hätte der Wulff-Freund allerdings noch nicht. Das läge wohl daran, dass der neue Bundespräsident nicht in Hannover lebe.

Im Plauderton ging es über zu Maschmeyers Weg aus einfachsten Verhältnissen hin zum aufstrebenden Finanzunternehmer der Firma AWD. "Die Riester-Rente war eine sprudelnde Ölquelle für mein Unternehmen", so der polarisierende Gast, der "natürlich" von der Gesetzesänderung profitiert habe, dass der Staat die Renten privatisiert habe.

Maischbergers Pointe endete darin: "Dieser Kerl hat sein Geld gemacht mit dem Geld kleiner Leute."

Endlich kamen die vier weiteren geladenen Gäste. Das Thema blieb jedoch: Carsten Maschmeyer. Dieser entschuldigte sich sogar überraschend "für jeden einzelnen Fall", bei dem Kunden durch riskante Fonds von der AWD Geld verloren haben. Ob es bei den Tausenden von Klägern mit ein paar Worten aus dem Mund des Millionärs getan ist, wird man sehen.

"Sprechen wir über Nachhaltigkeit"

Während des Gesprächs hatte Hunzinger, der als PR-Manager in Deutschland Unternehmer und Politiker zusammengebracht hat, mit Zuhören geglänzt und nur ganz unaufdringliche Sätze eingeworfen. Zum Beispiel: "Wenn mir eine Initiative gefällt, arbeite ich auch ohne Honorar." Oder: "Sprechen wir über Nachhaltigkeit."

Auf Letztere legte wiederum der Textilunternehmer Wolfgang Grupp seinen Schwerpunkt. Der Schwabe bekräftigte, dass statt von PR-Menschen hergestellte Kontakte seine Produkte für ihn sprechen müssten. Die seien nachhaltiger. Ihm ginge es ums Produzieren. Stellt sich die Frage: Warum tritt er dann in gefühlt jedem Monat persönlich in einer anderen Talkshow auf?

Das "soziale Gewissen" der SPD, Rudolf Dreßler, kam hingegen mit seiner Kritik zwischen der zu großen Nähe zwischen Unternehmern und Politikern gar nicht recht zum Zuschauer durch. Was hängen blieb war lediglich, dass er den Vorabdruck von Maschmeyers Buch in der "Bild" gelesen hätte. Doch das würde ihm dann schon zum Thema genügen.

So beschloss Sandra Maischberger kurzerhand, ihre Sendung mit der Frage: Welche Vorbilder braucht die Gesellschaft; ist Maschmeyer ein gutes oder ein schlechtes Vorbild?

Kein Platz für Verlierer bei "Menschen bei Maischberger".