Uraufführungen

Rheinoper holt Ausnahme-Komponist nach Düsseldorf

Helmut Öhring ist in einer Welt ohne Musik aufgewachsen. Inzwischen ist die Musik seine Welt. Der Ausnahme-Komponist hat einens von vier Auftragswerken für die Deutsche Oper am Rhein verfasst.

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Aufgewachsen ist er bei gehörlosen Eltern, in einer Lebenswelt ganz ohne Musik. Er machte eine Lehre als Baufacharbeiter, arbeitete als Friedhofsgärtner, lernte erst im Alter von 25 Jahren Noten. Seine Biographie macht den 50-jährigen Helmut Oehring zu einem der außergewöhnlichsten deutschen Komponisten.

Nun hat er für die Deutsche Oper am Rhein ein Auftragswerk verfasst – "SehnSuchtMeer" nach dem Fliegenden Holländer von Heinrich Heine und Richard Wagner, das im März 2013 uraufgeführt werden soll. Die Oper ist Teil einer Reihe von insgesamt vier Uraufführungen von Auftragswerken an der Rheinoper.

"Es ist eine unserer großen Aufgaben, dass wir neue Stücke kreieren lassen", sagt Opern-Intendant Christoph Meyer über die Reihe, die die zeitgenössische Oper zu einem Schwerpunkt der Spielplangestaltung macht. Den Anfang macht dabei der erst 31 Jahre alte Komponist Anno Schreie, der bei Manfred Trojahn in Düsseldorf studierte und dessen Oper "Stadt der Blinden" kürzlich am Opernhaus Zürich uraufgeführt wurde.

Geschichte eines Menschen, der seinen Freund lebendig einmauert

In der 90-minütigen Kammeroper "Mörder Kaspar Brand" nach Motiven von Edgar Allen Poe blicken er und der Librettist und Regisseur Philipp J. Neumann auf die Geschichte eines Menschen, der seinen Freund lebendig einmauert. Das Werk hat am Donnerstag, 14. Juni, Premiere im Central in der Alten Paketpost.

Für das Richard-Wagner-Jahr 2013 ist dann Oehrings Werk "SehnSuchtMeer" geplant, das am 8. März erstmals zu sehen wird. Der Komponist hat in seinem Werk Motive aus Wagners "Fliegendem Holländer" ebenso verarbeitet wie aus dem Andersen-Märchen "Die kleine Meerjungfrau".

"Es war wie ein Tanz mit Wagner"

Musik müsse mehr sein als Klang, sagt Oehring, sie müsse auch mit der Vermittlung einer Geschichte verbunden sein. An Wagner habe er sich ganz langsam heranarbeiten müssen, räumt er ein: "Er hat einen starken Raum geschaffen, in den man nur schwer eindringen kann." Letztlich habe er sich aber einiges getraut und sei zufrieden: "Es war wie ein Tanz mit Wagner."

Das dritte Auftragswerk kommt von dem Duisburger Komponisten Hauke Berheide und soll in der Spielzeit 2013/14 zu sehen sein. Berheide ist ebenfalls ein Student von Manfred Trojahn, seine Konzerte wurden schon von den Düsseldorfer Symphonikern und den Duisburger Harmonikern gespielt.

Das vierte Auftragswerk soll dann eine neue Kinder-Oper werden: "Die Auswahl ist in diesem Bereich einfach sehr begrenzt", sagt Opern-Chef Meyer. Geplant ist hier eine Zusammenarbeit mit dem Theater Dortmund und der Oper Bonn. Wer das Werk komponieren wird, soll noch bekannt gegeben werden.