100. Geburtstag

Swing-Kid Axel Springer, eine verhinderte Karriere

Der junge Axel Springer war keinesfalls so ehrgeizig, wie es sich der Vater gewünscht hätte. Als Swing-Kid zog er mit Freunden um die Häuser. Sein großes Vorbild: Operettenstar Richard Tauber.

Foto: pa/dpa (2) / pa/dpa (2)/Ullstein, dpd Schaffrath

In den 30er-Jahren, als Axel Springer noch keine verlegerischen Ambitionen hatte, sondern eher dem Amüsement zugeneigt war, lernte er Teddy Stauffer kennen. Stauffer und seine Original Teddies galten Mitte der 30er-Jahre als die deutsche Swingband.

Swing war die erste aus Amerika importierte Jugendbewegung. Es ging um mehr als nur Musik, es ging um Attitüde, auch um Mode. Zwar war die Swing-Jugend nicht eigentlich politisch, doch unter den Nazis, die alles Fremde verabscheuten, waren sie nicht wohlgelitten . Axel Springer fühlte sich bei den „Swing-Heinis“, wie sie von den Nazis verächtlich genannt wurden, vielleicht gerade deshalb heimisch.

Er konnte sich sogar vorstellen, Musik zu seinem Beruf zu machen, wenn auch nicht als Jazzer. Sein Vorbild war Richard Tauber. Tauber war Tenor an der Berliner Staatsoper, später an der Wiener Volksoper und erlangte mit musikalischen Filmauftritten („Ich küsse Ihre Hand, Madame“, „Dein ist mein ganzes Herz“) Weltruhm. Von den Nationalsozialisten verfolgt, emigrierte er 1939 nach London.

Bis ins hohe Alter blieb Axel Springer ein musikalischer Mensch, der „gerne und sehr gut tanzte“, wie seine Witwe Friede Springer sagt. Am liebsten zu moderner Tanzmusik, beispielsweise dem Bigband-Sound von Glenn Miller. Aber er liebte auch Walzer und – als ehemaliges „Swing-Kid“ – natürlich den Foxtrott.

In seinem Nachlass fanden sich viele Bücher über Jazzmusik. Axel Springer setzte sich also auch auf theoretischer Ebene mit Musik auseinander. In seiner Wohnung am Berliner Kurfürstendamm stand eine Musikanlage von Braun, die SK 4 aus dem Jahr 1956, eine Kombination aus Radio und Plattenspieler. Auf dem sogenannten Schneewittchensarg, ein Design-Klassiker, der heute zu hohen Preisen gehandelt wird, hörte Axel Springer seine so geliebten Swingplatten, aber auch viel Klassik.

Axel Springer liebte Jazzmusik. Er hörte gern Duke Ellington, aber auch das „Rat Pack“, zu dem neben Frank Sinatra und Dean Martin auch Sammy Davis Jr. gehörte. Ihn lud Springer 1967 nach Berlin ein, um für eine Benefiz- Veranstaltung zugunsten Israels zu singen.

Zu Mstislaw „Slawa“ Rostropowitsch, dem Jahrhundert-Cellisten, der 2007 verstarb, hatte Axel Springer eine besondere Beziehung. Der Verleger verehrte den Musiker nicht nur wegen seiner außergewöhnlichen musikalischen Leistungen, sondern mindestens ebenso sehr wegen seines Widerstands gegen das kommunistische Russland. Rostropowitsch verließ seine Heimat 1978, nachdem er dort unter Druck geraten war. Er hatte dem Dissidenten und Schriftsteller Alexander Solschenizyn („Der Archipel Gulag“) vier Jahre lang Unterschlupf gewährt.

Die Konzerte des Cellisten rührten Springer zutiefst. Nach einem privaten Hauskonzert in der Villa des Verlegers auf der Berliner Insel Schwanenwerder schrieb er an Rostropowitsch: „Man blieb lange zusammen und war erschüttert und zu Tränen gerührt.“

Weitere Informationen unter: http://meilensteine.axelspringer.de/