Heimat-Komödie

"Was weg is, is weg" – Debüt von Christian Lerch

Christian Lerch nimmt sich in seinem Regie-Debüt der Familie als Ort des Zerfalls und der Versöhnung zugleich an. Eine rabenschwarze Komödie. Unser Autor empfiehlt: Unbedingt reingehen!

Familie ist einfach was Wunderbares – und Grausames zugleich. Nirgendwo wirst du mehr geliebt und gleichzeitig so getriezt.

Gleich bei seinem Kinodebüt als Regisseur hat sich der Wasserburger Schauspieler ("München 7“) und Drehbuchautor ("Wer früher stirbt, ist länger tot“) Christian Lerch diesen ganz speziellen Kosmos vorgenommen – und ihn einfach wunderbar mit großer Rafinesse und Gespür für Tempo und Zurückhaltung auf die Leinwand gebannt.

Den Unterarm abgetrennt, um die Versicherung zu prellen

In "Was weg is, is weg“, einer sehr freien Bearbeitung des Jugendbuchs "Bellboy“ von Jess Jochimsen, dreht sich alles um die drei ungleichen Brüder Paul, Lukas und Hansi, die 20 Jahre nach einem folgenschweren Unfall ihres Onkels Sepp mitten in den 80ern trotz recht unterschiedlicher Lebensentwürfe plötzlich wieder zueinander finden.

Die rabenschwarze Komödie – Auslöser einer wilden Verfolgungsjagd über die Dörfer ist ein verlorener Unterarm, der in versicherungsbetrügerischer Absicht abgetrennt wurde – macht großen Spaß.

Mathias Kellner als leicht zurückgebliebenes Riesenbaby

Der 46-jährige Regie-Debütant versteht, sein Ensemble mit leichter Hand zu führen. "Es klingt unwahrscheinlich, aber die 28 Drehtage waren wirklich sehr harmonisch“, sagt Lerch. Diese Harmonie merkt man dem Film, in dem fast die gesamte bayerische Schauspielprominenz versammelt ist, auch an.

Neben Florian und Maximilian Brückner brilliert der bislang "nur“ als Sänger bekannte Mathias Kellner als dritter Bruder im Bunde. "Mathias spielt in einer starken Schlichtheit“, lobt sein Regisseur. Die Besetzung des Musikers als leicht zurückgebliebenes Riesenbaby war Zufall und ein großes Glück. Der leinwandfüllende, recht korpulente Musiker sorgt – so paradox es klingt – für die leichten Momente bei einem doch recht emotionalen Thema: Zerfall und Versöhnung einer Familie. Unbedingt reingehen!

„Was weg is, is weg“, Donnerstag in den Kinos.