Tragikomödie

Kreuzberg – wo sich Juden und Araber noch vertragen

In "Kaddisch für einen Freund" überwinden ein jungen Palästinenser und ein alternder Jude ihre Vorurteile und werden Freunde. Ohne ein Klischee auszulassen.

Ein Araber und ein Jude begegnen sich im heutigen Kreuzberg – es braucht keine große Fantasie, um die weitere Handlung eines Films, der auf dieser Prämisse beruht, voraussagen zu können: Zuerst streiten sie sich, aber am Ende wird eine Art Versöhnung stehen. Zumal Leo Khasin, in Moskau geboren und in Berlin aufgewachsen, in seinem Regiedebüt die beiden Protagonisten als eigenwillige Sympathieträger in einem jeweils sehr unfreundlichen Umfeld einführt.

Alexander (Ryszard Ronczewski) ist ein russisch-jüdischer Kriegsveteran um die 80, der vom Sozialamt gedrängt wird, bald ins Altersheim zu gehen. Ali (Neil Belakhdar) ein jugendlicher Palästinenser, der mit seiner aus dem Libanon geflohenen Familie neu in die Wohnung darunter einzieht.

Ali droht die Abschiebung

Gegenseitige Vorurteile, die der Film als natürliche Gegebenheiten behauptet, eskalieren bald in einem Überfall auf die Wohnung des Alten. Als einziger seiner Clique wird Ali erwischt; die drohende Abschiebung zwingt ihn dazu, auf Alexander zuzugehen.

Die Annäherung ist damit auf den Weg gebracht, wenn sie auch noch zigmal durch Wendungen unterbrochen wird, die weniger für die Entwicklung der Figuren nötig scheinen als für den dramatischen Spannungsbogen des Films.

Die Zeichnung der Charktere ist unstimmig

Statt Generalisierungen und Klischees zu vermeiden, baut Khasin, der auch das Drehbuch geschrieben hat, seinen gesamten Plot daraus, offenbar in der Hoffnung, die stimmige Zeichnung der Charaktere ergäbe sich so ganz von allein. Doch leider ist dem nicht so.

Die Schauspieler geben sich zwar redlich Mühe, mit Ausnahme der beiden Hauptfiguren sind sie jedoch alle zum Chargieren verdammt: vom donnernden Arabervater über das altersweise Mitglied der jüdischen Gemeinde bis hin zur Sozialpflegerin mit Berliner Schnauze. In diesem Umfeld erscheint die Lösung, dass der alte Alexander und der junge Ali am Ende zu einem Verständnis finden, wie ein Klischee zuviel.