"Berliner Zeitung"

Unions Präsident, die Stasi und der böse Reporter

Der Reporter der "Berliner Zeitung", der die Stasi-Verstrickung von FC-Union-Boss Dirk Zingler aufgedeckt hatte, geht. Der Druck aus der Redaktion war groß.

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Union Berlin ist Kult. Viel mehr als Fußball. Schon zu DDR-Zeiten war „Eisern Union“ der erbitterte Rivale des Stasi-Clubs BFC Dynamo. Wie eine Bombe schlug deshalb im Juli 2011 ein Artikel der „Berliner Zeitung“ ein, in dem der Sportreporter Matthias Wolf enthüllte, dass Vereinschef Dirk Zingler in den 80er-Jahren als Unteroffizier im „Wachregiment Feliks Dzierzynski“ gedient hatte, das direkt der Stasi unterstand.

Im Handumdrehen wurde Wolf, der 15 Jahre lang professionell über Union berichtet hatte, nicht nur zur Hassfigur der Fans, sondern auch der Vereinsspitze. Obwohl niemand die Tatsachen bestritt, hagelte es Drohungen. Anzeigenkunden stornierten Aufträge, Abos wurden gekündigt. Zingler persönlich drängte bei Chefredakteur Uwe Vorkötter auf die Abberufung Wolfs.

"Schwere handwerkliche Fehler"

Vorkötter forcierte den Abzug des Reporters von Union. Nun, da Wolf von sich aus die Zusammenarbeit aufgekündigt hat, spricht Vorkötter von „schweren handwerklichen Fehlern“ des erfahrenen Reporters. „Sehr merkwürdig“, meint Wolf zu „Morgenpost Online“. „Eben noch wollte er mich zur Hertha wegloben, weil dort auch kritische Berichterstatter gebraucht würden. Vor der Wachregiment-Berichterstattung habe ich in 15 Jahren Tätigkeit für die ,Berliner Zeitung‘ nicht eine einzige Gegendarstellung bekommen.“

Auch intern wuchs der Druck auf Wolf. Redakteure der „Berliner Zeitung“, einst Vorzeigeblatt der SED, zeigten Verständnis für die empörte Volksseele. Vielleicht kein Zufall. 2008 enttarnte die „Welt“ die frühere IM-Tätigkeit des leitenden Redakteurs Thomas Leinkauf. Nicht der einzige Journalist dort mit Stasi-Vergangenheit: Von 132 Redakteuren hatten mindestens neun Stasi-Verbindungen. Schon Mitte der 90er-Jahre hatte die „Berliner Zeitung“ zwölf Zuträger der DDR-Geheimpolizei entlassen.