Trauerfeier

Berlin nimmt Abschied von Thomas Langhoff

In einer berührenden Trauerfeier haben in Berlin Freunde und Wegbegleiter von dem verstorbenen Regisseur Thomas Langhoff Abschied genommen. Im Anschluss wurde Langhoff im Familienkreis auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Mitte beigesetzt.

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Mit einer bewegenden Trauerfeier haben rund 800 Freunde und Weggefährten in Berlin Abschied von Theaterregisseur Thomas Langhoff genommen. Im Berliner Ensemble hielten am Donnerstag unter anderem Volker Braun, Christian Grashof, Dieter Mann, Jürgen Flimm, Cornelia Froboess, Ulrich Khuon und Claus Peymann kurze Ansprachen. Im Anschluss an die gut zweistündige Feier wurde Langhoff auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof im Familiengrab beigesetzt. Dort sind auch sein Vater, der legendäre DDR-Theatermacher Wolfgang Langhoff, und frühere Weggefährten wie Bertolt Brecht, Helene Weigel und Hanns Eisler begraben.

Langhoff war am 18. Februar 2012 im Alter von 73 Jahren gestorben. Der langjährige Intendant des Deutschen Theaters in Berlin galt als einer der wichtigsten Regisseure des deutschen Bühnenbetriebs. Er stammt aus einer Theaterfamilie: Sein Vater war der Regisseur Wolfgang Langhoff, sein Bruder Matthias ist ebenfalls Regisseur, sein Sohn Lukas wurde mit einer Inszenierung kürzlich zum Berliner Theatertreffen eingeladen.

Thomas Langhoff wurde in nahezu allen Reden wegen seiner Liebe zu den Menschen gepriesen. „Er liebte und achtete die Schauspieler“, sagte der Schauspieler Dieter Mann. „Das machte ihn so wertvoll.“ Sein Kollege Gert Voss sagte, er bewundere Langhoffs Menschenliebe.

Der Regisseur und Intendant der Berliner Schaubühne, Thomas Ostermeier, lobte, Langhoff habe ihm 1996 vertraut, obwohl er ein „No Name“ gewesen sei. Damals war Langhoff Intendant des Deutschen Theaters in Berlin und übertrug ihm die Leitung der Nebenbühne „Baracke“ für experimentelles Theater. „Das war einzigartig“, sagte Ostermeier. Langhoff habe zu ihm gehalten, auch wenn es mal nicht so gut gelaufen sei.

Trotz aller Traurigkeit gab es auch den einen oder anderen Moment zum Schmunzeln. Intendant Dieter Dorn würdigte Langhoffs Dynamik. Die Schauspieler hätten ihn sogar von der Bühne vertreiben müssen, um Platz zu haben. Seine Arbeit sei so intensiv gewesen, „dass er Ort und Zeit vergaß, Abstürze in den Orchestergraben inbegriffen“. Das dokumentierten dann auch einige Filmausschnitte mit Probeszenen.

Langhoffs „Kirschgarten“ läuft am Berliner Ensemble

Langhoffs Arbeiten werden auch weiter zu sehen sein. Am Berliner Ensemble läuft seine letzte Inszenierung, Tschechows „Kirschgarten“. Carmen-Maja Antoni spielt eine Hauptrolle. „Wir werden dir einen Kirschbaum pflanzen und bewahren“, sagte sie sichtlich gerührt.

Langhoff wurde am 8. April 1938 in Zürich, dem Exil seiner Eltern, geboren. Seine Ausbildung zum Schauspieler machte er an der Theaterhochschule Leipzig. Von 1964 bis 1971 arbeitete er als Schauspieler am Hans-Otto-Theater Potsdam.

1991 übernahm er für zehn Jahre die Intendanz des verschuldeten Deutschen Theaters in Berlin, an dem auch sein Vater von 1946 bis 1963 Direktor war. Im Anschluss arbeitete er als Gastregisseur am Bayerischen Staatsschauspiel und zuletzt für das Berliner Ensemble.