Debütfilm

Komödie "Trans Bavaria", ein romantisches Manifest

Der Debütfilm von Konstantin Ferstl belebt den tot geglaubten Idealismus. Ab heute läuft er in den bayerischen Kinos, in Berlin und Dortmund. Weitere Städte folgen.

Foto: Zorro Film

Die Revolution spricht Bayerisch. Zumindest wenn es nach Konstantin Ferstl geht. Der Regisseur erzählt in seinem Debütfilm „Trans Bavaria“ eine Geschichte über das Auflehnen und Finden der Heimat, abseits der Heimat.

Der 19-jährige Abiturient Quirin (Marcel Despas), genannt Quirinalis, träumt von einem Leben als Revolutionär. Seine Startbedingungen dafür sind denkbar schlecht. Aufgewachsen in der niederbayerischen Provinz, hegt die Landbevölkerung leider nur wenig Sympathien für seinen sozialromantischen Idealismus.

Die Revolution rückt in weite Ferne

Der Versuch, die Abiturfeier für eine politische Aktion zu nutzen, misslingt. Die Revolution rückt in weite Ferne. Als Quirin erfährt, dass Fidel Castro auf dem Roten Platz in Moskau eine Rede hält, gibt es aber kein Zurück mehr. Mit seinen besten Freunden Joker (Lukas Schätzl) und Wursti (Johannes Damjantschitsch) bricht Quirinalis zu seinem persönlichen Jakobsweg auf.

In dem gestohlenem Metzgereitransporter von Wurstis Vater (Ottfried Fischer) fahren sie – mit einem Kasten Spezi und einer veralteten Karte im Gepäck – in Richtung Osten. Kurz vor dem Ziel geht der Wagen kaputt. Die drei Freunde stranden in einem scheinbar verlassenen Kloster und treffen auf den Eremiten Trotta (Eisi Gulp), der ihnen eine Lektion in Sachen Revolution erteilt.

52 Drehtage ohne Fördergelder

An 52 Drehtagen stemmten Konstantin Ferstl und sein Team „Trans Bavaria“, ganz ohne Fördergelder. „Mein höchster Richtwert war immer, dass ich den Film so mache, wie ich ihn erlebt habe“, sagte der 28-Jährige. Diese Kompromisslosigkeit hätte das Projekt fast scheitern lassen, gibt er offen zu: „So einen Fair Trade Film kann man nur einmal im Leben machen.“

„Trans Bavaria“ ist nicht nur Ferstls Abschlussfilm an der Münchner Hochschule für Film und Fernsehen (HFF), sondern auch eng mit seiner eigenen Biografie verwoben. In der niederbayerischen Provinz Abensberg aufgewachsen, galt er, nach eigenen Angaben, mit seinen unangepassten Interessen und Meinungen als Systemgegner.

Wie die Protagonisten in seinem Film machte er nach dem Abitur eine (fern-)östliche Sinnreise. Auch ihn zog es an den Roten Platz nach Moskau und von dort noch weiter bis nach Peking. Dort kam ihm die Idee zu seinem späteren Film.

Jugendliches Aufbegehren gegen Heimat

Mit teilweise pubertär-poetischen Phrasen neigt Ferstls Roadmovie zu einem leicht weinerlichen Weltschmerz-Getue. Doch gelingt es ihm, authentisch und gleichzeitig amüsant ein zutiefst romantisches Gefühl zu beleben: Das jugendliche Aufbegehren gegen Heimat und der versöhnliche Moment, trotz aller Widersprüche im Zuhause verwurzelt zu sein.

„Der Film hat mich mit meiner Heimat versöhnt“, sagt Ferstl. Dabei ist die Revolution nicht abgesagt, sondern nun auf die Ebene der Innerlichkeit verschoben. Als erfrischenden Gegenentwurf zur Meinungslosigkeit einer digitalen Boheme gibt „Trans Bavaria“ ein Stück gesunden Idealismus und Rebellionsphantasie zurück an diese aufgeklärte Welt.