World Press Photo Award 2011

Momentaufnahme des Leids ist Pressefoto des Jahres

Eine Frau im Vollschleier, die in einer Moschee in Sanaa einen verletzten Demonstranten versorgt, eine Momentaufnahme des "Arabischen Frühlings" aus dem Jemen ist zum Pressefoto des Jahres 2011 gekürt worden.

Foto: AFP

Eine Aufnahme aus dem blutigen Machtkampf im Jemen ist am Freitag zum besten Pressefoto des vergangenen Jahres gekürt wurden. Das mit dem World Press Photo Award 2011 ausgezeichnete Foto des Spaniers Samuel Aranda zeigt eine Frau in schwarzem Vollschleier und weißen Handschuhen, die in ihren Armen einen verletzten Verwandten hält. Es wurde im Oktober vergangenen Jahres in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa in einer Moschee aufgenommen, in der Gegner von Präsident Präsident Ali Abdallah Saleh ein Feldlazarett einrichteten.

"Das Foto steht für die gesamte Region“, begründete Jurymitglied Koyo Kouoh in Amsterdam die Auszeichnung im wichtigsten Fotowettbewerb der Welt. „Es präsentiert Jemen, Ägypten, Tunesien, Libyen, Syrien – einfach alles, was während des arabischen Frühlings geschah.“ Das Besondere an dem Foto sei, dass es in einer bedeutenden Entwicklung „eine private, intime Seite“ zeige. Aranda war im Auftrag der „New York Times“ im Jemen.

Im Zuge der revolutionären Bewegungen in der arabischen Welt hatten Anfang 2011 auch im Jemen Proteste gegen Saleh eingesetzt. Der seit 1978 amtierende Staatschef unterzeichnete im November nach monatelangen Protesten mit hunderten Toten ein Abkommen zum Machtverzicht. Im Gegenzug wurde ihm Straffreiheit zugesichert. Bis zur Präsidentschaftswahl am 21. Februar ist Saleh als Ehrenpräsident formell noch im Amt.

Auch Gaddafis-Todesfoto prämiert

Die Jury zeichnete auch das Foto eines Unbekannten aus, der wahrscheinlich mit einem Handy festgehalten hatte, wie der libysche Staatschef Muammar al-Gaddafi am 20. Oktober in Sirte auf einen Militärlastwagen gezerrt wird. Das Foto halte einen historischen Moment fest, sagte der Juryvorsitzender Aidan Sullivan.

Nach Angaben der Jury sollen mit der Wahl des Siegerfotos auch die in Konfliktgebieten umgekommenen Fotografen geehrt werden. Bei den Unruhen hätten auch Fotografen einen sehr hohen Preis bezahlt, hieß es.

Der Fotowettbewerb wurde zum 55. Mal ausgeschrieben. Insgesamt wurden 57 Fotografen aus 24 Ländern in neun Kategorien ausgezeichnet. Die Jury wählte die Siegerfotos aus über 100.000 Vorschlägen aus. Die Preise werden im April in Amsterdam verliehen.