Neuer Intendant gesucht

Maxim Gorki Theater droht die Zuschauerrolle

Das Intendanten-Karussell im deutschsprachigen Raum dreht sich heftig, und das Berliner Maxim Gorki Theater steht kurz vor dem Rausflug. Denn für den nach Stuttgart abwandernden Armin Petras ist bisher noch kein Nachfolger gefunden.

Foto: Amin Akhtar

In Wien wurden in dieser Woche wichtige Verträge frühzeitig verlängert: der von Burgtheater-Direktor Matthias Hartmann bis 2019, der vom künstlerischen Direktor der Staatsoper bis 2020, der vom Generalmusikdirektor bis 2018 – mit Option für zwei weitere Jahre. Aber auch an etwas weniger staatstragenden Einrichtungen hierzulande werden Personalentscheidungen in der Regel mit vernünftigem zeitlichen Vorlauf gefällt: Wie im Fall von Karin Beier (künftig am Hamburger Schauspielhaus), Stefan Bachmann (Köln) oder Armin Petras (Stuttgart).

Auch Hasko Weber, der designierte Intendant des Deutschen Nationaltheaters (DNT) in Weimar, soll wie Beier, Bachmann & Co im Sommer 2013 anfangen. Diese Personalie wurde bereits verkündet, obwohl die Vertragsverhandlungen noch nicht abgeschlossen sind – damit Weber nicht noch von anderen umworben wird. Den amtierenden DNT-Intendanten Stephan Märki indes zieht es nach Bern – und er nimmt Iris Laufenberg, die bis Jahresende Leiterin des Berliner Theatertreffens war, mit in die Schweiz. Damit nimmt die Zahl der Kandidaten für Berlin weiter ab.

Das Intendanten-Karussell dreht sich mal wieder heftig. Und zwei Städten droht eine Zuschauerrolle: weil sie sich Zeit lassen. Zu viel Zeit. Leipzig und Berlin sind die beiden Zögerer. Beide suchen neue Intendanten für Bühnen, die als schwierig gelten. In Leipzig verlässt Sebastian Hartmann das zu Beginn seiner Intendanz in Centraltheater umbenannte Schauspiel im Sommer 2013. Finanziell gilt die Lage dort als ziemlich angespannt, die Zuschauer strömten nicht gerade zu den ambitionierten Spielplanangeboten. Armin Petras, dem Intendanten des Berliner Maxim Gorki Theater, bescheinigte Berlins Kulturstaatssekretär André Schmitz (SPD) zwar kürzlich, dass er das Haus „in einem sehr guten Zustand hinterlässt“.

Problematisch ist aber die finanzielle Ausstattung von Berlins kleinstem Staatstheater. Im Vergleich zu den großen Tankern Volksbühne, Schaubühne, Deutsches Theater und Berliner Ensemble gilt das Gorki als unterfinanziert. Ein Grund, warum der Intendant geht. Mangels Geld musste Petras die Bespielung des Studios, der kleinen Spielstätte, stark einschränken und viele Koproduktionen mit anderen Bühnen verabreden. Mitunter sitzt das kleine Ensemble dann länger im Zug als es auf der Bühne steht. Und Veranstaltungen wie das Kleist-Festival zum 200. Todestag des Dichters konnte das Maxim Gorki Theater nur anbieten, weil die Bundeskulturstiftung die Finanzierung übernahm.

Dass Petras ans Staatsschauspiel Stuttgart wechselt, ist seit Oktober bekannt. Kulturstaatssekretär André Schmitz räumt zwar ein, dass die Nachfolgeregelung am Maxim Gorki Theater „etwas eilt“, aber erst im Frühjahr soll eine Entscheidung fallen. Derzeit laufen dem Vernehmen nach Gespräche mit einigen Bewerbern, aber beim Tempo sollte Schmitz ruhig einen Gang höher schalten. Je länger er wartet, desto schwieriger wird es für den Neuen. Denn Intendant Petras kümmert sich – wie in der Branche üblich – natürlich auch schon um seine neue Aufgabe im Schwabenland, er wird voraussichtlich einen Großteil seines Ensembles, seinen Geschäftsführer und weitere Mitarbeiter mitnehmen. Und auch die anderen, bereits verpflichteten neuen Intendanten in Hamburg, Köln und anderswo stellen ihre neuen Teams und Ensembles längst zusammen. Das heißt: der Markt wird leerer. Wer zu spät kommt, hat weniger Auswahl.

Und das ist das Schlechteste, was Schmitz passieren kann. Denn einerseits braucht er einen Intendanten, der für ein klares Profil steht, weil in einer Stadt mit einer solchen Theatervielfalt wie Berlin eine Gemischtwarenladen-Bühne schnell im Abseits landet. Andererseits kann Schmitz nicht mit einem auskömmlichen Etat beim Gorki werben. Das dürfte den Kreis der Kandidaten weiter schmälern. Die Zeit, sie drängt gewaltig.