"Yasou Aida"

Neuköllner Oper verlegt "Aida" in die EZB-Zentrale

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Pinar Abut

Foto: promo

Kaum hat sich die griechische Bank-Azubine Elpida in Rainer von der EZB verliebt, kommt es zum Zickenkrieg und finanzpolitischen Schwierigkeiten. In der Neuköllner Oper wird Verdis "Aida" zum Spiegelbild europäischer Spannungen.

Es vergeht fast kein Tag, an dem nicht über den Euro und die Kreditwürdigkeit der Euroländer berichtet wird. Die Neuköllner Oper bringt mit „Yasou Aida“ genau diese Thematik auf die Bühne, aber viel unterhaltsamer und komischer als jede Nachrichtensendung. „Yasou Aida“, eine deutsch-griechische Gemeinschaftsproduktion, ist eine moderne Version von Giuseppe Verdis Oper „Aida“.

Um die neue Version besser einordnen zu können, schadet es nicht, sich noch mal an das Original zu erinnern. Das spielt in der Zeit der Pharaonen. Aida ist eine äthiopische Prinzessin, die aber als Sklavin am ägyptischen Hof lebt. Sie ist verliebt in Radames, den ägyptischen Feldherrn, der erfolgreich gegen die Äthiopier in die Schlacht gezogen ist. Die Tochter des Pharaos, Amneris, ist ebenfalls in den jungen Mann verliebt. Radames liebt aber nur Aida und will nicht länger Krieg führen, sondern mit seiner Geliebten fliehen. Dabei verrät er unabsichtlich ein militärisches Geheimnis. Als Staatsverräter wird er bei lebendigem Leibe mit seiner großen Liebe Aida eingemauert.

Griechische Haushaltsschlacht

Die moderne Aida hingegen heißt Elpida, ist Griechin und hat einen begehrten Platz als Trainee bei der Europäischen Zentralbank (EZB) bekommen. Dort lernt sie Rainer Mess kennen. Die beiden haben eine Affäre miteinander. Aber auch Elpidas Chefin Anna steht auf Rainer. Als sie von dieser Beziehung erfährt, sagt sie zu Elpida: „Typisch griechisch etwas zu nehmen, was dir nicht gehört!“

Während die Frauen einen gesanglichen Zickenkrieg ausführen, hat Rainer als Sonderbeauftragter der EZB die Aufgabe, in Griechenland die Umsetzung der Sparauflagen zu überwachen, denn dort wird zu viel Geld ausgegeben. Er bekommt die Schere überreicht und darf tiefe Einschnitte in den griechischen Staatshaushalt machen. Personen mit Schweinsmasken und riesigen Schecks der EZB symbolisieren jeweils das Kultur-, das Bildungs- oder das überteuerte Lebensstandardschwein. Alle sticht Rainer nieder, nur das bankregulierende Selbstschwein bleibt am Leben. Ratlos blickt Rainer auf das Schlachtfeld mit den toten Schweinen und sagt, dass er doch nur helfen wollte.

Nicht nur die Handlung von Verdis „Aida“ wird in ihren Grundzügen übernommen. Die fünf Musiker, die direkt neben der Bühne sitzen, spielen die Originalmusik der Oper, allerdings mit anderen Instrumenten. Gesungen wird auf Deutsch, Englisch und Griechisch. Auch als ungeübter Operngänger kann man der Handlung sehr gut folgen, weil alle Texte auf Deutsch übertitelt werden.

Als in der EZB-Zentrale darüber diskutiert wird, wie es mit Griechenland weitergehen soll, wird auch die Stimme des Publikums gefordert. Die eine Hälfte ruft „Betrüger“ und der Rest ist für „Umschuldung“. Als Rainer mit Elpida alleine ist, sagt er, dass von seiner Arbeit nur das Finanzamt profitiere und dass alles wie ein „böser Traum“ sei. Elpida kann nicht verstehen, warum er mit seiner neuen Meinung seine Karriere gefährdet und sagt, dass sie bei der EZB bleiben will.

Rainers Sinneswandel kommt dem Boss zu Ohren und er muss sich vor einem Untersuchungsausschuss verteidigen, denn er hat das höchste Vergehen begangen – er hat selbst gedacht! Es herrscht Demokratie und das Publikum darf mit blauen (unschuldig) und roten (schuldig) Kugeln abstimmen, ob Rainer ein Verräter ist. Doch er hat keine Chance, denn es werden nur rote Kugeln verteilt. Am Ende steht er ohne Job und Elpida da. Sie macht jetzt Karriere bei der EZB. „Yasou Aida“, nach einer Idee von Alexandros Efklidis, ist eine amüsante Neuinterpretation, die aber nur noch mit kleinen Analogien an das Original erinnert.