Griechische Schulden

Athen will die Akropolis für Werbefilme öffnen

Für 1600 Euro pro Tag sollen künftig Clips auf der Akropolis gedreht werden dürfen. Ob das reicht? 600.000 Drehjahre wären nötig, um alle Schulden zu tilgen.

Foto: picture-alliance / Mark Henley / / picture-alliance / Mark Henley //imagestate/Impact Photos

Die griechische Regierung hat beschlossen, eine neue Geldquelle zu erschließen. Das Kulturministerium will laut Presseberichten die Akropolis und andere Wahrzeichen an Werbefilmer vermieten. Ein Drehtag soll 1600 Euro kosten. Griechenlands Kulturpessimisten warnen schon lange vor einem Ausverkauf der antiken Denkmäler und sehen sich nun bestätigt. Zumal die Idee bereits Schule macht.

In Rom hat sich erst vor wenigen Tagen der Plan des Schuhherstellers Tod’s zerschlagen, dem Kolosseum eine Restaurierung für 25 Millionen Euro zu sponsern und im Gegenzug mit dem Kolosseum werben zu dürfen. In Polen suchen sie gerade einen neuen Mieter für die Wolfsschanze , Hitlers Führerhauptquartier an der Ostfront. Die Pacht für die Anlage samt 13 Hektar Umland kostet 110.000 Euro im Jahr. Und auch in Deutschland kommen immer mehr Verbindungen zwischen Baudenkmälern und privaten Investoren ans Licht. Man denke nur an das Schloss Bellevue.

Man muss kein Kulturpessimist sein

Aber man muss kein Kulturpessimist sein, um die griechischen Pläne für ungeeignet zu halten. Es reicht schon, ein Wirtschaftsrealist zu sein. Bei Werbung geht es um Images. Wenn eine Firma ein junges, intaktes Image haben will, wirbt sie mit jungen, intakten Menschen oder Objekten (VW ist mit seiner Karl-Lagerfeld-Kampagne nur die Ausnahme von der Regel). Die DiBa wirbt mit Dirk Nowitzki. In Sparkassen-Spots fährt ein Rennwagen. Die Allianz sponsert Münchens Fußballstadion.

Die Akropolis ist, jedenfalls solange der Schuhhersteller Tod’s keine anderslautenden Restaurierungspläne vorlegt, eine Ruine, und sie ist steinalt. Mit so einem Markenkern Werbung zu machen kann man nicht mal von der Deutschen Bahn erwarten.

"Mein Haus soll ein Bethaus heißen"

Zumal Akquise in Tempeln spätestens seit dem Markus-Evangelium in dem Ruf stehen, Gott zu verärgern („Steht nicht geschrieben ,Mein Haus soll ein Bethaus heißen für alle Völker?‘ Ihr aber habt eine Räuberhöhle daraus gemacht“). Im Falle der Akropolis riskiert man gleich ein schlechtes Verhältnis zu allen Göttern Griechenlands, und schon Athene alleine, die wichtigste Göttin auf der Akropolis , gilt als äußerst nachtragend.

Die einzigen Betriebe, die trotzdem ein Interesse an Werbung mit der Akropolis haben, sind solche, die ihr Geld mit griechischen Spezialitäten verdienen. Doch auch von dieser Seite ist kaum Nachfrage zu erwarten, weil sich beim Akropolis-Marketing längst eine verhängnisvolle Kostenlos-Mentalität eingebürgert hat.

289 Akropolis-Restaurants bundesweit

Feta-Hersteller haben schon mit Fotos von Käse vor der Akropolis geworben („Serviervorschlag“), als der Staatshaushalt nur für die paar griechischen Politiker ein Thema war, die beim Frisieren der Statistiken mithelfen mussten. Die „Gelben Seiten“ listen bundesweit 289 „Akropolis“-Restaurants auf. Die Dunkelziffer dürfte noch höher liegen. All die Jahre kam niemand auf die Idee, für solche Werbung Lizenzgebühren zu kassieren. Griechenland wird es schwer haben, jetzt auf einmal Akzeptanz für Bezahlmodelle zu erzielen.

Es muss zunächst offen bleiben, ob trotz dieser Hindernisse die nötigen 218,75 Millionen Werbe-Drehtage (also rund 600.000 Drehjahre) auf griechischen Wahrzeichen zustande kommen, um die griechischen Schulden in Höhe von rund 350 Milliarden Euro zu tilgen.