Gekentertes Luxusschiff

Schon Godard machte "Costa" zum Untergangssymbol

In seinem "Film Socialisme" inszenierte Jean-Luc Godard die "Costa Concordia" als soziale Metapher. Ihr Kapitän vollendet nun, was der Regisseur andeutete.

Absichtlich unscharf ist der Blick, den Jean-Luc Godard in seinem „Film Socialisme“ auf das verregnete Sonnendeck der „Costa Concordia“ wirft. Das jetzt havarierte Kreuzfahrtschiff war der Drehort für die Anfangssequenz des Films, der in Cannes 2011 das Publikum spaltete. Die einen hielten ihn für ein spätes Meisterwerk, die anderen für die Alters-Onanie eines Ex-Genies.

Das Schiff dient Godard als Metapher für den Kapitalismus, der durch schwere See stampft, und für den Westen, der Afrika im wörtlichen Sinne „verlässt“. Man sieht Passagiere, die sich bei Abendgesellschaften fotografieren lassen und Aerobic machen. Im Off wird philosophiert, dass Wasser ein öffentliches Gut sei – „Wie das Geld also?“

Fasziniert von Zivilisationskatastrophen

Ein Berlin-Mitte-bärtiger Fotograf läuft depressiv an Deck umher. Eine schöne Frau taucht in den Swimming-Pool. Patti Smith spielt eine freudlose Bord-Unterhalterin. Und man sieht das Meer – mal dunkel, mal tosend, immer bereit, das Unglücksschiff zu verschlingen.

Der 80-jährige Godard, der als Mitglied der "Nouvelle Vague" einer der großen Erneuerer des Weltkinos war, ist sein ganzes Künstlerleben lang fasziniert von Zivilisationskatastrophen gewesen – in „Weekend“ und „Le mépris“ verwendete er viel Energie darauf, Autounfälle zu inszenieren. Im Fall der "Costa Concordia" vollendet die Dummheit eines Kapitäns , was Godard in seinem Film nur andeutet.