Sprachwissenschaftler

"Döner-Morde" ist das "Unwort" des Jahres 2011

Das Wort "Döner-Morde" hat im Zusammenhang mit den Morden der Zwickauer Terrorgruppe traurigen Ruhm erreicht. Jetzt wurde der Begriff zum "Unwort des Jahres" gewählt.

Foto: dapd

Zum „Unwort des Jahres 2011“ ist der Begriff „Döner-Morde“ gewählt worden. „Damit wurden von Polizei und Medien die von einer neonazistischen Terrorgruppe verübten Morde an zehn Menschen bezeichnet“, sagte die Sprecherin der „Unwort“-Jury, Sprachwissenschaftlerin Nina Janich, am Dienstag in Darmstadt. Das Schlagwort verharmlose, sei eine sachlich unangemessene, folkloristisch-stereotype Etikettierung.

„Döner-Morde“ waren 269 Mal eingereicht worden, der Begriff lag an der Spitze. Damit waren im Kern Morde an acht türkischstämmigen und einem griechischen Kleinunternehmer bezeichnet worden. Janich zählte auch den Mord an einer Polizistin mit.

Das Wort steht seit längerer Zeit in der Kritik. „Der Begriff Döner-Morde macht mich wütend“, sagte Ende des Jahres 2011 der Vorsitzende der türkischen Gemeinde, Kenan Kolat . Er könne nicht begreifen, wie man ihn gedankenlos benutzen und nicht einmal nach den Opfern fragen könne.

Insgesamt hatten sich 2224 Einsenderinnen und Einsender an der Wahl beteiligt, so viele wie nie zuvor.

Neben der unabhängigen, sprachkritischen Jury wählt die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS/Wiesbaden) das „Wort des Jahres“. 2011 ist es der Modebegriff „Stresstest“ .

Die „Unwort“-Jury kritisiert in diesem Jahr außerdem die Formulierung „Gutmensch“. Mit dem Ausdruck werde besonders im Internet das ethische Ideal des „guten Menschen“ in hämischer Weise aufgegriffen. Kritisiert wurde auch der Begriff „marktkonforme Demokratie“, den Bundeskanzlerin Angela Merkel benutzt habe. Es handele sich um eine „höchst unzulässige Relativierung“.

Das „Unwort des Jahres“ wird seit 1991 von einer sprachkritischen Initiative gekürt. „Unwörter“ waren zuletzt " alternativlos“ (2010), „betriebsratsverseucht“ (2009), „notleidende Banken“ (2008), „Herdprämie“ (2007), „Freiwillige Ausreise“ (2006), „Entlassungsproduktivität“ (2005), „Humankapital“ (2004), „Tätervolk“ (2003), „Ich-AG“ (2002) und „Gotteskrieger“ (2001).

Mit dem Abschluss der 20. Unwortsuche im vergangenen Jahr waren der Initiator Horst Dieter Schlosser und die Jurorin Margot Heinemann als ständige Mitglieder ausgeschieden. An ihre Stelle traten die Sprach- und Literaturwissenschaftlerin Nina Janich von der TU Darmstadt als neue Sprecherin, der Sprachwissenschaftler Jürgen Schiewe (Universität Greifswald) und Kersten Sven Roth (Universität Zürich). Als externes Jury-Mitglied für das Unwort 2011 fungierte der frühere Bundesminister Heiner Geißler (CDU).