Fastfood-Riesen

ARD tischt bei McDonald's-Test nur leichte Kost auf

Burger King, Joe Champs oder McDonald's – wo gibt's die besten Burger und Pommes? Der Fastfood-Check im Ersten war unterhaltsam, beweisen konnte er wenig.

Fastfood macht impotent, macht krank, und wenn man nicht aufpasst, bringt es einen um. So in etwa lautete das Fazit von „Super Size Me“, einem polemisch-amüsanten Dokumentarfilm aus dem Jahr 2004, für den der Amerikaner Morgan Spurlock 30 Tage lang ausschließlich McDonald’s-Produkte in sich reinstopfte.

Jochen Taßler und Jochen Leufgens gehen in ihrem „McDonald‘s Check“, der Montagabend in der ARD zur Primetime lief , nicht ganz so weit: sowohl in ihrem persönlichen Einsatz als auch im Resümee. Aber auch bei ihnen schneiden Big Mac & Co. äußerst bescheiden ab.

Wie ein Stein im Magen läge das Essen, befindet ein test-essendes Pärchen nach einer Woche ausschließlichen McDonald‘s-Verzehrs. Und im darauffolgenden Kalorien-Check kommen die Experten auf beeindruckende 920 kcal pro Tag. Also nichts Neues an der Fastfood-Front?

Zuschauer stehen auf Markenchecks

Dass täglicher Fastfood-Konsum auch 2012 noch auf den Magen schlägt, das mag tatsächlich nicht so viele überraschen. Auch nicht, dass asiatisches Essen und Fisch verträglicher sind als Pommes und Hamburger. Denn Taßler und Leufgens schicken ihre Probanden nicht nur zu McDonald’s, sondern auch zu Nordsee, in einen Asia-Imbiss und in eine Dönerbude. Diese Versuchsanordnung erinnert stark an den „Lidl-Check“ vom letzten Montag, mit dem die ARD mit 6,31 Millionen einen wahren Quotenhit gelandet hat. Dort durften Testpärchen bei Lidl, Rewe, Edeka und Nettoeinkaufen.

Die großen Konzerne, die in der Serie „Markencheck“ im letzten Jahr noch im WDR getestet wurden und deren Großversprechen nun zur Primetime in der ARD auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft werden, sorgen offensichtlich auch für großes Zuschauerinteresse.

McDonald's schneidet schlecht ab

McDonald’s landet beim Bekömmlichkeits-Test jedenfalls auf dem dritten Platz. Beim Geschmackstest ist das Ergebnis noch schlechter. Hierzu durften 100 Passanten in der Kölner Innenstadt Burger und Pommes probieren: von McDonald’s, vom Hauptkonkurrenten Burger King und der amerikanischen Sportbar Joe Champs. Bei den Pommes ist Joe Champs der Sieger, vor Burger King und McDonald's, bei den Burgern gewinnt der Whopper vor Joe Champs und vor dem Royal TS.

Selbst beim Burger-Blind-Date mit verdeckten Markennamen landet McDonald’s hinten. Das ist dann doch ein bisschen überraschend, vor allem für den Kommunikationschef des Konzerns, Matthias Mehlen, der den Sieg seines Unternehmens prophezeit hatte. Auch das Kreativteam von McDonald's, das man zuvor noch beim Erfinden und Basteln eines Papp-Burgers gesehen hatte, ist darüber erstaunt. Spätestens jetzt fragen sich Zuschauer und Filmemacher, warum die berühmteste Fastfood-Kette der Welt eigentlich so erfolgreich ist?

Wie verführerisch ist McDonald's?

Dafür muss ein neues Kriterium her: Verführung. Und ähnlich wie Spurlock in „Super Size Me“ geht es den Filmemachern hier vor allem um die Wirkung, die McDonald’s mit Werbung oder dem Happy Meal speziell auf junge Konsumenten ausübt.

Hatte der Amerikaner 2004 relativ überzeugend mit der schieren Masse an McDonald's-Werbeaktionen und -Spielplätzen in Amerika argumentiert, bleibt der deutsche McDonald’s-Check in seiner Beweisführung leider recht vage. Zwar wird als Beleg für die These, dass die McDonald’s-Markenbindung mit dem Happy-Meal-Spielzeug ihren Anfang nimmt, visuell einiges aufgeboten. Etwa wenn der kleine Tim mit der Kamera zum Burger-Kaufen geschickt wird, um zu sehen, worauf sich seine Augen an der McDonald’s-Theke richten; oder wenn im Versuchslabor mit allerlei Drähten die Erregung gemessen wird, die optische Reize wie eine Coca-Cola- oder Happy-Meal-Reklame bei Tim auslösen.

Aber wenn sogar Kinder-Marketing-Experte Wolfgang Schiessl zugibt, nicht wirklich sagen zu können, was im Kopf des kleinen Tim passiert – woher sollen wir das dann am Ende wissen? Als Ergebnis bleibt jedenfalls stehen, dass Tim wohl knapp eine Sekunde länger auf das Happy-Spielzeug als auf den Happy-Burger geblickt hat, was größeres Interesse signalisieren soll.

"Beweismittel": verwackelte Videoaufnahmen

Und dass der Schauwert in diesem Fallgrößer ist als der Erkenntniswert. Ähnliches gilt für unnötige, verwackelte Videoaufnahmen beim Bekömmlichkeitstest, die wohl nach „geheimer Kamera“ aussehen sollen und mit Einblendungen wie „Tag 1“ oder „Tag 3“ sehr an „Super Size Me“ erinnern.

Ähnlich vage und nicht sehr überzeugend ist die Beweisführung beim Thema „Fairness“. Reisten die Macher des Lidl-Checks sogar bis nach Bangladesch, um die unwürdigen Bedingungen zu zeigen, unter denen Lidl-Produkte hergestellt werden, so geht es dieses Mal zum Geflügelkontor Wiesenhof, einem Zulieferer von McDonald’s. Hier stellt sich heraus: Die Hühner im Stall stehen, für eine gesunde Tierhaltung, zwar viel zu eng zusammen – doch der gesetzliche Rahmen wird eingehalten.

Auch aus der „merkwürdigen Zusatzklausel“ im Arbeitsvertrag eines Studenten, den das Filmteam „undercover“ bei McDonald’s arbeiten lässt, lässt sich juristisch kein wirklicher Strick drehen. Diese besagt, dass bei einem Kassenminus von über einem Euro der darüber liegende Betrag vom Lohn abgezogen wird.

Mehr Unterhaltung als Fakten

So ist der mit Reggae- und Jazzmusik unterlegte McDonald’s-Check vor allem ein Stück Infotainment: nicht ganz so unterhaltsam wie „Super Size Me“, aber gleichzeitig auch mit weniger Fakten unterlegt. Einem großen Werbekunden wie McDonald’s zur Primetime wenn nicht mit knallharten Argumenten, so doch mit kritischer Attitüde zu trotzen, mag man trotzdem mutig finden. Ob man damit letztendlich beim Zuschauer etwas bewirkt oder sogar dessen Konsum- und Essverhalten verändert, muss sich noch zeigen. Von einem Kunden- oder Umsatzrückgang bei Lidl ist jedenfalls noch nichts zu hören.