"Hart aber fair"

Plasberg serviert versalzene Buletten und Eierlikör

Beim Thema Fastfood wurde Plasbergs "hart aber fair" zur Kochshow statt zum Streitgespräch. Ordentlich gesalzen war in der Sendung nur eines.

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Ließe sich die mediale Diskussion um den Bundespräsidenten in Millisievert messen, dann hatte die Verstrahlung noch vor Wochenfrist Fukushima-Niveau erreicht. Jetzt aber betätigten sich Deutschlands Talkmaster als Liquidatoren. Plötzlich geht es nicht mehr um den Mann im Bellevue, sondern um die Kalorien im Essen. Selten hat das Diskurs-Niveau in deutschen Talkshows so schnell abgespeckt.

Wo „Jauch“ am Sonntag immerhin noch einen politisch halbwegs brisanten Ansatz präsentierte („Brauchen wir Steuern auf Dickmacher?“), wartete „hart aber fair“ tags darauf mit der schlichten Frage auf, ob Discounter und Burger unser Essen kaputt machen. Dabei dürfte inzwischen jedem klar sein, dass ein Penny-Markt nicht der Tempel der Hochkultur ist und bei Burger King keine Haute Cuisine serviert wird.

Auch Frank Plasbergs Gäste räumten mehrheitlich ein, schon mal in Kontakt mit Fastfood gekommen zu sein, nur um das „Happy Meal“ zu verteufeln. „Kaum Verwertbares für den Körper“, führte Ernährungsberaterin Yvonne Willicks aus.

Einzig Autor Manuel Andrack gab an, öfters bei McDonalds reinzuschauen und das nicht mal schlimm zu finden. Demonstrativ futterte er einen Burger und drohte an, auch mit vollem Mund weiterzusprechen. Erst als Plasberg verkündete, am Ende der Sendung werde noch ein Cheeseburger aus der Dose serviert, gab Andrack klein bei: „Den können sie mal schön selber essen.“

Seichtes Fahrwasser

Nicht nur Andrack sorgte bei Plasberg für Heiterkeit, statt Streit. Auch Yvonne Willicks, die in ihrer Sendung „Der große Haushaltscheck“ Familien in den Kühlschrank guckt und böses von gutem Essen trennt, hielt den Talk in seichtem Fahrwasser. In schönster Ruhrpott-Diktion stemmte die gelernte Hauswirtschaftsmeisterin ein Plädoyer gegen Discounter-Produkte und fürs Selberkochen. Zum Beweis hatte die „hart aber fair“-Redaktion Frikadellen mit Kartoffeln-und-Möhren-Untereinander nach Willicks Rezept vorbereitet. Leider waren die Frikadellen total versalzen.

Plasberg nutzte den Fauxpas zu dem, was er am besten kann: ketzerische Fragen stellen. Ob man denn da mit Burgern von McDonalds nicht besser dran sei, zündelte der Moderator. Immerhin schmeckten die doch immer und überall gleich.

Der amtierende „Dschungelcamp-König“ Peer Kusmagk fiel darauf prompt herein und steigerte sich in einen kulturpessimistischen Klagegesang. „Was mir in dieser Gesellschaft abhanden kommt, ist die Sensibilisierung für Lebensmittel. Ich vermisse dieses Bedürfnis, dass man etwas wirklich genießt“, sagte er. Kusmagk betreibt in Berlin ein Slowfood-Restaurant. Die Deutschen hält er im Gegensatz zu Franzosen für kulinarisch minderbegabt.

Die Politik muss handeln

Dass tatsächlich gerade wieder ein Antibiotika-Skandal bei der Hühnermast hierzulande für reichlich Ekel beim Verbraucher sorgt, wurde bei „hart aber fair“ allenfalls gestreift. Obwohl mit dem Bio-Bauern und Grünen-Bundestagsabgeordneten Friedrich Ostendorff ein kompetenter Gast in der Runde saß.

Er kritisierte nicht nur den massenhaften Einsatz von Medikamenten in der Tierzucht und spottete, Apotheker seien heutzutage die „besseren Landwirte“. Ostendorff forderte die Politik zum Handeln auf: „Der Treibstoff Antibiotika muss raus aus der Tierzucht.“ Zudem sei eine bessere Kennzeichnung dringend geboten, so der Grünen-Politiker.

Selbst Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) mahnt im "Welt"-Interview eine bessere Information der Verbraucher an. Sie fordert einen bewussteren Umgang mit Lebensmitteln und kündigt konkrete Maßnahmen an. Bisher sind die Massenerzeuger allerdings weitgehend unbehelligt geblieben. Warum sollte die Politik auch handeln, wenn der Verbraucher es gerne billig hat?

Kochshow statt Streitgespräch

Plasbergs Runde konnte diese Frage auch nicht klären. Das lag zum einen an den Gästen, die ohne Leidenschaft waren. Aber auch daran, dass der Moderator wieder mal seltsam entrückt wirkte. Hier und da mal ein Versuch zu provozieren, ansonsten ordnete er souverän das Geplänkel. Statt eines Streitgesprächsdrohte das ganze zur Kochshow zu werden, passend dazu wurde hier mal ein Häppchen probiert und da mal am Glas genippt.

Auch der Faktencheck, sonst immer für eine Konfrontation gut, erzeugte kaum Widerspruch. Von einer „Discounterisierung“ Deutschlands war die Rede. Es entstand der Eindruck, wir wären von schmatzenden Proleten umzingelt, denen der Herd ein mysteriöses Utensil ist. Da wurden Familien gezeigt, die, anstatt einen ordentlichen Sonntagsbraten zu kochen, lieber mit den Kindern ins Hamburger-Restaurant gingen. Reporter-Frage: „Machen Sie das denn jede Woche?“ Antwort des Vaters: „Ne, da würden wir ja platzen.“

Am Ende sorgte wenigstens „Markendetektiv“ Stefan Duphorn für Transparenz. Auf seinem Verbraucher-Blog führt er eine Art Handelsregister. Dort ist zu erfahren, dass die Flasche „Diana“-Eierlikör bei Lidl für 3,99 Euro im Regal steht. Bei Rewe heißt die Flasche Eierlikör dagegen „Verpoorten“ und kostet 8,79 Euro. Beide Liköre stammen allerdings aus derselben Produktion. Gleiches Produkt, aber zwei Etikette.

Das dürfte den Schnäppchenjägern der Republik ziemlich gut gefallen haben. Jedenfalls freute sich Yvonne Willicks diebisch über den spottbilligen Marken-Fusel und kündigte gleich einen Gang zu Lidl an. Discounter hin oder her. Wer weiß, vielleicht trifft man den Bundespräsidenten ja demnächst auch mal da.