Dritte "The Voice"-Show

Gut gegen Besser und ein Verlierer namens "Dr. Ton"

Für Katja Friedenberg und Benni McMillan reicht es bei der dritten "The Voice"-Show am Ende nicht. Eigentlicher Verlierer des Abends aber ist Xavier Naidoo.

Foto: obs / obs/DPA

„Je eher, je eher du gehst – umso leichter, umso leichter wird’s“, sang Katja Friedenberg – meinte es vermutlich aber nicht so wörtlich, wie diese Zeile aus Herbert Grönemeyers „Flugzeuge im Bauch“ am Ende von Publikum und Jury genommen wurde. Die 25-Jährige schaffte es nicht in die nächste Runde. So schön ihre Stimme auch ist, wollte sie einfach überhaupt nicht zu dem düster-melancholischen Lied des brummenden Grönemeyers passen.

Rino Galiano darf sich dagegen auf eine weitere Runde freuen. Die Zuschauer wollen ihn auch in der nächsten Woche hören, entschieden sie per Telefonabstimmung. Auch wenn sein Auftritt an diesem Abend nicht unumstritten war. Mit „Über sieben Brücken musst du gehen“ wagte sich der skurrile Sänger ebenfalls an einen deutschen Song - an einen Schlager von Karat, den später auch Peter Maffay sang. „Die Nummer ist nix“, wagten The BossHoss leise zu kritisieren - schon fliegt ein Wurfgeschoss aus dem Publikum.

Gemosert wurde Juror gegen Juror

„Hey, habt euch lieb“, schallte es gleich aus der Jury zurück: Kritische Töne sind hier eher ungewöhnlich. Als dann auch noch Rea Garvey nicht wirklich Gefallen an dem deutschen Schlager finden konnte, schien die Show ihren ersten kleinen Skandal zu haben: Disharmonie bei „The Voice“ – das kennt man dort doch sonst gar nicht.

Geschossen wurde aber nach wie vor nicht auf die Kandidaten – die sind ausnahmslos Ausnahmetalente. Gemosert wurde stattdessen Jurymitglied gegen Jurymitglied: der falsche Song für den falschen Kandidaten (der den Song dann natürlich trotzdem grandios gesungen hat).

Besonders in der Kritik: Xavier Naidoo alias „Dr. Ton“ . Gleich für drei seiner Kandidaten bekam er von den Jury-Kollegen einen Rüffel, seine Songauswahl war zumindest bei den Jungs von The BossHoss und Rea Garvey hoch umstritten.

"Ich hab dich lieb, Rino"

Angefeuert von einem überraschend kritischen Moderator („Bereust du es, Ramona nicht in deinem Team zu haben, Rea?“, „Kann Ramona deinem Team gefährlich werden, Xavier?“) und gebremst durch eine gewohnt unkritische Nena („Ich hab dich lieb, Rino“) bekam die Show so neuen Schwung, der in der Harmoniesoße der vergangenen Woche verloren zu gehen drohte.

Schärfere Töne vielleicht auch, weil das erste Mal eine Entscheidung gegen einen Kandidaten anstand. Während sich die Juroren in den ersten Live-Shows noch darauf berufen konnten, zwei der von den Zuschauern vernachlässigten Talente in die nächste Runde zu loben, mussten sie sich nun ganz konkret entscheiden: Mic oder Katja? Ramona oder Benni?

„Was immer hier passiert, es kann dir nichts passieren“, hatte Nena dem Augsburger Kinderpfleger Benni doch versprochen – seine Juroren entschieden anders. „Es tut uns im Herzen weh, eigentlich haben es beide verdient weiterzukommen“, versicherten die Country-Rocker und gaben der blonden Ramona Nerra den Vortritt.

Ein neues Grand-Prix-Sternchen, eine Stimme für Deutschland, einen neuen Superstar: Gleich an drei Abenden hintereinander wird derzeit Nachwuchs für die Charts gecastet. Talentsuche liegt im Trend – da muss jede Show sehen, wie sie sich aus der Masse heraushebt.

Was die Blitztabelle für Baku und Bohlens Zynismus für DSDS ist, war für „The Voice“ von Anfang an die Qualität ihrer Kandidaten. Hier wird auf echte Stimmen gesetzt, nicht auf Show und Skandale – so das Credo.

Das ist vernünftig und lobenswert. Immer wieder aber auch schrecklich langweilig. 150 Minuten Gut gegen Besser ansingen zu sehen, kann schrecklich ermüdend sein, die süßlichen Kommentare von Nena dazu geradezu einschläfernd.

Bei so viel Harmoniesoße sind alle Gewinner – selbst die, die am Ende nicht mehr dabei sind. Ein klarer Favorit? Fehlanzeige. Wie erfrischend ist es da doch, wenn wenigstens Xavier Naidoo sich mal die ein oder andere kritische Bemerkung anhören muss. Bekämen jetzt auch noch die Kandidaten ihre schwachen Auftritte – denn die gab es zweifellos – einmal gespiegelt: „The Voice“ könnte doch noch einmal richtig spannend werden.