Road Movie

Auf der Flucht vor den mörderischen Circen-Lesben

"Helden des Polarkreises" ist ein sehr finnischer Film: Drei Typen erleben auf der Suche nach einem Stück Unterhaltungselektronik durchgeknallte Abenteuer.

Wenn ein Finne eine Komödie dreht, in der drei junge Männer während einer Reise wahnwitzige Abenteuer zu bestehen haben, kann man einer Sache gewiss sein: Das Ergebnis hat mit dem Leichtsinn amerikanischer Road Movies à la Todd Philipps ungefähr genauso viel gemein wie Lappland mit Florida.

"Helden des Polarkreises" des finnischen Regisseurs Dome Karukoski fängt dementsprechend nicht mit einem fröhlichen College-Gelage (wie in "Road Trip") oder hübschen Hochzeitsvorbereitungen (wie in "Hangover" , 1 und 2) an – sondern mit ein paar Selbstmorden. Im ständig düsteren und kalten Lappland, lässt uns der Erzähler wissen, haben die Menschen immer viele gute Gründe, sich das Leben zu nehmen: Mal gibt das Vieh keine Milch, mal werden alle Jobs nach Brasilien outgesourct, mal verliert Finnland gegen Schweden im Eishockey.

Janne hat sein Geld versoffen

Auch für Janne (Jussi Vatanen), der Hauptfigur von "Helden des Polarkreises", gäbe es durchaus einen Anlass, zum Strick zu greifen. Der arbeitslose Tunichtgut hat das Geld für einen dringend benötigten TV-Digitalempfänger in der Kneipe versoffen; seine Freundin Inari (Pamela Tola) droht, ihn zu verlassen, wenn er nicht bis Tagesanbruch eine DVB-T-Box besorgt hat. Was absolut nachvollziehbar erscheint: Es ist schließlich eine finnische Spezialität, sich mit technischen Tricks die Einsamkeit vom Halse zu halten – siehe Nokia.

In der menschenfeindlichen Ödnis des Polarkreises erweist sich die Unterhaltungselektronik nun mal als der einzige Rettungsanker. Und wenn Regisseur Karukoski nun Janne samt zwei verstrahlten Freunden auf die Suche nach dem verlorenen Receiver schickt, dann entspannt sich daraus ein typisches finnisches Heldenepos. Die drei kommen in den Schneemassen kaum voran, werden beinahe von schwedischen Circen-Lesben in einem Swimmingpool ertränkt, müssen für Russen einen Elch schlachten und kämpfen ungerührt gegen das unvermeidliche Scheitern.

Bei der Schlägerei friert die Kamera ein

Für dieses Verhalten gibt es einen schönen finnischen Ausdruck. Er heißt "Perkele". Dahinter verbirgt sich laut Karukoski eine Mischung aus "Ausdauer, Willenskraft und Verdammung der Götter". Voller "Perkele" (man könnte es auch Aki-Kaurismäkiness nennen ) sind die besten Szenen des Films. Wenn sich etwa in einer Kneipe eine Schlägerei anbahnt, bleibt die Kamera eingefroren hinterm Tresen stehen.

Vom Konflikt links und rechts sieht man nichts, und auch das finale Geboxe vor der Tür bekommt man nur undeutlich mit. Diese Szene ist so absurd wie die Idee der Hauptfigur, an einer stets grünen Ampel um 4.30 Uhr mitten in einer menschenleeren Kleinstadt bei minus 15 Grad Scheibenwischdienste anzubieten.

Und so entfaltet "Helden des Polarkreises" gewissermaßen therapeutische Wirkung: An diesen unverfrorenen Finnen können sich die ausgebrannten Mitteleuropäer ein Beispiel nehmen.